Prozess um Vorfall am Klinikum Großhadern

Sex-Attacke am Krankenbett: Pfleger soll Patientin missbraucht haben

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Viktor S. (56) vor Gericht. Sein Opfer soll ruhig gestellt gewesen sein.

München - Hat Viktor S. (56) die Patientin Gerd F. (63) im Klinkum Großhadern zwei mal sexuell missbraucht? Das wirft ihm die Staatsanwalt zumindest vor. Der Angeklagte bestreitet die Vorwürfe.

Das Vertrauen in Krankenpfleger ist groß, rund 90 Prozent der Deutschen sprechen ihnen „sehr hohes“ oder „ziemlich hohes“ Vertrauen aus. Viktor S. (56, alle Namen geändert), Pfleger in Großhadern, soll das ausgenutzt haben: Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, eine Patientin im Juni 2015 in zwei Fällen sexuell missbraucht zu haben. Beim Prozessauftakt am Montag sagte er: „Das stimmt alles nicht. Ich kenne diese Frau nicht einmal!“

Der Fall laut Anklage: Gerda F. (63) kommt am 1. Juni 2015 wegen eines tachykarden Vorhofflimmerns in die Notaufnahme des LMU Klinikums Großhadern. Weil weiterhin ein Herzinfarkt oder Schlaganfall droht, wird F. auf die Intensivstation verlegt. Einen Tag später kommt sie auf Station F3: Hier arbeitet Viktor S. Am Morgen des 3. Juni kommt der Angeklagte demnach in F.’s Zimmer und erklärt ihr, sie wegen ihrer Rückenschmerzen einzucremen. Laut Ermittlern tut er dies, „um sich sexuell zu erregen“. In der Nacht zum 5. Juni soll Pfleger S. zwischen 2 und 2.30 Uhr erneut ins Zimmer geschlichen sein. Laut Anklage mit der Absicht, mit F. „gegebenenfalls unter Anwendung von Gewalt Geschlechtsverkehr zu vollziehen.“

Der Staatsanwältin zufolge, wusste S., dass die Frau zuvor ein Beruhigungsmittel eingenommen hatte, und deswegen „in ihrer Gegenwehr eingeschränkt“ war. Nun soll Viktor S. sich und Gerda F. entkleidet haben. Laut Anklage legt er sich zu seiner Patientin ins Bett und fixiert deren Körper mit seinem Gewicht. Zum Sex kommt es aber nicht, weil Gerda F. ihren ganzen Körper anspannt. Die Versuche des Pfleger seien der Staatsanwältin zufolge dermaßen rabiat gewesen, dass F. drei Tage lang Schmerzen im Genitalbereich hatte.

„Die Geschädigte unterließ es aus Angst, laut nach Hilfe zu rufen“, erklärt die Staatsanwältin. Als Gerda F. Montag in den Zeugenstand trat, schloss die Richterin auf Antrag der Nebenklage die Öffentlichkeit aus. Das Urteil kommt wohl am Donnerstag.

Tobias Scharnagl

Tobias Scharnagl

Tobias Scharnagl

E-Mail:Tobias.Scharnagl@tz.de

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