2982 Unfälle im letzten Jahr

So gefährlich sind Münchens Straßen für Radler 

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Fahrradfahrer leben in München gefährlich.

München - Alleine 2982 Unfälle mit Radfahrern gab es im letzten Jahr im Zuständigkeitsbereich der Münchner Polizei. Die tz zeigt zwei aktuelle Fälle, wie gefährlich die Straßen unserer Stadt für Radler sind.

Achtung, hier kann es für Fahrradfahrer schon mal lebensgefährlich werden! 

Alleine drei tote Radler gab es in der Landeshauptstadt letztes Jahr, im gesamten Zuständigkeitsbereich der Münchner Polizei, also inklusive des Landkreises München und der Gemeinden Krailling und Stockdorf, waren es sogar fünf. Überproportional stark betroffen: Senioren. 

Radfahrer sind zusammen mit Fußgängern die am meisten gefährdeten Verkehrsteilnehmer. Sie machen 71,4 Prozent aller Verkehrstoten im Bereich der Polizei München aus. Kampf auf Münchens Straßen - der Radl Wahnsinn!

„Die Anzahl der Verletzten ist bei Radl-Unfällen besonders hoch“, sagt Polizeisprecher Florian Hirschauer. 2982 Verkehrsunfälle mit Radfahrern als Beteiligte gab es letztes Jahr - in 2680 Fällen gab es dabei Verletzte.

„Es gibt einfach keine Knautschzone“, so Hirschauer. Die Tipps der Polizei: Vorsichtig fahren, einen Helm aufziehen und nicht mit Kopfhörern Musik hören. Außerdem bloß nicht während dem Radln telefonieren: „Das ist verboten - und lenkt auch extrem ab.“ 

Trotz aller Tipps: Radfahrer in München geraten immer wieder in gefährliche Situationen. Die tz zeigt zwei aktuelle Fälle: 

Rentner zu Fall gebracht

Er setzt seit zwei Jahren nur noch aufs Radl: Damals hat Hans Wagner (71) sein Auto verkauft. Und von seinem Zuhause am Rotkreuzplatz ist es kein Problem, schnell in die Stadt zu kommen - an und für sich. Wäre da nicht die Situation auf Münchens Straßen …

Hans Wagner mit seinem Radl.

„Bei den Fahrradfahrern und Fußgängern herrscht Chaos“, sagt der Rentner. „Wer sich einigermaßen an die Regeln hält, kommt sich vor wie ein Depp.“ Kreuz und quer und in die verkehrte Richtung radelten viele Münchner. Und die Fußgänger tummelten sich auf den Fahrradwegen. 

In seiner Radl-Karriere hat Wagner viele gefährliche Situationen erlebt. Einmal zum Beispiel, als ihm die Vorfahrt genommen wurde, er vom Fahrrad stürzte und sich den Unterschenkel am Pedal aufriss.

 Oder am Dienstag erst: Wagner wollte sich eine Podiumsdiskussion zur Zukunft des städtischen Verkehrs im Oskar-von-Miller-Forum nahe des Odeonplatzes anhören (tz berichtete). Doch nur wenige hundert Meter vom Rotkreuzplatz entfernt, endete seine Radltour. 

Zwei Mädchen seien vor ihm auf der Radspur gefahren, so Wagner. Dann sei einem Mann, der auf dem Fußgängerweg unterwegs war, das Handy auf den Radlweg gefallen. Die Mädchen wichen aus - und touchierten Wagner. 

Der hatte gerade geklingelt und wollte überholen. Der Rentner stürzte. „Mir ist nichts passiert - aber in meinem Radl war ein Achter“, erzählt Wagner. 

Deswegen habe er ein bisserl geschimpft. „Was willst du denn, du Alter“, habe der Mann, der das Handy verloren habe, in seine Richtung geschrien und ihm wiederholt Prügel angedroht. „Dann hat der die Polizei gerufen.“ 

Doch Hans Wagner wollte nicht ewig auf eine Streife warten, und ging von sich aus zur nächsten Inspektion und schilderte den Unfall aus seiner Perspektive. Die Polizei bestätigt ein vorliegendes Aktenzeichen gegenüber der tz. Also Ärger ohne Ende. 

„Ich hätte von mir aus keine Anzeige erstattet“, sagt Wagner. Ihm gehe es um das Grundsätzliche: „Mittlerweile habe ich schon Bedenken, zu radeln“ Daher wünscht er sich, dass die Stadt endlich dieses Chaos beendet.

Opel rammt Radler (46): Fahrerflucht!

Dieser Vorfall ging gerade noch einmal glimpflich aus, hätte aber folgenschwer enden können. Am Dienstag gegen 9.10 Uhr war der 46-jährige Günther S. (Name geändert) mit seinem Fahrrad auf der Auenstraße unterwegs. 

An der Einmündung zur Isartalstraße wollte er die Auenstraße geradeaus weiterfahren. Und dann geschah es: eine bislang unbekannte Frau in ihrem Opel Corsa übersah den Radler beim Abbiegen in die Ehrengutstraße und touchierte ihn am Unterschenkel.

Toter Winkel, Unachtsamkeit? Über die Unfallursache kann man nur spekulieren. Fest steht: anstatt sich um den leichtverletzten S. zu kümmern, brauste die Opel-Fahrerin einfach davon.

In der Hektik konnte sich Günther S. das Kennzeichen nicht merken. Wer hat etwas gesehen? Die Polizei bittet um Hinweise zum Unfallhergang unter Tel. 089/62163322.

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