Großeinsatz im Westpark

Tierschützer im Einsatz: Hier fischen sie Schildkröten

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Ehrenamtler fischen am Freitag Dutzende Schildkröten aus dem Mollsee im Westpark.

München - So idyllisch dieses Bild der sich sonnenden Schildkröten im Westpark auch ist – sie werden hier verenden. Deshalb ging die Reptilienauffangstation nun auf die Jagd.

Wenn bei schönem Wetter Grillwolken durch den Westpark ziehen, entdeckt man sie trotz Rauchschwaden schnell: Dutzende Schildkröten, die auf den Steinen ihre Köpfchen in die Sonne recken. So idyllisch dieses Bild ist – die Schildkröten werden im Westpark verenden. Sie vertragen das wechselhafte, kühl-feuchte Klima nicht und sind nach ein bis drei Jahren tot.

Deshalb will die Reptilienauffangstation jetzt die ausgesetzten Tiere retten und in einer großanlegten Abfischungsaktion auf das Leid der Schildkröten aufmerksam machen. „Jedes Tier hier symbolisiert einen verantwortungslosen Menschen, der es ausgesetzt hat“, sagt Biologe Patrick Boncourt. Im Mai 2014 hatte ein einzelner Tierschützer an einem Tag 69 lebende Schmuckschildkröten im Westpark gesichtet und fotografiert. „Wir rechnen damit, mindestens 100 Schildkröten hier rauszufischen“, sagt Stationsleiter Markus Baur.

Rund 30 Ehrenamtler in Badehosen oder Neoprenanzügen bilden am Freitagfrüh eine Kette. Langsam schreiten sie durch den Mollsee im Westpark – vor sich tragen sie ein großes Netz. Weil die Sonne einfach nicht herauskommen will, müssen sie so nach den Schildkröten fischen. Bei gutem Wetter könnten sie die Viecherl von den Steinen pflücken.

Die erste Schildkröte geht nicht ins große Netz, sondern landet im Kescher von Ehrenamtler Gerd. Seiner Frau zu Ehren, die auch mitfischt, nennt er die Gelbwangen-Schmuckschildkröte Waltraud. Tierärztin Anne Fischer checkt die Schildkröte am Biertisch durch, der heute ihre Praxis ist: Waltraud ist für eine ausgesetzte Schildkröte in gutem Zustand, nur etwas mager ist sie.

So wie Waltraud werden am Freitag noch viele Schildkröten von Ehrenamtlern aus dem see geholt. Den ganzen August werden Reusen in den Westpark-Seen ausliegen, um die Schildkröten vor dem sicheren Tod im fremden Klima zu retten.

Die erste ist Waltraud, die von Tierärztin Anne Fischer untersucht wird

Die schicke Waltraud mit dem gelben Bauch wird in eine Kiste gesetzt und mit Artgenossen in die Reptilienauffangstation in der Kaulbachstraße gebracht. Nach der Quarantänezeit darf sie ins Schildkrötenrefugium Chelonia in Freimann umziehen. Hier leben derzeit rund 400 Schildkröten, die an verantwortungsvolle Halter vermittelt werden „Wer seine Schildkröte aussetzt macht sich strafbar und tötet sie in absehbarer Zeit. Bringt die Schildkröten lieber zu uns“, appelliert Markus Baur an die Münchner. Und da wird auch schon die nächste Schildkröte aus dem See gefischt.

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