Sozialwohnungen im Schatten des Luxusquartiers

Oben: So wird der fertige Luxus-Komplex „The Seven“

München - Mitten im Glockenbachviertel, ganz in der Nähe des Luxusturms "The Seven", sollen 28 Sozialwohnungen entstehen. Die Stadt verfolgt damit eine bestimmte Strategie ...

Bezahlbarer Wohnraum ist in München Mangelware. Besonders teuer ist er im Gärtnerplatzviertel, wo Quadratmeterpreise über 10 000 Euro keine Seltenheit sind. Genau hier baut die Stadt jetzt ein Haus mit 28 Sozialwohnungen für kinderreiche Familien. Eine Bombenlücke mit einem nach dem Krieg notdürftig hergerichteten Hausstumpf am Einlass – die Schrannenhalle ist gerade mal 30 Meter weg, der Viktualienmarkt 150 Meter, das Gärtnerplatztheater ist nur einen Katzensprung entfernt.

Die Käufer des luxuriösen Bauprojektes The Seven haben in unmittelbarer Nachbarschaft bis zu 14 Millionen Euro für eine Wohnung hingeblättert. Doch in der seit dem Krieg kaum genutzten Baulücke um die Ecke hat das städtische Sozialreferat etwas anderes vor: Hier sollen 28 Familien eine neue Bleibe bekommen, die auf dem freien Wohnungsmarkt kaum eine Chance hätten.

Die zweite Zerstörung Münchens: Bausünden nach dem 2. Weltkrieg

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Auf diesem Grundstück in der Nachbarschaft werden Sozialwohnungen entstehen

Im jüngsten Sozialausschuss beschäftigte sich der Stadtrat mit dem Projekt. Das neue Haus wird im Rahmen des kommunalen Wohnungsbauprogramms der Stadt errichtet, der Bauantrag wird demnächst eingereicht. Auf dem 816 Quadratmeter großen Grundstück sollen insgesamt 2060 Quadratmeter Wohnfläche entstehen. Die Baukosten schätzt das Sozialreferat auf 7,19 Millionen Euro – fünf Tiefgaragenstellplätze für das Kommunalreferat und ein Laden im Erdgeschoss eingerechnet. 760 000 Euro der Baukosten werden der engen und nahe am Grundwasser liegenden Baustelle geschuldet sein. Das Sozialreferat muss für den Neubau 3,05 Millionen Euro selbst aufbringen. Die restlichen Kosten soll das Planungsreferat als Förder­darlehen beisteuern.

Die Mietkosten werden für die künftigen Nutzer 5,35 Euro pro Quadratmeter betragen. Das Grundstück ist eine Menge wert: Diplom-Ingenieur Marcus Mayer von Aigner Immobilien schätzt den Quadratmeterpreis auf 10 000 bis 15 000 Euro, was einen Grundstückswert von bis zu 12,24 Millionen Euro bedeutet. Rechnet man die Baukosten drauf, ist jede Wohnung rund 670 000 Euro wert.

„Unser München“: Münchner Stadtteile im Porträt 

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Könnte man mit diesem Geld in einem anderen Stadtteil nicht mehr Sozialwohnungen schaffen? Sozialreferentin Brigitte Meier (SPD) erklärt, warum sie das nicht will: „Wir verfolgen die Strategie, alle Stadtteile mit Sozialwohnungen zu durchmischen.“ Ein Verkauf des Grundstücks an Investoren würde hingegen den Bau weiterer Luxuswohnungen im Gärtnerplatzviertel nach sich ziehen. Aber können sich die künftigen Mieter zwischen Schrannenhalle und The Seven überhaupt wohl fühlen, zumal Spielplätze in unmittelbarer Nähe Mangelware sind? Auch daran wurde gedacht. Meier: „Es wird im Innenhof Spielgeräte geben.“

Johannes Welte

 

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