Pfahl-Gebäude über Parkplätzen

Spektakuläres Konzept: Wohnen wir künftig auf Stelzen?

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Das Konzept sieht Holzbauten auf Stelzen über Parkplätzen vor.

München - Um rasch günstigen Wohnraum zu schaffen, hat die Stadt das „Wohnen für Alle“-Programm aufgelegt. Der Plan: Stellflächen überbauen – mit Wohnungen auf Stelzen.

Der Wohn-Wahnsinn! In München ist der Bau günstiger Bleiben ein zentrales Thema. Doch Flächen sind rar. Mögliche Lösung für das Platz-Problem: Stellflächen überbauen – mit Wohnungen auf Stelzen! OB Dieter Reiter (58, SPD) hatte dazu eigens die Chefs der großen Supermarkt-Ketten zu einem Gespräch gebeten. Wie schön solche Wohnungen aussehen können, zeigt nun ein Architektur-Professor aus Rheinland-Pfalz.

Um rasch günstigen Wohnraum zu schaffen, hat die Stadt das „Wohnen für Alle“-Programm aufgelegt. So entstehen etwa bereits am Dantebad zeitnah erschwingliche Bleiben für Menschen mit geringem Einkommen: Studenten, Auszubildende, Flüchtlinge.

Die Idee von OB Reiter, auch Parkplätze an Supermärkten zu überbauen, ist freilich ganz so neu nicht. In Wiesbaden etwa hatte die CDU bereits den gleichen Einfall. „In der aktuellen Lage erscheint es nicht mehr haltbar, die vielen innerstädtischen Brachflächen nur als Abstellplatz für Pkw zu nutzen“, sagt Architektur-Professor Henner Herrmanns. Und das gilt freilich nicht nur für die hessische Landeshauptstadt, sondern auch für München.

Bei der 15. Architektur-Biennale in Venedig hat der 65-Jährige nun Konzepte vorgestellt. So ließe sich Wohnen auf Stelzen auch in München realisieren! Der Entwurf sieht vor, Wohnbauten in Holzbauweise auf Pfählen über Parkplätzen aufzustelzen. Vorteil: Wie am Dantebad könnten die Parkflächen weiterhin als solche genutzt werden. „Das ist übertragbar und lässt sich nicht nur an einem Ort umsetzen“, sagt Herrmanns der tz. „Bisher nicht optimal genutzte Flächen in der Innenstadt sollen herangezogen werden.“

Doch das ist freilich nur eine Stellschraube! Die Stadt hinkt ihren Zielzahlen in Sachen Wohnungsbau kontinuierlich hinterher. Morgen nun soll der Stadtrat den Startschuss für ein weiteres Bauprogramm geben. Es wäre das größte in Deutschland. Bis 2020 sollen jährlich 8500 Bleiben entstehen – für 870 Millionen Euro.

„Wohnen für Alle“ am Dantebad

Das ging schnell: Von der Idee bis zum Richtfest sind nur elf Monate vergangen. Und die ersten 100 Wohnungen des städtischen Programms Wohnen für Alle sind fertig. Ende des Jahres sollen die ersten Bewohner in die neuen Appartements am Dantebad einziehen. Die Wohnungsbauer von der Gewofag haben in fünf Monaten einen 112 Meter langen, vierstöckigen Wohnblock über dem Parkplatz hochgezogen. Studenten, Azubis oder anerkannte Asylbewerber sollen dort günstig wohnen. 9,40 Euro kostet der Quadratmeter. Es gibt 86 Einzimmerwohnungen und 14 Unterkünfte mit 2,5 Zimmern. Das 10 Millionen Euro teure Haus steht auf Stelzen über dem Parkplatz des Dantebads.

Sobald die Bauarbeiten abgeschlossen sind, dürfen Anwohner und Bad-Besucher hier wieder ihre Autos abstellen. OB Dieter Reiter hatte sich das Konzept voriges Jahr ausgedacht. Der Vorteil: Indem Wohnungen auf einem Parkplatz gebaut würden, werde eine bereits versiegelte Fläche doppelt genutzt. Das Konzept – so der erklärte Wunsch des Rathaus-Chefs – soll nun auch an Supermärkten umgesetzt werden.

Sascha Karowski

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