Nach sechs Jahren Planungs- und Bauzeit

Schluss mit Abschottung: Siemens bezieht neues Zuhause

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Joe Kaeser, Ilse Aigner, Gerhard Cromme und Dieter Reiter.

München - Nach sechs Jahren Planungs- und Bauzeit ist die neue Siemens-Zentrale eröffnet worden. Das moderne Hauptquartier in München ist zu großen Teilen der Öffentlichkeit zugänglich. Die Zeit der Abschottung ist vorbei. Passend für ein Unternehmen im Umbruch.

Die Siemens-Welt ist groß. Während in Niederbayern seit Wochen Mitarbeiter um ihren Arbeitsplatz bangen, wird in München mit einigem Pomp die neue Konzernzentrale eröffnet. „Man spricht immer von Siemens als Baustelle. Jetzt haben wir eine weniger“, sagt Konzern-Chef Joe Kaeser, bevor er am Freitag das rote Band durchtrennt. Ein weiteres Häkchen auf einer langen Liste.

Doch von Anfang an: Bereits 2010 fiel die Entscheidung, die Zentrale am Wittelsbacherplatz neu zu gestalten. Beim Architektenwettbewerb ging der Zuschlag an das dänische Designbüro Henning Larsen Architects. Der Gebäudekomplex soll künftig das historische Palais am Wittelsbacherplatz mit einem modernen Neubau kombinieren, so der Plan. Still und leise entstand in den folgenden Jahren das neue Hauptquartier. Hinter einer zehn Meter hohen Lärmschutzmauer wurden ein Jahr lang Teile der alten Zentrale abgerissen. 150.000 Kubikmeter Bauschutt und Aushub für die 14 Meter tiefe Baugrube wurden abtransportiert. Mitten in München ist das eine logistische Meisterleistung. In drei Jahren Bauzeit entstand schließlich der Neubau – drei Untergeschosse, Erdgeschoss, vier Bürogeschosse, zwei Dachterrassen. Einen niedrigen dreistelligen Millionenbetrag ließ sich Siemens die Zentrale kosten.

Den Grundstein dafür hatte vor drei Jahren noch Kaesers Vorgänger Peter Löscher gelegt. Kurze Zeit später musste er – nach wiederholter Gewinnwarnung – seinen Hut nehmen. Seitdem ist viel passiert. Kaeser hat den Konzern umgekrempelt. Stellen wurden abgebaut, Geschäftsbereiche zusammengestrichen, Kosten gesenkt. Zuletzt gründete der Siemens-Chef eine eigene Start-up-Schmiede im Konzern. Mehr Ideen, mehr Freiraum, mehr Innovation lautet sein Credo.

Dazu passt die neue Konzernzentrale. Sie umfasst unter anderem offene Bürostrukturen, Restaurants, lichtdurchflutete Innenhöfe und ein Atrium. Anders als die alte Zentrale stehen die Türen im Erdgeschoss Besuchern offen. „Wir wollen ein einladendes und offenes Unternehmen sein – inmitten einer pulsierenden Stadt“, sagt Kaeser. Die neue Zentrale sei zudem ein Bekenntnis – zu München, zu Bayern und zu Europa.

1200 Siemensianer arbeiten künftig am Wittelsbacherplatz. Die ersten sind in dieser Woche eingezogen. In den kommenden Wochen folgt der Rest. Doch Siemens ist nicht nur für München, sondern für ganz Bayern ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Rund 60.000 Mitarbeiter hat der Weltkonzern im Freistaat. Entsprechend lobende Worte finden Bayerns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) und Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD), die zur Eröffnung gekommen sind. Eine „Schatzkammer der Zukunft“ sei das neue Hauptquartier, sagt Aigner. „Sowohl städtebaulich als auch wirtschaftlich ein Gewinn für München“, findet Reiter.

Ab 1. Juli können sich Interessierte selbst ein Bild von der neuen Siemens-Zentrale machen. Der Großteil des Areals (inklusive Café und Restaurant im Erdgeschoss) ist dann der Öffentlichkeit zugänglich. Besucher gelangen vom Wittelsbacherplatz über die Lobby zur Werner-von-Siemens-Straße; die Stadt hat hier einen Teil der Finkenstraße umbenannt (siehe Kasten). Ein Besuch lohnt. Die Baustelle „Siemens-Zentrale“ hat Joe Kaeser erfolgreich abgeschlossen.

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