Stadt verbietet Flashmob am Christkindlmarkt

München - Das Abschiedstrinken in der Münchner S-Bahn ist noch nicht einmal eine Woche her. Auf Facebook wird schon zum nächsten "Flashmob" eingeladen - diesmal reagiert die Stadt mit einem Verbot.

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Fünf Minuten stehenbleiben. Schweigen. Einfach nur dastehen, mitten in der Fußgängerzone. „Stehen, damit es weitergeht“ heißt der Flashmob, zu dem seit Anfang dieser Woche im Netzwerk Facebook eingeladen wird. Die Idee des organisierten Stillstands ist nicht neu. Doch Zeit und Ort bereiten der Stadt Sorge: Samstag, 18 Uhr, am Marienplatz.

Das Kreisverwaltungsreferat (KVR) hat die Aktion deshalb gestern verboten. Durch die „Allgemeinverfügung“ ist der Flashmob nicht nur am Samstag untersagt, sondern bis zum Ende des Christkindlmarkts am 24. Dezember. Das Verbot bezieht sich auch auf Ersatzveranstaltungen und gilt täglich von 10 bis 21 Uhr. Wer trotzdem teilnimmt, riskiert bis zu 1000 Euro Bußgeld und eine Anzeige.

KVR-Chef Wilfried Blume-Beyerle betont: „Das Verbot ist eine absolute Einzelentscheidung. Wir wollen keinen Feldzug gegen Facebook starten.“ Dennoch müsse sich sein Haus Gedanken machen, wie man besser auf Veranstaltungen, die per Facebook organisiert werden, reagieren kann. „Wir müssen uns intensiver mit sozialen Netzwerken befassen!“

Ein Problem: Die Rechtslage ist unklar, denn Flashmobs falle unter keine der gängigen Ausprägungen von Versammlungen. Blume-Beyerle warnt jedoch vor Schnellschüssen. „Ich sehe keinen Sinn darin, jetzt irgendein Gesetz zu erlassen. Man muss jeden Fall mit Augenmaß betrachten.“

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Der Aufruf zum Stillstand wurde von zwei Facebook-Nutzern als öffentliche Veranstaltung ins Netzwerk gestellt. Hintergrund ist die Bewegung „Stehen, damit es weitergeht“, die in einer Fernsehsendung auf ZDFneo ins Leben gerufen wurde. Halbironischer Grundgedanke: Jeder soll das Recht haben, mal stehenzubleiben – als friedliches Statement gegen das, was ihn persönlich stört. In dem Facecbook-Aufruf heißt es, man wolle sich für fünf Minuten „möglichst auf der ganzen Breite der Fußgängerzone“ aufstellen.

Die Polizei bewertet das als Ankündigung einer Blockade. Vizepräsident Robert Kopp sieht sich zwar nicht „berufen, Ausprägungen der virtuellen Gesellschaft zu werten“ – aber dieser spezielle Flashmob berge „konkrete Unfallgefahren“. Die Polizei werde „mit Priorität Eins nicht kalkulierbare Gefahren verhüten“. Es bestehe das Risiko, dass es zu Auseinandersetzungen mit Passanten komme, die es im Weihnachtsgedränge eilig hätten. „Sehen Sie von der Durchführung sowie der Teilnahme ab. Andernfalls gefährden Sie durch ihr Verhalten eine Vielzahl unbeteiligter Personen“, appelliert Kopp deshalb.

Doch wie erkennt man, wer wegen des Flashmobs stehenbleibt – und wer sich vielleicht nur das Rathaus anschaut? Kopp vertraut auf seine Beamten. „Wenn jemand einen anderen bewusst am Vorbeigehen hindert, kann man das erkennen.“ Auf Facebook sind die Reaktionen auf das Verbot gemischt. Während viele – darunter auch die Veranstalterin – darüber nachdenken, die Aktion zu verschieben, wollen andere nun erst recht mitmachen.

von Ann-Kathrin Gerke

Rubriklistenbild: © dpa

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