Westpark-Mörder schweigt vor Gericht

Kommt Gorazd B. bald frei?

München - Der Westparkmörder soll noch immer gewaltbereit und erheblich rückfallgefährdet sein. Das hat der erste Tag des Prozesses gegen Gorazd B. ergeben, der 1993 einen Mann getötet hat. In dem Verfahren geht es darum, ob der 35-Jährige, der seine Strafe verbüßt hat, im Gefängnis bleiben muss.

Äußerlich hat sich Gorazd B. kaum verändert in den vergangenen Jahren: Der Kopf ist kahlgeschoren, der Blick eiskalt. Wie damals. Damals, 2003, als ihn ein Gericht nach mehreren Anläufen rechtskräftig wegen des Mordes an dem Architekten Konrad Hierl, 40, zu Jugendhöchststrafe von zehn Jahren verurteilte. Aus purer Mordlust, aus Wut über seine drohende Abschiebung und einen Streit mit seiner Freundin habe der damals 18 Jahre alte Slowene sein Zufallsopfer im Westpark mit zwölf Messerstichen getötet. Jetzt, viele Jahre später, sitzt Gorazd B. in blauer Gefängniskleidung und barfuß in den Schuhen auf der Anklagebank. Seine Hände liegen im Schoß. Er wirkt, als würde ihn das alles furchtbar langweilen. Als gehe ihn das alles nichts an. Sein damaliges Opfer beschreibt er in einem Brief an einen Mitgefangenen als „ein totes Stück Fleisch, mit dem ich nichts zu tun habe“.

Derlei „menschenverachtende und rassistische Äußerungen“ enthalte der Brief, den Staatsanwalt Frank Gellhaus als Beispiel dafür nennt, dass Gorazd B. nach wie vor kein Einfühlungsvermögen besitze. Deshalb könne der Ankläger auch nicht verstehen, dass die Jugendkammer bereits zwei Mal verfügt habe, die einstweilige Unterbringung des Westparkmörders auszusetzen – ohne eine umfangreiche Beweisaufnahme. Gellhaus hält die Richter deshalb für voreingenommen und stellte am ersten Prozesstag einen Befangenheitsantrag. Eine andere Jugendkammer muss darüber bis zum nächsten Sitzungstag am 5. April entscheiden.

Das Oberlandesgericht hatte die Unterbringung jedes Mal auf Beschwerde der Staatsanwaltschaft wieder angeordnet. Denn nach wie vor bescheinigen die psychiatrischen Gutachter Gorazd B. eine hohe Gefährlichkeit. Der inzwischen 35 Jahre alte Mann zeige noch immer eine hohe Gewaltbereitschaft, es bestehe in erhebliches Rückfallrisiko für schwere Gewaltdelikte. Denn Gorazd B. leide unvermindert an einer dissozialen Persönlichkeitsstörung.

Seit seiner Jugend ist der Slowene immer wieder als gewalttätig aufgefallen. Bevor er im Westpark sein Zufallsopfer tötete, hatten ihn Gerichte bereits wegen Raubes, räuberischer Erpressung, Körperverletzung und versuchten Totschlags verurteilt.

Die formellen Voraussetzungen für eine nachträgliche Sicherungsverwahrung seien gegeben, meint die Staatsanwaltschaft. Allerdings hat der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte die nachträgliche Sicherungsverwahrung an sich gerügt. Zudem gibt es in der Bundesrepublik nur einen einzigen ähnlichen Fall. Und der Mörder klagt derzeit vor dem Bundesverfassungsgericht. Die Entscheidung steht noch aus. Eine Entscheidung, die Einfluss haben dürfte auf das Münchner Verfahren.

An Gorazd B. scheint das alles abzuprallen. Niemand weiß, was wirklich in dem Mann vorgeht, der wie versteinert im Gerichtssaal sitzt. Sagen will er vorerst nichts. Seine früheren Freunde beschreiben ihn als unberechenbar. Sie haben Angst, dass der Westparkmörder bald frei kommen könnte. Einem soll er gedroht haben: „Wenn ich Dich mal treffe, fresse ich Dich auf.“ Am liebsten, sagen seine ehemaligen Kumpels, habe sich Gorazd B. Horrorfilme angeschaut. „Die mit den zerstückelten Leichen haben ihm besonders gut gefallen.“ 

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