Interesse besteht seit Jahren

Münchner Senioren schlagen Alarm: Nehmt uns endlich ernst

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Ingeborg Staudenmeyer ist Vorsitzende des Seniorenbeirates in München.

München - In München leben mehr als 300.000 Senioren. Doch die haben keine Lobby in der Stadt, sagt Ingeborg Staudenmeyer, Vorsitzende des Seniorenbeirats. Dieser schießt jetzt scharf gegen den Stadtrat.

Die Vertreter der Fraktionen sollen einer wichtigen Sitzung des Gremiums ferngeblieben sein. Ingeborg Staudenmeyer, Vorsitzende des Seniorenbeirats, sagt: „Mehr als 300.000 Senioren in München haben keine Lobby.“ Seit Jahren schon bestehe kein Interesse des Stadtrats für die drängenden Probleme. Im Rathaus kann man die Aufregung nicht verstehen.

Was war passiert? Der Seniorenbeirat hatte zur Sondersitzung geladen. Unter anderem ging es um Themen wie Altersversorgung, MVV-Sperrzeiten oder Wohnformen im Alter. Gekommen sei vom Stadtrat aber keiner. „Das bringt das Fass zum Überlaufen.“

"Da machen wir weiter Druck"

Einzig Reinhold Babor (CSU) sei vor Ort gewesen, allerdings nicht als offizieller Vertreter der Senioren-Union. Entschuldigt hätten ihr Fernbleiben lediglich die Grünen! „Keine Rückmeldungen, keine Absagen, kein Engagement – das akzeptieren wir nicht“, sagt Staudenmeyer. Es reiche nicht aus, sich eine richtungsweisende Seniorenpolitik auf die Fahne zu schreiben, um dann auf Tauchstation zu gehen. „Da machen wir weiter Druck“, so die 66-Jährige.

Die Grünen hatten an dem Tag niemanden frei, sagt Fraktionschefin Gülseren Demirel. Den Ausbruch Staudenmeyers findet sie überzogen. „Aus unserem Fernbleiben nun abzuleiten, dass Seniorenpolitik kein Thema bei uns ist, ist schlicht falsch.“ Kopfschütteln auch bei der CSU: „Herr Babor ist unser Seniorenpolitischer Sprecher und als solcher zu solchen Sitzungen entsandt“, sagt Fraktions-Vize Manuel Pretzl. Und die SPD hatte einen ganz einfachen Grund für ihr Fernbleiben. „Die Einladung ist bei uns nicht angekommen“, sagt Christian Müller. Die Generalkritik versteht er nicht. Der Seniorenbeirat sei nahezu jeden Monat zu Gesprächen in der Fraktion – über genau die angesprochenen Themen. „Hätten wir von dem Termin gewusst, wäre jemand gesucht worden, der da hingeht. Gerade, wenn es vom Seniorenbeirat kommt.“

SPD will mehr für Alte leisten

Auch in München steigt die Zahl der von Altersarmut betroffenen Rentner. Derzeit sind 14.253 Menschen auf Grundsicherung angewiesen. Dem will die Rathaus-SPD mit einem Antragspaket entgegenwirken. Zudem soll sich die Stadt aktiv mit der Problematik steigender Pflichtausgaben im Sozialbereich auseinandersetzen   und Lösungswege für die Zukunft suchen. Denn: In München erhalten derzeit 2257 pflegebedürftige Menschen finanzielle Unterstützung. Die Stadt investiert dafür 70,6 Millionen Euro, der Bezirk 148 Millionen. Das Sozialreferat geht davon aus, dass bis 2025 ein Anstieg um 142 Prozent zu verzeichnen sein wird, auf dann 153,5 Millionen Euro pro Jahr. Auf Wunsch der SPD soll das Referat nun eine Strategie aufzeigen, wie die Kostenbelastung für die Stadt eingedämmt werden kann. Ferner fordern die Sozis eine Aufstellung der bestehenden Angebote und Leistungen der Stadt für Senioren: etwa Vergünstigungen im Tierpark, Schwimmbad oder beim MVV. Dann soll geprüft werden, welche Angebote verbessert werden können.

Des Weiteren sollen alle Alten- und Servicezentren in der Stadt zum ASZPlus ausgebaut werden und eineinhalb Stellen mehr erhalten. Die gibt es bislang nur bei 19 der 32 Einrichtungen. Damit können mehr Mitarbeiter Hausbesuche bei betagten Menschen machen, Angebote vermitteln und Hilfe anbieten. Zudem soll die Stadtverwaltung nach dem Willen der SPD einen unbürokratischen Weg aufzeigen, wie man Senioren helfen kann, die eine WG gründen wollen. Große Wohnungen seien rar und würden oft nur an Familien vergeben. Und zu guter Letzt setzt sich die SPD dafür ein, die Standorte von Behindertenparkplätzen besser bekannt zu machen und in alle verfügbaren Medien einzutragen. Diese Infos gebe es bisher nur im Internet - damit blieben sie vielen Älteren verwehrt.

Sascha Karowski

Sascha Karowski

E-Mail:sascha.karowski@tz.de

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