Serie: "Made in Munich"

Zeigen statt verstecken: mable macht Mode aus München  

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Noch ist jedes mable-Modell ein Einzelstück. Die Musterteile fertigt Katja Heidrich in ihrer Wohnung in Neuperlach an. Sie selbst trägt einen Blazer aus der aktuellen Kollektion für 250 Euro, die Schneiderpuppe rechts zeigt einen Tüllrock für 420 und ein Oberteil für 155 Euro.

München - „Made in Munich“ – klingt doch gut. Viele Jungunternehmer haben sich entschieden, ihre Marken und Produkte in der Landeshauptstadt aufzubauen. Wir stellen die Münchner Macher in einer Serie vor. Heute: Die Mode von „mable“.

„Kaschieren“, „verstecken“ und „Problemzonen“ sind Worte, die häufig fallen, wenn es in Frauenzeitschriften und -magazinen um Mode in größeren Größen geht. „Das sind alles Worte, die ich ganz schlimm finde“, sagt dagegen Katja Heidrich, Modedesignerin aus München. Seit 2014 produziert sie mit ihrem Label „mable“ Mode in sogenannten Zwischengrößen von 36 bis 54. Drei Kollektionen hat sie mittlerweile auf den Markt gebracht.

Mode liegt bei der 25-Jährigen im wahrsten Sinne des Wortes in der Familie, doch trotzdem musste ihre Karriere auf dem Weg zum eigenen Modelabel einige Umwege nehmen. Heidrichs Urgroßmutter war Schneidermeisterin, die Großmutter hatte einen Schuhladen „und auch meine Mutter hat als typisches DDR-Kind immer viel genäht“, erzählt die in Bautzen geborene Heidrich. Von der Mutter lernte auch sie selbst früh den Umgang mit Nadel und Faden. Trotzdem will Heidrich nach dem Abitur zunächst im Journalismus arbeiten und zieht deshalb für ein zehnmonatiges Praktikum bei einem Verlag nach München. Doch die Erfüllung ist der Job für sie nicht. Die findet sie nach der Arbeit bei ihrem Hobby, dem Nähen.

Eine eigene Nähmaschine ist ihre erste große Anschaffung nach dem Umzug. Nichtsdestotrotz denkt Heidrich über ein Journalismus-Studium nach. Doch als sie am Informationstag der Universität zufällig in eine Veranstaltung für den Studiengang Modedesign gerät, ändert sie spontan ihre Zukunftspläne und beginnt kurz darauf ihr Modedesignstudium in München.

Dass in der Modebranche immer noch ein sehr schlankes Schönheitsideal tonangebend ist, merkt Heidrich während ihrer Ausbildung schnell. „Während dem Studium wird man auf sehr schmale Formen getrimmt“, erinnert sie sich. Um auch eine andere Seite der Branche kennenzulernen, geht sie nach London und macht ein Praktikum bei der Übergrößendesignerin Anna Scholz. Die hat sich auf sexy und auffällige Kleidung für füllige Frauen spezialisiert, ein Ansatz, den auch Heidrich, die selbst Kleidergröße 44 trägt, gut findet: „Übergrößenmode ist oft sehr verstaubt, aber gerade die Jüngeren wollen keine Säcke tragen. Ich will mich ja auch nicht verstecken.“

Inspiriert von ihren Erfahrungen in London gründet Heidrich 2012 – noch vor Abschluss ihres Studiums – „mable“. Das Label fokussiert sich ganz bewusst nicht nur auf eine bestimmte Körperform. „Ich fand die Trennung zwischen Über- und Normalgrößen schon immer merkwürdig“, erzählt Heidrich. „Nur, weil eine Frau etwas mehr wiegt, wächst ihr ja kein dritter Arm oder ein zweiter Kopf. Warum sollte sie also spezielle Kleidung brauchen?“

Bis zur ersten Kollektion dauert es. Die erste Zeit nach der Labelgründung verbringt Heidrich mit Recherche. Besonders die Frage nach der Zielgruppe beschäftigt sie: „Gerade durch Übergrößen-Blogs hab ich mich damals sehr bestätigt gefühlt“, erzählt sie, „dort habe ich gesehen, dass auch fülligere Frauen den Mut haben, ausgeflippte Dinge zu tragen.“

Auch die Frage nach der Finanzierung treibt sie um, denn schnell steht für Heidrich fest: Einen Investor will sie für mable nicht. „Ich lasse mir einfach nicht gerne reinreden und bin auch ziemlich beratungsresistent“, sagt sie und lacht. So entschließt sich Heidrich schließlich zur Finanzierung übers Crowdfunding. Die Kleinstspenden aus dem Internet machen rund 50 Prozent ihres Startkapitals aus, die andere Hälfte steuert sie aus eigenen Mitteln bei. So kann die erste Kollektion schließlich 2014 produziert werden.

Gefertigt werden die Kleidungsstücke nach Heidrichs Entwürfen in einer kleinen Näherei in der Nähe von Warschau. Für sie ist die Produktion in Polen ein guter Kompromiss: „Ich wollte in einem Land produzieren lassen, in dem ich die Bedingungen kontrollieren kann und weiß, dass die Näherinnen fair bezahlt werden,“ sagt sie, „in München allerdings wären die Preise utopisch.“ Schon jetzt kostet ein Kleid der Marke mable zwischen 160 und 270 Euro. Dass das auf Kunden abschreckend wirkt, glaubt Heidrich nicht: „Ich glaube es gibt langsam einen Umbruch im Denken, wie man Kleidung behandelt und das gewisse Arbeitsbedingungen billige Kleidung nicht wert sind.“

In unserer Serie "Made in Munich" haben wir außerdem bereits "Inge", den Giesinger Ingwersirup und "Adacta" mit ihren die Taschen aus Aktenordnern vorgestellt.

Noch ist mable ein eher kleines Label, das sich zwar inzwischen selbst finanziert, aber noch keinen Gewinn abwirft. Jedes Stück wird nur einmal in jeder Größe produziert und verkauft wird die Kleidung ausschließlich über das Internet. Aus diesem Grund führt Heidrich die Geschäfte auch momentan noch aus ihrer Privatwohnung in Neuperlach. Neben dem Einsparen zusätzlicher Miete hat das für Heidrich auch praktische Gründe: „Mable produziert ja noch für einen sehr kleinen Kundenkreis, da hat man online einfach die bessere Reichweite. Ich wüsste auch gar nicht, wie ich einen eigenen Laden mit zwei Kollektionen im Jahr interessant halten sollte.“

Da Mode aber natürlich trotzdem ein Produkt zum Anfassen und vor allem Anprobieren ist, könnte sich Heidrich in der Zukunft gut vorstellen ihre Stücke auch über ausgewählte Boutiquen zu verkaufen. Die müssen, ihrer Philosophie entsprechend, auch nicht speziell auf „große Größen“ zugeschnitten sein. „Mein Ziel wäre, dass es in der Zukunft mehr Läden gibt, wo jeder hingehen kann – unabhängig von der Kleidergröße.“

mable ist über die Internetseite des Labels www.mableonline.com bestellbar.

Feines Futter auf die Hand: Die Foodtruck-Szene Münchens

Annika Schall

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