Verliert der Wiesn-Wirt das Hippodrom?

Behörden-Zoff um die Krätz-Anklage

+
Das Frühlingsfest ist Wirt Sepp Krätz heuer sicher.

München - Der Fall Sepp Krätz spitzt sich zu: Die Stadt muss über seine Zulassung zur Wiesn entscheiden, gleich zwei Stadtminister sind hinter der Anklage her.

Nach tz-Infos haben die Fahnder eine Steuerschuld von rund einer Million Euro zusammengetragen. Die Details kennt aber nur die Staatsanwaltschaft. Niemand anderer durfte bislang in die Akten schauen!

Wilfried Blume-Beyerle.

KVR-Chef Wilfried Blume-Beyerle entscheidet über die Zuverlässigkeit des Wirts. „Ich habe dreimal beim Landgericht nachgefragt – einmal mündlich und zweimal schriftlich“, sagte der oberste Ordnungshüter der Stadt der tz. Nach Erhebung der Anklage Mitte November habe es den ersten Kontakt gegeben und ganz förmlich am 5. Dezember und am 7. Januar. Ohne Ergebnis!

Die 4. Strafkammer der Vorsitzenden Richterin Jutta Zeilinger habe das verfügt, weil für die Stadt in der Sache keine Eile bestehe, sagt Blume-Beyerle. Schließlich hätten die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft schon drei Jahre gedauert.

Das Landgericht erklärt: Vor einer Zulassung zum Prozess würden Anklagen auch nicht an Behörden herausgegeben, sagt Sprecherin Andrea Titz. Erst seit kurzem liege die Stellungnahme von Krätz’ Seite vor. Die Kammer werde nicht vor Mitte Februar über die Anklage entscheiden. Im Fall einer Zulassung werde noch geprüft, ob das KVR die Akten bekomme.

Landgerichtssprecherin Andrea Titz.

Die Zeit drängt für die Stadt: Selbst wenn Blume-Beyerle die Anklage studieren darf, müsste er wochenlange, eigene Prüfungen anstellen. Bei der Zuverlässigkeit gehe es nämlich nicht nur um vergangene Verfehlungen, sondern auch um künftiges Verhalten. Verliert Krätz die Konzession, verliert er das Hippodrom. Der KVR-Chef will sorgfältig vorgehen.

Was machte Einstein auf der Wiesn? Kuriose Fakten zum Oktoberfest

Was machte Einstein auf der Wiesn? Kuriose Fakten zum Oktoberfest

Sein Vorgänger war nicht zimperlich. 1984 warf Peter Gauweiler Wirte-Napoleon Richard Süßmeier von der laufenden Wiesn! 23 illegale Jugoslawen waren in dessen Armbrustschützenzelt entdeckt worden. Doch die Zeiten ändern sich: Heute verteidigt der frühere Wirte-Jäger Gauweiler den Wiesn-Wirt mit seiner Kanzlei. Blume-Beyerle sagt: „Wenn ich so einen Fall vorgelegt bekäme, kann ich mir aus heutiger Sicht kaum vorstellen, dass das zum sofortigen Verweis von der Wiesn führen würde.“ Weder Krätz noch Gauweiler wollten sich auf Anfrage der tz äußern.

Wirtschaftsreferent Dieter Reiter (SPD).

Kann das KVR in den nächsten Wochen nicht entscheiden, trifft es einen anderen Stadtminister: Wirtschaftsreferent und Wiesn-Boss Dieter Reiter (SPD) muss dem Stadtrat bis Mai vorschlagen, ob Krätz auf die Wiesn darf. Eine Zwickmühle: Einerseits hat Reiter die Unschuldsvermutung stets hochgehalten, andererseits geht es in der internen Bewertung um das Ansehen eines Wirts. Da auch Reiter die Anklage nicht kennt, sieht er Krätz am Zug: „Für jemanden, der antritt, einen Verdacht zu entkräften, ist das beste Vorgehen, Fakten auf den Tisch zu legen. Auf die warte ich.“

Immerhin: Das Frühlingsfest ist Krätz sicher. Der Chef des veranstaltenden Schausteller-Vereins, Edmund Radlinger, sagt: „Mir liegen keine Vorwürfe vor. Es gibt keinen Handlungsbedarf.“

David Costanzo

David Costanzo

David Costanzo

E-Mail:David.Costanzo@tz.de

Mehr zum Thema:

auch interessant

Meistgelesen

Frau verherrlicht Amoklauf - und muss jetzt die Konsequenzen tragen
Frau verherrlicht Amoklauf - und muss jetzt die Konsequenzen tragen
Das sagen Wirtsleute und Gäste zum Aus fürs Café Tambosi
Das sagen Wirtsleute und Gäste zum Aus fürs Café Tambosi
Karte: So viel zahlt die Pharma-Industrie an Münchner Ärzte
Karte: So viel zahlt die Pharma-Industrie an Münchner Ärzte
Lkw-Fahrer will Stau auf A99 umgehen - und landet hier
Lkw-Fahrer will Stau auf A99 umgehen - und landet hier

Kommentare