Sonntag werden Uhren vorgestellt

100 Jahre Sommerzeit: (K)ein Grund zum Feiern

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Wer hat an der Uhr gedreht? Am Sonntag verlieren wir eine Stunde.

München - Alle halbe Jahre wieder: Am Sonntag werden unsere Uhren um eine Stunde vorgestellt. Dann beginnt die Sommerzeit. Die Tradition hält sich seit 100 Jahren. Ein Rückblick.

Wenn in der Nacht von Samstag auf Sonntag um 2 Uhr die Uhren mal wieder um eine Stunde vorgestellt werden, feiert die Sommerzeit ihren 100. Geburtstag: 1916 wurden in München zum ersten Mal die Uhrzeiger vorgedreht, weil man sich inmitten des Ersten Weltkriegs große Energieeinsparungen bei der künstlichen Beleuchtung an langen Sommerabenden erhoffte.

Trotz Sommerzeit musste das Hofbräuhaus dennoch um 22 Uhr schließen.

Den Münchnern war diese Kriegsmaßnahme ziemlich wurscht und sie sagten sich: "Ja mei, wenn's was bringt!" Denn sie hatten ganz andere Sorgen und die Not in der Stadt war groß: So war an Ostern 1916 das Ostereierfärben verboten, da die knappen Eier zum Kochen und Backen verwendet werden sollten, um damit sättigendere Gerichte zuzubereiten, anstatt sie als hartgekochte Ostereier zu essen. Auch Semmeln wurden verboten, weil man das Weizenmehl zum Backen von Mischbroten mit geringwertigerem Mehl brauchte. Und noch ein Verbot: Auch das Malz wurde rationiert und so gab's 1916 natürlich auch kein Starkbier. Pro Person waren in der Woche 125 Gramm Butter erlaubt und Schweinsbraten gab's höchstens alle zwei Wochen.

Fleisch von Dachsen und Stadttauben

Kein Wunder, dass auf dem Viktualienmarkt Oachkatzlhaxl und Fleisch von Dachsen und wilden Stadttauben angeboten wurden. Die Weißwürste waren auch verschwunden, denn die Metzger durften nur noch eine einheitliche "Kriegswurst" herstellen.

So wurde die erste Zeitumstellung 1916 beworben. Sie ist bis heute umstritten.

Nicht nur das Essen war knapp anno 1916, auch das Eisenerz für Kanonenkugeln: Beschlagnahmt und eingeschmolzen wurden Zinnkrugdeckel, Kirchenglocken und Orgelpfeifen. Wen kümmerte da die neue Sommerzeit? Gaststätten mussten trotzdem um 22 Uhr dicht machen, während alle Kinos, Theater, Kabaretts und Konzertsäle überhaupt geschlossen blieben. Die Umstellung auf die Sommerzeit war 1916 nicht, wie heute, am letzten März-Wochenende, sondern einen Monat später am 30. April.

tz-Stichwort: Sommerzeit

Die Idee, eine Sommerzeit einzuführen, hatte als Erster Benjamin Franklin, einer der Gründerväter der USA, Naturwissenschaftler und Erfinder des Blitzableiters. 1783 schlug er vor, im Sommer die Uhren eine Stunde vorzustellen, damit man eine Stunde länger auf künstliches Licht verzichten kann. Nach der Einführung im Ersten Weltkrieg (und der Abschaffung im Jahr 1919) unternahm man 1940 im Zweiten Weltkrieg einen neuen Anlauf in der Absicht, Energie zu sparen. Damit war 1949 Schluss. Die jetzige Sommerzeit wurde in ganz Europa 1980 eingeführt.

Umfrage: Was sagen Sie zur Zeitumstellung?

Sinnvoll und gut

Samuel Kraller.

"Ich finde die Zeitumstellung super. Nur so ist es im Sommer abends länger hell. Man kann raus und noch viel unternehmen nach der Arbeit. Die Zeitumstellung hat auch keine negativen Auswirkungen auf meinen Rhythmus - nach wenigen Tagen kriegt das doch sowieso jeder hin!"

Samuel Kraller (23), Student aus Teisendorf (Landkreis Berchtesgadener Land)

Winterzeit abschaffen

Sarah Weidner.

"Sommerzeit, Winterzeit - ich bin da immer ein wenig verwirrt. Jetzt wird die Uhr eine Stunde vorgestellt, oder? Von mir aus könnte man die Winterzeit abschaffen! Dann könnte man vielleicht auch in der kalten und dunklen Jahreszeit noch bei Tageslicht aus der Arbeit nach Hause kommen. Die Sommerzeit finde ich okay."

Sarah Weidner (21), Arzthelferin aus Laufen

Was soll die Aufregung?

Daniel Weidlich.

"Ganz ehrlich? Sowohl Sommerzeit als auch Zeitumstellung sind mir vollkommen egal. Nach zwei Tagen haben sich doch eh wieder alle daran gewöhnt. Jedes halbe Jahr regen sich die Leute auf, die Medien berichten breit über die Zeitumstellung - aber was soll die ganze Aufregung? Mir wäre es lieber, man würde den ganzen Zinnober einfach abschaffen. So wie in den meisten Ländern!"

Daniel Weidlich (28), Angestellter, München

Sommerzeit 2016: So verkraften Sie die Zeitumstellung besser

Heinz Gebhardt

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