Um Personal zu gewinnen

Stadt will mehr Dienstwohnungen bauen

Bauen, bauen, bauen: In München bleibt der Bedarf an neuen Wohnungen groß. Foto: DPA

München - Eine wachsende Stadt erfordert auch in der Verwaltung mehr Personal. Doch die angespannte Wohnungssituation und hohe Mieten machen der Stadt zu schaffen. Neue Mitarbeiter haben oft große Schwierigkeiten, bezahlbare Wohnungen zu finden. Nun will die Stadt mehr Dienstwohnungen bauen.

Die Nachfrage eigener Mitarbeiter nach geförderten Wohnungen ist riesig, doch den Bedarf kann die Stadt bei Weitem nicht decken. Allein im vergangenen Jahr reichten etwa 2300 Bedienstete einen Antrag bei der Wohnungsfürsorge ein, 2012 waren es zum Vergleich erst 1500. Die Zahl der tatsächlich vermittelten Wohnungen ist demgegenüber jedoch gering. 2015 lag sie bei 588. Dies bedeutet, dass der Rückstau an registrierten, aber noch nicht vermittelten Anträgen stetig von 1060 (Stichtag 31.12.2013) auf 1416 (30.4.2016) steigt. Eine Verringerung der Antragszahlen wird seitens des Amtes für Wohnen und Migration in absehbarer Zukunft nicht erwartet.

Die Stadt hat schon im vergangenen Jahr damit begonnen, auf diesen Missstand zu reagieren. Mit knapp 5,1 Millionen Euro wurde der Bau von insgesamt 211 Wohnungen gefördert. Die Wohnungen werden überwiegend von den städtischen Wohnungsbaugesellschaften Gewofag und GWG München errichtet. Das Personal- und Sozialreferat hat nun ein weiteres Maßnahmenpaket vorgestellt.

In bestehenden Wohnungen will sich die Stadt künftig verstärkt Belegrechte für städtische Dienstkräfte sichern. Ziel ist es, jährlich 100 Wohnungen dazuzugewinnen und diese langfristig mit günstigen Mieten zu binden. Vermittelt werden sollen die Wohnungen über die neue Internetplattform „Soziales Wohnen Online – SOWON“ , die am 1. August an den Start geht.

Zum 1. Januar 2017 ändert die Stadt dann auch ihre Richtlinien über die Vergabe von Wohnungen für eigene Mitarbeiter. Berücksichtigt werden bei der Vergabe der Wohnungen demnach nicht nur die Kriterien soziale Dringlichkeit, Beschäftigungszeit und Pendelstrecke. Wer in einem Beruf arbeitet, in dem schwer Personal zu finden ist – etwa im Gesundheitsdienst oder als Erzieherin in einer Kindertagesstätte – erhält auch zusätzliche Bonuspunkte. Der neue Personalreferent Alexander Dietrich (CSU) begrüßt die Initiative: „Wir schaffen uns dadurch eine gute Ausgangsposition bei der Gewinnung qualifizierter Fachkräfte.“

61.000 Wohneinheiten in München bis 2035

Die Wohnungsbauaktivität in München hat in den vergangenen Jahren spürbar zugenommen. Dies ist das Ergebnis des städtischen Statusberichts zum Projekt „Langfristige Siedlungsentwicklung“. Demnach wurden im Zeitraum von 2013 bis 2015 Baurecht für etwa 15.000 Wohneinheiten geschaffen sowie 24.000 Wohneinheiten genehmigt.

Dennoch ist der Bedarf für die kommenden Jahre weiterhin groß, wie alle Bevölkerungsprognosen zeigen. Bis zum Jahr 2030 dürften 1,7 Millionen Menschen in der Stadt leben, derzeit sind es gut 1,5 Millionen. Allein mit Neubaugebieten kann angesichts der begrenzten Flächen der Bedarf an Wohnungen nicht gedeckt werden.

Die Stadt ist auch gezwungen, in bestehenden Siedlungen nachzuverdichten. In der Studie wurden daher Erkundungen angestellt, wo zum einen Platz für Neubaugebiete (beispielsweise in Freiham), zum anderen Potenzial für Nachverdichtung oder auch für die Umstrukturierung von Gewerbegebieten besteht.

Ergebnis: Der neueste Statusbericht weist bis zum Jahr 2035 geschätzt ein Potenzial von 61.000 Wohneinheiten aus – größtenteils am Stadtrand. Davon entfallen jeweils knapp ein Drittel auf Nachverdichtungs- und Neubaumaßnahmen. Etwa 24.500 Wohnungen könnten im Zuge der Umstrukturierung von Gewerbegebieten und ehemaligen Kasernenflächen entstehen. Beispiele hierfür sind die Bayernkaserne oder das Werksviertel am Ostbahnhof. Das größte Potenzial für eine langfristige Siedlungsentwicklung sieht die Stadt im Münchner Norden.

Die zweite Zerstörung Münchens: Bausünden nach dem 2. Weltkrieg

Klaus Vick

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