Zum Welt-Aids-Tag

Stadt informiert: München Spitzenreiter bei HIV-Infektionen

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Welt-Aids-Tag: Am 1. Dezember informiert die Stadt über die Krankheit.

München - Zum Welt-Aids-Tag am 1. Dezember gibt die Aids-Hilfe Zahlen bekannt – trotz besserer Behandelbarkeit gibt es keinen „Grund zur Entwarnung“.

Bayern liegt – nach Nordrhein-Westfalen – an der Spitze der HIV-Neudiagnosen. Allein 2015 infizierten sich 643 Menschen im Freistaat mit HIV, 796 waren es in NRW. Das geht aus dem aktuellen Jahrsbericht des Robert-Koch-Institus hervor, den die Münchner Aids-Hilfe anlässlich des bevorstehenden Welt-Aids-Tages am 1. Dezember vorstellte. Die niedrigsten Zahlen wiesen das Saarland (38), Mecklenburg-Vorpommern (40) und Thüringen (41) auf.

In München erhielten 2015 230 Menschen eine HIV-Diagnose. Damit liegt München mit 16,5 von 100 000 Einwohnern noch vor Berlin (10,9), Hamburg (12,4) und Köln (11,4). Ebenso stark betroffen war Frankfurt/Main mit 16,5.

Trotz der mittlerweile guten Therapiemöglichkeiten von HIV gebe es keinen Grund zur Entwarnung, so die Aids-Hilfe. Etwa 83 000 Menschen in Deutschland leben mit HIV. Rund 13 000 von ihnen wissen nichts von ihrer HIV-Infektion. Insgesamt 3674 Neudiagnosen gab es im Jahr 2015.

Die Zahl der Neuinfektionen bei der Hochrisikogruppe – schwule und bisexuelle Männer – hat mit 1851 statt zuvor 1894 leicht abgenommen. Insgesamt jedoch stieg die Zahl. Das sei der Flüchtlingszuwanderung geschuldet, teilte die „Bayrische Arbeitsgemeinschaft niedergelassener Ärzte in der Versorgung HIV-Infizierter“ (Bagnä e.V.) in einer Pressemitteilung mit Bezug auf die Studie des Robert-Koch-Instituts mit.

Die Aids-Prävention ist nach wie vor unerlässlich. Seit August 2016 ist in Deutschland das Medikament Truvada zugelassen, auch genannt Prep (Prä-Expositions-Prophylaxe). Es diene „als zusätzliches Tool zur Aids-Prävention“, sagte der Präventionsexperte und Infektologe Dr. Nils Postel, Vorstand des Bagnä e.V. Nicht-Infizierte nehmen das Medikament regelmäßig ein, um eine Ansteckung zu verhindern, ähnlich der Anti-Baby-Pille. Genau wie die Pille sei Prep freilich nicht als Freifahrtsschein gedacht, sagte Dr. Ramona Pauli vom Bagnä e.V.: „Anwender müssen auch über Präventionsmaßnahmen aufgeklärt werden.“ Seit der Einführung von Prep sei ein Anstieg der sexuell übertragbaren Krankheiten zu verzeichnen, sagt die Medizinerin. Diese seien allerdings im Vergleich zu HIV und Aids gut behandelbar.

Doch oft leiden Erkrankte unter gesellschaftlicher Stigmatisierung. Einige Menschen hätten womöglich wenig Verständnis dafür, dass viele Schwule ein Medikament nehmen, um ungeschützten Geschlechtsverkehr zu haben, sagte Martin Jautz von der Münchner Aids-Hilfe. „Die Lebenssituationen sind halt unterschiedlich“, sagte Jautz.

Das Problem an Prep ist auch, dass es mit monatlich rund 800 Euro relativ teuer ist und nicht von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt wird. Einige Patienten besorgten sich das Medikament daher kostengünstig aus Indien, so Postel. Im Sommer 2017 wird das Präparat generisch und kann von Pharmafirmen nachproduziert werden. Die Wahrscheinlichkeit, dass es dadurch günstiger würde, sei aber gering, sagte Postel.

Mit einer europaweiten Kampagne namens „Der Preis des Lebens“ prangert die Organisation „Ärzte der Welt“ überzogene Preise für lebenswichtige Medikamente an und richtet sich damit an die politischen Entscheidungsträger, erklärt Ute Zurmühl, Vertreterin des Vereins. Die Kampagne soll auch auf die Folgen für das Gesundheitssystem hinweisen, die bei der ausbleibenden Behandlung von Schwerstkranken entstehen. 

Sophie Krause

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