Richter nennt Pianist einen "Grapscher"

Sex-Prozess: Bewährung für Musikprofessor

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Siegfried M. (61) beteuert seine Unschuld.

München - Drei Jahre und sechs Monate Gefängnis: Als Musikprofessor Siegfried M. (61) die Forderung des Staatsanwaltes hört, reißt er entsetzt die Augen auf, dann vergräbt er sein Gesicht lange in beiden Händen …

Der ehemalige Rektor der Münchner Hochschule für Musik und Theater soll 2009 und 2012 zwei Kolleginnen sexuell genötigt haben. Er selbst beteuerte stets seine Unschuld.

Die beiden Frauen, seine mutmaßlichen Opfer, sitzen ihm als Nebenklägerinnen während des Prozesses gegenüber. M., der sein Rektorenamt in Salzburg vorübergehend niedergelegt hat, sucht immer wieder Blickkontakt. Man „kannte und schätzte sich“, so drückt es der Richter aus. Die Frauenbeauftragte der Hochschule tritt auf und belastet M. Eine der Frauen habe sich an sie gewandt und von dem mutmaßlichen Übergriff M.s berichtet. Aufhorchen lässt der letzte Satz der Beauftragten: „So detailliert, wie ich in der Zeitung über den Vorfall lesen konnte, hat sich die Dame bei mir damals nicht geäußert.“ Eine Hochschul­intrige, wie es die Verteidigung von Anfang behauptet hat?

Hier setzten auch die Verteidiger von M. an. Sie halten den Zeuginnen vor, ihre Aussagen seien zum Teil widersprüchlich. Verteidiger Alexander Stevens: „Hier handelt es sich um eine klassische Aussage-gegen-Aussage-Situation. Es gibt keinerlei Sachbeweise.“ Kollege Stephan Lucas schlägt in dieselbe Kerbe: „Die Anklage war und ist unsachlich, reine Stimmungsmache!“ Keine Beweise, also gelte: „Im Zweifel für den Angeklagten: Freispruch!“

Dann redet M. Er sei ein „friedfertiger und gewaltfreier Mensch, der sein Leben der Kunst und den Menschen gewidmet“ habe. Eine Verurteilung wäre seine „totale Existenzvernichtung“.

Richter: "Herr Rektor, Sie sind ein Grapscher"

Richter Matthias Braumandl zeigt sich unbeeindruckt: „Herr Rektor, Sie sind ein Grapscher.“ Man habe hier zwar „über Sachen geredet, die James Bond in jedem Film acht bis zehn Mal macht“ – trotzdem habe sich M. als „berühmter Künstler mit Machtkompetenz“ der sexuellen Nötigung in einem Fall schuldig gemacht. Siegfried M. wird zu einem Jahr und drei Monaten verurteilt – ausgesetzt zur Bewährung. Dazu muss er 25.000 Euro an ein Frauenhaus zahlen. Im anderen Fall habe laut Richter das „klare Nein“ der Frau gefehlt – zumindest hier wird M. freigesprochen. Die Verteidigung will in Berufung gehen.

Von der Universität Mozarteum Salzburg hieß es: „Der Universitätsrat ist über den Ausgang des Verfahrens gegen Prof. Dr. Siegfried M. am Amtsgericht München informiert. Der Universitätsrat wird so rasch als möglich zusammentreten, um sich zu beraten. Professor M. ist derzeit auf eigenen Wunsch beurlaubt.“

Tobias Scharnagl

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