Sieben Männer stehen vor Gericht

Das sind die miesen Methoden der Schleuser

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Proppevolle Anklagebank: Sieben Männer stehen seit Donnerstag in München vor Gericht.

München - Jetzt geht es den Schleusern an den Kragen! Über Jahre haben mehrere Männer die Not der Flüchtlinge ausgenutzt. Seit Donnerstag müssen sie sich vor Gericht verantworten.

Sie kommen im Schutz der Nacht. Ihre Fracht: Menschen. Schleuser knöpfen ihren verzweifelten Kunden Hunderte Euro ab - und bringen sie dafür nach Deutschland. Oft fliegen die Schlepper dabei unter dem Radar der Behörden. Manchmal aber landen die weltweit vernetzten Verbrecher auf der Anklagebank eines bayerischen Gerichtssaals. Seit Donnerstag stehen in München sieben mutmaßliche Schleuser vor Gericht. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen vor, 171 Menschen eingeschleust zu haben - zum Teil unter lebensbedrohlichen Bedingungen! Welche geheimen Routen die Schleuser auch wählen, ihre Machenschaften führen sie immer wieder ganz nah ran an die Landeshauptstadt. Holzkirchen, Weyarn, Irschenberg (alle A 8), Höhenrain (A 95) - mindestens vier Mal schnappte die Falle der Ermittler im Umland zu!

Mittlerweile ist die Anklageschrift von Oberstaatsanwalt Kai Gräber auf 42 Seiten angewachsen. Ihm gegenüber saßen am Donnerstag im Gerichtssaal: acht Verteidiger, drei Dolmetscher und die sieben Angeklagten. Folgendes wird ihnen zur Last gelegt:

Organisation und Modus Operandi: Im Mittelpunkt des Schleuser-Netzes scheint Mohamed A. (28) zu stehen, ein Saudi mit syrischem Pass. Den Ermittlern zufolge gründete er wohl schon im September 2014 mit drei weiteren Angeklagten einen organisierten Schleuserring, der überwiegend syrische Flüchtlinge gegen Geld von Griechenland über Italien und Österreich, Frankreich oder die Schweiz nach Deutschland geschleust haben soll. Auch die Niederlande und Dänemark zählten zu den Zielen. A. soll vor allem für die Organisation und die Kontaktaufnahme zu interessierten Kunden zuständig gewesen sein. Laut Anklage arbeitete A. dafür mit gleich mehreren Verbrecher-Organisationen zusammen.

Schlepper-Zentrale Mailand: Hier wurden Kunden angeworben, für die Weiterfahrt vorbereitet oder Details mit Verwandten geklärt. Hier rekrutierten die Schleuser außerdem häufig ihre Fahrer. Die mussten dann den gefährlichsten Teil der Arbeit übernehmen: die Fahrt über die Grenze.

Schleuser-Zellen: Mohamed A. hat laut Anklage mit mehreren organisierten Schleusergruppen kooperiert. Solche Zellen gab es in den Niederlanden, aber auch in Bonn und Hamburg. Allein der Bonner Zelle lastet die Staatsanwaltschaft 50 Taten an. In Bonn beteiligt: Wieder der mutmaßliche Drahtzieher A., sowie die deutschen Staatsbürger Evghenii C. (35) und Ghrib M. (36) sowie der Syrer Mohmad A. (35). C. organisierte und schickte laut Anklage die Fahrer nach Mailand - die schleusten die Kunden dann nach Deutschland. Die Fahrer waren es auch, die noch in Mailand - vor Fahrtantritt - eine Anzahlung von 100 Euro pro Kopf in Empfang nahmen. Zurück in Bonn soll C. die Flüchtlinge sowie den ausstehenden Betrag, also 300 bis 500 Euro, angenommen haben. Ähnlich lief es wohl in Hamburg. Salaheddine N. (40), ein im Libanon geborener Kraftfahrer, soll die Fahrer organisiert haben, Youssef B. (35) und Mondher G. (36) agierten als Fahrer.

Der Prozess ist auf mindestens sieben Verhandlungstage angesetzt. Den Angeklagten drohen bis zu zehn Jahre Haft.

Die Opfer der Schlepper

Die Schlepper nutzen die Verzweiflung der Menschen gnadenlos aus: Wie Zahlen der Bundespolizeidirektion München zeigen, nimmt das Geschäft mit Schleusungen wieder zu. Vor allem an der deutsch-österreichischen Grenze. Waren es im Januar "nur" 90 geschleuste Personen (so der Fachbegriff der Beamten), die der Polizei ins Netz gingen, waren es im Februar schon doppelt so viele. Im März schoss die Zahl der gefassten Flüchtlinge dann auf 500 hoch. Im April waren es gar 840, im Mai rund 450.

Der Grund für die Zunahme ist simpel: Bis Februar wurden Migranten nach Deutschland überstellt - dabei meist mit Bussen über die Grenze gebracht und abgeladen. Inzwischen müssen die Flüchtlinge wieder selbst einen Weg finden, um in ihr "Zielland" zu kommen. "Das geschieht oft mit kleinen Transportern, in welche dann so viel Personen wie möglich gepfercht werden", erklärt Matthias Knott, Sprecher der Bundespolizeidirektion. Die Schleuser selbst sind schwer zu fassen. Sie organisieren zwar die Reise, sorgen für den Transport (und kassieren bis zu 1000 Euro pro Person) – sie sitzen aber selten selbst am Steuer. Das überlassen sie, wenn möglich, lieber Helfern.

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