Wir analysieren drei Klimamodelle

Der Sommer-Trend: Auf dieses Wetter müssen wir uns einstellen

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Baden an der Isar: Wann kommt er endlich, der Sommer?

München - Die derzeitigen Wetterkapriolen sind eigentlich typisch - sagen Experten. Doch was heißt das für den Sommer 2016? Wir haben uns drei verschiedene Klimamodelle vorgenommen:

Am Wochenende strahlender Sonnenschein und Hitze, Anfang der Woche der Kälteschock, Mittwoch wieder Sonne … Die Kapriolen sind aber kein Grund für Meteorologen, Alarm zu schlagen, sagt Uwe Kirsche vom Deutschen Wetterdienst (DWD). In den mittleren Breiten, in denen Deutschland liegt, käme das häufig vor.

„Nichtsdestotrotz ist es gerade eigentlich zu kühl für diese Jahreszeit.“ Und, auch wenn’s mancher anders empfindet: Auch über die Jahre sei das Wetter nicht verrückter geworden, so Kirsche. Doch eine Tendenz ist für den Experten klar: Die Winter würden aufgrund der Klimawandels immer milder – und die Sommer trockener. Und der Sommer 2016? Nach den extremen Wetterumschwüngen fragen sich jetzt viele, was er bringen wird. Und wann er endlich anfängt …

So wird das Wetter in Ihrer Region!

Im Internet geistern allerlei Langzeit-Vorhersagen und -Prognosen herum. Zwischen: Es wird ein Sommer wie immer. Und: Extreme Gewitter stehen an. Fest steht: Langfristig kann (noch) niemand das Wetter zuverlässig voraussagen, auch der Deutsche Wetterdienst nicht. Doch auf ihrer Internetseite zeigt die Bundesbehörde einen Jahreszeiten-Trend. Wir haben ihn und zwei weitere Wetter- und Klima­modelle unter die Lupe genommen.

Jahreszeiten-Trend (Deutscher Wetterdienst)

Der Jahreszeiten-Trend gibt an, ob die kommenden Monate (hier Juni, Juli, August) tendenziell eher wärmer oder kälter ausfallen als im langjährigen Vergleich (1981 – 2010). Er basiert auf dem saisonalen Vorhersagemodell des Europäischen Zentrums für Mittelfristige Wettervorhersagen (EZMW), bei dem sich auch der Deutsche Wetterdienst (DWD) bedient. Das Klimamodell bezieht nicht nur atmosphärische Informationen mit ein wie die Wettervorhersage, ­sondern auch ozeanologische. Die komplexeren Daten verringern jedoch auch die Aussagekraft. „Die Trefferquote liegt bei 70 Prozent“, sagt Uwe Kirsche vom DWD. Die Grafik (r.) zeigt Wahrscheinlichkeiten von jeweils rund 36 Prozent für einen durchschnittlichen Sommer (grüner Balken) oder einen warmen (brauner Balken). Der Balken für einen kalten Sommer liegt leicht abgeschlagen bei rund 28 Prozent. „Die Aussagekraft ist in diesem Fall nicht sehr groß“, so Kirsche. Lägen alle Balken auf der gestrichelten Linie (33 Prozent), wäre die Aussagekraft bei Null; gut wäre sie, läge etwa einer der Balken bei 60 Prozent. Hoffnung macht da nur der kleine Vorsprung für den warmen und mittelprächtigen Sommer …

Sommervorhersage (Accuweather, privater US-Wetterdienst)

Der private US-amerikanische Wetterdienst Accuweather, gegründet 1962, kündigt für den europäischen Sommer „häufige Stürme“ an und eine „Hitzewelle von Paris über Berlin nach Warschau“. Laut Wetterkarte wird Deutschland zudem von „T-Storms“ (rotes Gebiet) heimgesucht – also von Gewittern. In den Nachbarländern wie Österreich soll es dagegen häufig „nur“ ungemütlich nass werden. Wirklich ungewöhnlich sind Gewitter im Sommer hierzulande nicht. „Es gibt kein Jahr, in dem das noch nicht so stattgefunden hätte“, sagt Ex-ARD-Wettermann Jörg Kachelmann von kachelmannwetter.de. Gewitter entstehen hierzulande immer, wenn warme Luft aus dem Mittelmeerraum auf kühle aus dem Norden trifft. Mit der Prognose dürfte Accuweather insofern richtig liegen. Grund zur Sorge besteht trotzdem eher nicht.

CFS-Klima-Modell (US-amerikanischer Wetterdiest NOAA)

Geht es um langfristige Wettertrends, wird gerne der staatliche US-amerikanische Wetterdienst NOAA herangezogen. Das frei erhältliche GFS-Modell (Global Forecast System) arbeitet mit Großraumbeobachtungen. Es zeigt klimatische Trends und schätzt ab, ob es wärmer oder kälter wird im Vergleich zu den vergangenen 30 Jahren. Also ähnlich wie das europäische Modell vom EZMW (siehe Jahreszeiten-Trend). „Das sind experimentelle Forschungen, die aus Transparenzgründen veröffentlicht werden“, sagt Wetterexperte Jörg Kachelmann. Ähnlich sieht das Meteorologe Dominik Jung von wetter.net: „Die Karten sind für Laien mit Vorsicht zu genießen.“ Die aktuelle CFS-Grafik zeigt das Klima für den Sommer in Deutschland in der Summe ohne große Abweichungen von den Vorjahren (weiße Fläche). Ein ähnliches Wetter garantiert das aber nur im Durchschnitt. Jung: „Das heißt, es kann zwei Wochen extrem heiß werden und zwei Wochen brutal kalt – am Ende kommt man dann auch auf einen Mittelwert.“

Die Münchner Badeseen auf einen Blick

JV; IFM

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