Unhygienisch und gefährlich?

Stadt will Kita Hunde verbieten

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Sie wollen ihre Hunde Nela (l.) und Bonnie auf keinen Fall hergeben: Kinderpflegerin Katja Herrmann (l.), Erzieherin Tina Wirtz und die Kinder Helena und Alexander können sich ihre Krippe ohne die Tiere nicht mehr vorstellen.

München - Kinder, die mit kleinen Hunden kuscheln: Eigentlich ein süßes Bild, das sich Kontrolleuren der Stadt in der Kita "Lila Lumpi" bot. Doch sie hielten die Tiere für eine Gefahr – und verboten sie.

Es ist jeden Morgen das gleiche Ritual. Wenn die Kinder in die Allacher Krippe „Lila Lupi“ kommen, begrüßen sie zuerst die Mischlinge Bonnie und Nela. „Die Hunde sind eine Bereicherung für die Kinder“, sagt Claudia Neumann, private Trägerin der Krippe an der Allacher Löfflerstraße. Erzieherin Tina Wirtz und Kinderpflegerin Katja Hermann haben die Mischlinge extra angeschafft, um durch „tiergestützte Pädagogik“ die Entwicklung der Kinder zu fördern.

Dass sie für ein solches Projekt aber eine Genehmigung braucht, das habe sie nicht gewusst, sagt Neumann. Die Eltern der Ein- bis Dreijährigen seien informiert worden. „Viele haben sich unsere Krippe gerade wegen der Hunde ausgesucht“, betont die Krippen-Trägerin. Aber ohne Genehmigung keine Tiere – das hat das Referat für Bildung und Sport deutlich gemacht. Nachdem Vertreter des Referats bei einem Besuch im Oktober 2013 die Hunde entdeckt hatten, forderten sie die „Lila Lupi“-Krippe auf, sie abzuschaffen. „Wenn wir dem nicht nachkommen,wollen sie ihre Rechtsabteilung einschalten“, sagt Neumann.

Eine Unterschriftenaktion der Eltern und auch der Einsatz des CSU-OB-Kandidaten Josef Schmid konnten daran nichts ändern. Stadtschulrat Rainer Schweppe erklärte die Gründe in einem Schreiben. Da es sich nicht um ausgebildete „Assistenzhunde“ und speziell geschulte Betreuer handle, sei es für die Stadt keine tiergestützte Pädagogik, sondern eine normale Hundehaltung in der Einrichtung. Außerdem befürworte die Stadt „tiergestützte Pädagogik“ nicht bei Säuglingen und Kleinkindern. Zum einen, weil man nicht für die nötige Hygiene sorgen könne, wenn zum Beispiel ein Kleinkind die Schnauze des Hundes anfasse und die Hand danach in den eigenen Mund stecke. „Zudem besteht bei Säuglingen und Kleinkindern erhebliche Verletzungsgefahr, da der Hund kleine Menschen nicht zuverlässig als ranghöher respektiert und ein lebensbedrohlicher Biss ins Gesicht und an den Hals leicht möglich ist“, so Schweppe. Auch dass die Tiere Allergien fördern, könne nicht ausgeschlossen werden. „Eine Kinderkrippe ist somit kein geeigneter Ort für die Haltung von Hunden“, machte er klar.

Wenn die Hunde traurige Kinder in der Krippe trösten, oder die Kinder den Hunden ihre Bilderbücher beschreiben, dann kann Claudia Neumann all diese Gefahren nicht sehen. Ein grundsätzliches Verbot von Hunden in der Krippe gibt es nicht – aber auch keine grundsätzliche Erlaubnis. „Es ist eine Entscheidung von Fall zu Fall“, das hätten ihr die Verantwortlichen bei der Stadt gesagt. Und in ihrem Fall sieht sie klar die Vorteile: „Die Kinder sind ausgeglichener und die Hunde machen ihnen vor allem die Eingewöhnungsphase bei uns leichter.“

Anke Porthmann ist Kinderärztin im Klinikum Schwabing und hat sich lange mit dem Thema „Kinder und Tiere“ beschäftigt. Auch sie widerspricht der Stadt: „Es gibt Studien, die zeigen, dass der frühe Kontakt zu Tieren Allergien eher vorbeugt, dass gesunde Hunde keine hygienischen Probleme verursachen und von gut trainierten Hunden, nahezu keine Gefahr ausgeht“. Allerdings: Ein Tier bleibe ein Tier. Ein Restrisiko gäbe es. Man dürfe aber die positiven Auswirkungen auf die Entwicklung der Kindern nicht unterschätzen. „Es ist bewiesen, dass der tägliche Umgang mit Tieren soziale Kompetenzen und die Sprachentwicklung fördert. Für Kinder haben Tiere eine Bedeutung die größer ist, als wir Erwachsene uns vorstellen können“, sagt Porthmann. Claudia Neumann fürchtet nicht nur die Folgen für die Kinder, sondern auch für ihre Krippe: „Die Mitarbeiterinnen, denen Bonnie und Nela gehören, sagen, wenn die Hunde gehen, gehen sie mit.“ Anstatt die Hunde abzuschaffen arbeitet das „Lila Lupi“-Team daran, die Vorschriften für die tiergestützte Pädagogik zu erfüllen. Es gibt einen Hygieneplan, einen Rückzugsort für die Tiere, und die Halterinnen machen ihren „Hundeführerschein“. Auch eine Anwältin hat sich Neumann genommen. Kampflos wird sie Bonny und Lena nicht aufgeben.

Teresa Fries

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