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So schützen Sie sich vor Einbrechern: Die Tipps der Experten

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Polizei und Sicherheitsexperten geben Tipps: So können Sie sich vor Einbrechern schützen.

München - Drei Angriffe auf Senioren an der Haustür binnen zehn Tagen. Polizei und Sicherheitsexperten geben Tipps: So können Sie sich vor Einbrechern schützen.

Ständige Angst für den Rest des Lebens, totaler Vertrauensverlust und dazu diese Enttäuschung – wer in den eigenen vier Wänden Opfer eines Überfalls wird, ist ein Leben lang gezeichnet. Drei alte Menschen haben diese furchtbare Erfahrung in den vergangenen zehn Tagen machen müssen:

  • Der Überfall auf die 86-Jährige Helga P. (Name geändert) aus Ottobrunn war so brutal, dass die Mordkommission wegen versuchten Raubmordes ermittelt. Am 10. März um 20.15 Uhr läutete ein Mann an Helga P.’s Haustür in der Unterhachinger Straße. Er schlug die arglose Frau noch im Flur derart brutal zusammen, dass sie schwer verletzt liegen blieb. Dann floh er mit ihrem Geld und Schmuck.
  • Gleich am nächsten Tag – dem 11. März um 13.20 Uhr – überfielen zwei südländisch wirkende, junge Männer einen 87-Jährigen in seinem Haus in der Athostraße (Harlaching). Der eine hielt den Senior fest, der andere stahl zehn Euro aus dem Geldbeutel. Dann flohen beide.
  • Am Freitag der vorerst letzte Fall in der Konradinstraße (Untergiesing): Um 13.30 Uhr klingelte ein Mann an der Tür einer 98-Jährigen Sturm – solange, bis sie öffnete. Der mutmaßliche Südländer (ca. 20 Jahre, 1,60 Meter groß, schmächtig, Kapuze auf dem Kopf) schob die geschockte Frau wortlos in den Flur. Dann nahm er vor ihren Augen aus ihrer am Boden stehenden Handtasche den Geldbeutel und Schmuck und ging sofort.

Die tz fragte die Organisation Weißer Ring, die Polizei und einen Technik-Experten, wo Opfer Rat und Hilfe finden.

Das rät der Sicherheitsexperte: So machen Sie Haus und Wohnung sicher

Michael Döring (38) ist Inhaber der Sicherheitstechnikfirma NMC Unternehmensgruppe Döring GmbH

Neben den praktischen Tipps können Bewohner auch Geld in die Hand nehmen, um das Haus oder die Wohnung sicherer zu machen. Michael Döring (38) ist Inhaber der Sicherheitstechnikfirma NMC Unternehmensgruppe Döring GmbH und ein Experte auf dem Gebiet. Zu den beschriebenen Kosten kommen bei der Firma von Döring immer noch 33 Euro Systemgebühren im Monat hinzu. Damit wird gewährleistet, dass der Alarm verarbeitet und auch weitergeleitet wird. Das sind seine Tipps:

Garten

„Wer das Freigelände nicht überwindet, kommt nicht ins Haus“, sagt Döring. Das heißt: Der Einbrecher sollte schon im Garten abgehalten werden. Dafür empfiehlt er Lichtschranken oder Bewegungsmelder. Der Eigentümer kann selber per Handy-App, Fernbedienung oder Zeitschaltuhr entscheiden, wann die Anlage scharf sein soll. Beim Betreten wird dann ein Alarm ausgelöst, was den Einbrecher meistens direkt vertreibt. Dazu wird noch ein Notrufsignal abgesetzt. „Dort wird dann zuerst im Objekt angerufen, ob es sich um einen Fehlalarm handelt. Wenn nicht, wird die Polizei gerufen“, so Döring. Zusätzlich werden Schilder platziert, die zeigen: Dieses Gelände wird überwacht! „Das dient der Abschreckung!“, sagt Döring.

Kosten: 2500 – 3000 Euro

Wohnung

Auch bei Wohnungen setzt Döring auf akustische Abschreckung – an Fenstern und Türen! Die Sensoren spüren Bewegungen und Brüche am Fenster und der Tür und schlagen dann Alarm. Dazu kann man auch innerhalb der Wohnung Bewegunsmelder installieren.

Kosten: 90 Euro pro Fenster

Kamera

Problem: „Eine Kamera zeichnet auf, aber meldet nicht“, erklärt Döring. Sinn macht aber eine Kamera als Türspion. Dazu muss der gefilmte Bereich jedoch beleuchtet sein.

Kosten: 70 Euro

Überfallmelder

Diese ähneln sehr den Notrufumhängern, der gerade bei älteren Menschen sehr beliebt ist und der oft beim betreuten Wohnen eingesetzt wird. „Hier wird direkt bei der Polizei oder dem Notruf angerufen – schließlich geht es hier um ein Menschenleben!“

Kosten: 500 Euro

Schutz vor Einbrechern: Die Tipps der Polizei

Die Polizei kommt dann, wenn etwas passiert ist. Dabei können viel Vorfälle schon im vorhinein verhindert werden! Iris Ohain (51) ist stellvertrettende Leiterin der Abteilung Prävention und Opferschutz des Polizeipräsidiums München. Sie weiß ganz genau, wie Einbrüche mit ganz einfachen Tipps verhindert werden können.

