Die Senioren-Offensive der Stadt

So sollen Münchens Rentner entlastet werden

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Die Mieten sind zu hoch, sagt Helmut v. B. (75), früherer FH-Dipl.-Ingenieur mit Ehefrau Christel (71).

München - München ist eine Senioren- Stadt: Gut 300.000 Menschen in der Weltstadt mit Herz sind über 65 Jahre alt. Tendenz steigend! Die Stadt plant nun eine ganze reihe von Maßnahmen, um den Älteren das Leben zu erleichtern.  

„Die Münchner werden immer älter – und darauf müssen wir reagieren. Besonders da viele mit ihrer Rente kaum hinkommen“, erklärt CSU-Stadtrat Marian Offman. Daher hat seine Partei gestern nun gleich mehrere Anträge im Stadtrat eingereicht, die Senioren entlasten sollen. Nach dem Antragspaket der Rathaus-SPD vor gut zwei Wochen ist das nun schon die zweite Senioren- Offensive! Die Stadt gibt Gas bei den Alten.

Es wird Zeit – derzeit leben schon knapp 14.300 ältere Münchner von Grundsicherung. Heißt: Ihr Einkommen bzw. die Rente reicht nicht, um über die Runden zu kommen. „Dazu kommen noch viele, die zwar mehr zur Verfügung haben, denen aber nach all den Nebenkosten auch nichts mehr bleibt“, so Offman. Genau hier müsse die Stadt mehr tun – und das nicht nur mit mehr Geld. „Da geht es auch um kulturelle Dinge oder um Hilfestellungen im Leben.“ Die tz listet die wichtigsten Anträge auf:

Weniger Bankgebühren:

Online-Banking ist für viele Senioren ein Buch mit sieben Siegeln. Dennoch erhöhen viele Banken die Gebühren für ein „normales“ Konto. „Wir möchten, dass hier die Stadtsparkasse ihre Gebühren reduziert“, so Offman. „Besonders Senioren mit Grundsicherung tut jeder Euro an Zusatzkosten weh.“ Zur Erinnerung: Bei der Stadtsparkasse ist nur das Online-Girokonto umsonst – und auch das nur, wenn man über einen monatlichen Geldeingang von stattlichen 1750 Euro verfügt. Sonst kostet das Konto 4,95 Euro im Monat. 2,95 Euro kostet das Individual und 7,95 die Luxusversion Komfort.

Konzerte für Pflegebedürftige:

Ein großartiges Klassikkonzert – nicht jeder Senior kann sich das leisten. „Wir möchten, dass die Münchner Philharmoniker öfter mal für hochbetagte und auch pflegebedürftige Bürger spielen“, erklärt Stadtrat Marian Offman. So könnten diese Konzerte am Nachmittag stattfinden, wenn die Raumkosten nicht so hoch sind. Ähnliche Projekte gebe es längst in Duisburg oder auch in Thüringen. „Es ist bekannt, welche positiven Effekte die Musik bei den Senioren auslöst – gerade Menschen mit Demenz empfinden oft große Glücksgefühle“, so die CSU-Stadtratsfraktion in ihrem Antrag. Der Eintritt soll nicht teuer sein.

Kosten Beratungen für alle

Hohe Energiekosten durch Strom und Heizung – vielen Rentnern fressen genau diese den Rest des monatlichen Einkommens weg. Daher müsse man den schon vorhandenen Beratungsservice der Stadtwerke hier noch ausbauen, fordert die CSU. „Die Menschen müssen in den eigenen vier Wänden erklärt bekommen, wo sie Kosten einsparen können. Viele trauen sich ja gar nicht, wegen dieser Probleme irgendwo hinzugehen – zu einer Barungsstelle beispielsweise.“ Der Seniorenbeitrat der Stadt hat übrigens genau so einen Heim-Dienst für ältere Menschen.

Hilfe daheim

Wie kann man die Tag-, Nachtund Kurzzeitpflege in München weiter ausbauen? Auch das will die CSU genau analysiert haben. Immerhin wollen immer mehr Senioren zu Hause gepflegt werden. „Daher brauchen wir auch von der Münchenstift mehr Stützpunkte mit ambulanten Diensten“, erklärt Offman, der bei der GmbH im Aufsichtsrat sitzt. Über 70 Prozent der rund 30 000 Pflegebedürftigen in der Stadt werden von Diensten und Angehörigen daheim versorgt. Man müsse den Münchnern die Möglichkeit aller Pflegearten geben, damit jeder frei entscheiden könne, wie und wo er umsorgt wird

Ausbau aller ASZ

Die 32 Alten- und Servicezentren in der Stadt – für viele Senioren sind sie eine wichtige Anlaufstelle. Nicht nur um Hilfe bei Bürokratie- Problemen zu bekommen, sondern auch einfach nur um Mitmenschen zu treffen. Sei es beim Malkurs oder wie unten im Bild auf dem Fitnessparcours. Die SPD forderte nun, dass alle Einrichtungen ausgebaut werden. Jedes Haus soll eineinhalb Stellen mehr erhalten. Damit können mehr Mitarbeiter Hausbesuche bei betagten Menschen machen, ihnen unter die Arme greifen. Eine sehr sinnvolle Idee, wie sich der Stadtrat einig ist.

Und das sagen die Münchner

Mieten zu hoch

Die Mieten sind zu hoch, sagt Helmut v. B. (75), früherer FH-Dipl.-Ingenieur mit Ehefrau Christel (71).

Helmut v. B. (75), früherer FH-Dipl.-Ingenieur mit Ehefrau Christel (71) aus München: Von der Rente die Miete für eine vernünftige Wohnung in München zu bezahlen, ist generell schwer. Auch für einen Urlaub muss die Reserve herhalten. Ich bekomme 1358 Euro netto im Monat, dazu aber zum Glück noch eine Firmenrente. Gut für Ältere ist dafür die ärztliche Versorgung in der Stadt.

Mehr barrierefreie Zugänge

Franz Reiser (79), ehemaliger Elektromeister aus Markt Schwaben wünscht sich mehr barrierefreie Zugänge.

Franz Reiser (79), ehemaliger Elektromeister aus Markt Schwaben: Ich habe zwei künstliche Knie. Dass es die Bänke in der Stadt gibt, ist pfundig. Allerdings muss noch mehr für Gehbehinderte getan werden, mehr barrierefreie Zugänge für Menschen mit Rollator. Und wenn Rentner umsonst mit den öffentlichen Verkehrsmitteln fahren könnten – das wär’s.

Weniger Gebühren

Weniger Kosten für gebühren: Heidi Fleck (76), Rentnerin aus FFB.

Heidi Fleck (76), Rentnerin aus FFB: Wenn die Bankgebühren gesenkt werden, wäre das gut! Wir zahlen für das Girokonto 5,50 Euro im Monat, Online-Banking mache ich nicht. Aber jetzt sind wir seit 40 Jahren bei der Sparkasse, da werden wir nicht mehr wechseln. Ansonsten finde ich München und Fürstenfeldbruck aber recht seniorenfreundlich.

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