1. Machen Sie es dem Einbrecher schwer! „Die meisten ziehen weiter, wenn ein Einbruch länger als vier Minuten braucht“, weiß Ohain. Ihr Tipp: Einstiegshilfen von den Fenstern wegräumen! Dazu gehört auch, die Fenster nicht zu kippen, wenn man das Haus verlässt. „Gekippte Fenster sind offene Fenster“, sagt die Polizistin. Deshalb zahlt bei einem solchen Fall auch nicht die Hausratsversicherung nicht.

2. „Daheim“ sein Selbst wenn keiner da ist – die Wohnung sollte immer zeigen: Hier ist jemand drin! Deshalb sollte in unregelmäßigen Abständen das Licht im Haus an sein. „Das geht zum Beispiel mit einer Zeituhr“, rät Ohain. Dabei sollten natürlich die Vorhänge zugezogen sein, dass die Finte nicht auffliegt. Ein weiterer Tipp: Fernseher an! Es gibt sogar mittlerweile Geräte, die ein solches Licht erzeugen. Achten Sie auch darauf, dass ihr Briefkasten immer geleert ist. Dabei können Ihnen ihre Nachbarn helfen.

3. Pflegen Sie eine gute Nachbarschaft! „Nachbarn sind Helfer!“, weiß Ohain. Wer seine Nachbarschaft pflegt, kann sich in vielen Situationen Hilfe holen. Sollte zum Beispiel jemand vor der Tür stehen, den Sie nicht kennen – rufen Sie nebenan an. Der Nachbar kann kurz vor die Tür gehen – und verringert so das Überfall-Risiko. Eine gute Nachbarschaft achtet auch gemeinsam auf die Umgebung. „Einbrecher spionieren oft ihre Opfer aus. Wenn jemanden was auffällt, einfach die 110 wählen!“ Tipp von der Polizei: Platzieren Sie einen Ersatz-Schlüssel bei Nachbarn. Einbrecher suchen und finden draußen hinterlegte Schlüssel.

4. Türe lieber zulassen! Wenn es an der Tür klingelt nicht einfach aufmachen. Erstmal fragen, wer vor der Türe ist. Antwortet die Person nicht – auf keinen Fall aufmachen. Sie sollten auch skeptisch sein, wenn Sie keinen Besuch erwarten oder es nach 20.00 Uhr ist. Wenn der Einbrecher einmal in der Wohnung ist, wird es schwer ihn wieder rauszubekommen. Die Polizei rät auch zu einer Türspaltsperre. Damit können Sie die Türe einen Spalt aufmachen, ohne die Türe komplett öffnen zu können.

5. Vorsicht vor falschen Handwerkern! Großes Problem: Falsche Handwerker! „Wenn Ihre Hausverwaltung nicht darüber informiert hat, auf keinen Fall reinlassen!“, rät Ohein. Auch hier gilt wieder – fragen Sie Ihre Nachbarn, ob denen was bekannt ist. Lassen Sie sich auch nicht von Handwerkerkleidung verleiten. Gehen Sie immer auf Nummer sicher und fragen Sie nach der Firma. Bei dieser erkundigen Sie sich, bevor sie die Person reinlassen.

11 60 06: Der Weiße Ring hilft

Herr Hergesell, wie hilft der Weiße Ring?

Markus Hergesell vom Weißen Ring

Markus Hergesell: Sie erreichen uns über die 11 60 06. Das ist das Opfertelefon vom Weißen Ring. Dort bekommt man eine schnelle Erstberatung und gegebenenfalls einen Termin mit der örtlichen Außenstelle.

Wie sieht die Hilfe genau aus?

Hergesell: Ganz wichtig ist das Zuhören. Wir erklären aber auch die Rechtslage und stellen eine erste Rechtsberatung, wenn das Opfer keine Rechtsschutzversicherung hat. Zudem begleiten wir, wenn gewünscht, das Opfer auch zu Terminen, wie dem Polizeiverhör. Außerdem bieten wir psychologische Hilfe an.

Was passiert mit den Opfern von Einbrüchen?

Hergesell: Viele können nach so einem Vorfall die Wohnung nicht mehr betreten. So ein Einbruch ist ein Eingriff in den intimsten Bereich.

Ist dann ein Auszug die einzige Möglichkeit?

Hergesell: Bei vielen ja. Wir helfen dann auch beim Umzug und der Finanzierung. Manchmal reicht es aber auch aus, einfach ein Vorhängeschloss an die Tür zu hängen, damit es der Person wieder besser geht.

Was kann ich als Angehöriger tun?

Hergesell: Das Wichtigste ist, Hilfe anzubieten. Gehen Sie mit zu den Terminen. Zeigen Sie, dass Sie für die Person da sind. Opfer brauchen Zuwendung.

Was ist Ihr Tipp, dass es gar nicht zu einem Überfall kommt?

Hergesell: Achten Sie auf Ihr Bauchgefühl! Warum klingelt jetzt jemand an meiner Tür? Wenn Sie ein komisches Gefühl dabei haben, nehmen Sie sich Zeit und überlegen Sie ganz genau. Man sollte sich auf keinen Fall unter Zeitdruck setzen lassen, denn das will der Täter!

Warum sind Sie zum Weißen Ring gegangen?

Hergesell: Ich wollte Menschen helfen, die ohne Verschulden in schlimme Situationen gekommen sind – dafür ist der Weiße Ring genau richtig!

Florian Fussek, Dorita Plange

Dorita Plange

Dorita Plange

E-Mail:Dorita.Plange@tz.de

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