"Hier werden Opfer zu Tätern gemacht"

Stadtrat Oraner wehrt sich - erstes Video aufgetaucht

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Wieder im Rathaus: Linke-Stadtrat Cetin Oraner.

München - Linke-Stadtrat Cetin Oraner (48) wurde nach einer Anti-Terror-Demo festgenommen - bestreitet aber die Vorwürfe, einen Polizisten getreten zu haben. Jetzt ist sogar ein Video von der Aktion aufgetaucht...

Die Situation Dienstag im Rathaus war skurril: Im Großen Sitzungssaal tagt der Kreisverwaltungsausschuss, der alle Fragen der Ordnung der Stadt berät – es geht um ein Konzept für Verkehrssicherheit. Und KVR-Chef Wilfried Blume-Beyerle verkündet, dass die nächste Sitzung auf Einladung des Polizeipräsidenten im Präsidium stattfindet. Unter den Sicherheitspolitikern sitzt einer, der gerade mächtig Ärger mit der Polizei hat: Linke-Stadtrat Cetin Oraner (48), der nach einer Anti-Terror-Demo festgenommen wurde. Jetzt ist sogar ein Video von der Aktion aufgetaucht (siehe unten)! Von der Wache zurück ins Rathaus …

Was im Video zu sehen ist:

Es ist das erste Video der heftig diskutierten Demo: Die Veranstalter haben der tz einen 54-sekündigen Ausschnitt übermittelt - allerdings ist die Bildqualität so schlecht, dass Zweifel bleiben. Zunächst sieht man Linke-Stadtrat Cetin Oraner (schwarze Jacke, graue Kapuze), wie er vor der Polizei-Kette die Festnahme eines Demonstranten beobachtet. Dann verdichtet sich die Menge - darunter auffällig viele Frauen. Parolen von „Polizeigewalt“ sind zu hören. Letztlich gibt es ein Gerangel zwischen einem Beamten (hinter dem Mann mit blauer Jacke) und Oraner, die Stoßrichtung geht vom Polizisten weg, der ein paar Schritte nachsetzt.

Hier zeigt er seine dicke Lippe.

Oraner bleibt nach der Sitzung bei seinen Vorwürfen gegen die Polizei: „Hier werden Opfer zu Tätern gemacht.“ Er sei nicht gewalttätig gegen Beamte geworden. Und er habe auch zuvor keine Beleidigungen gehört. Vielmehr sei er unvermittelt von einem USK-Mann mit der Faust ins Gesicht geschlagen worden. Demo-Leiter Azad Yusuf Bingöl stand neben Oraner und sagte der tz: „Der Polizist hat ohne Vorwarnung Oraner und dann mich geschlagen.“ Die Polizei wirft dem Stadtrat vor, den Polizisten zwischen die Beine getreten zu haben – der soll eine Hodenprellung erlitten haben.
Auch im Rathaus ist das Thema angekommen. „Wie war es denn?“, fragt der oberste städtische Ordnungshüter Blume-Beyerle den Linke-Stadtrat nach der Sitzung. „Sie wirken angeschlagen.“ Im Stadtrat wird die Sache ein Nachspiel haben, Grüne und Linke fordern Aufklärung von OB Dieter Reiter (SPD). Am Sonntag findet wieder eine Demo gegen islamistischen IS-Terror statt.

SPD verlangt volle Aufklärung

Natürlich will auch SPD-Fraktionschef -Alexander Reissl den Fall zunächst aufgeklärt wissen. Aber er geht in den Augen Oraners noch einen Schritt weiter. Reissl sagt: „Wenn er tätlich gegenüber einem Polizisten geworden ist, liegt das außerhalb des Möglichen. Ein Stadtrat ist ja auch ein Repräsentant der Stadt!“ Dann müsse sich Oraners Fraktion aus Linke und ödp fragen, ob sie mit ihm zusammenarbeiten will. Sein Mandat kann ein Stadtrat allerdings praktisch nicht verlieren - gewählt ist gewählt.

Grüne kritisieren die Polizei

Die Grünen stellen sich dagegen ohne Vorbehalt auf Oraners Seite: „Wie konnte die Situation so eskalieren, dass ein Stadtrat durch einen Faustschlag im Gesicht verletzt und wegen -gefährlicher Körperverletzung festgenommen wurde?“ Fraktionschefin Gülseren Demirel erinnert an den Fall -Teresa Z.: „Da drängt sich schon die -Frage auf, welchen Stellenwert die -Einsatzleitung auf deeskalierende -Maßnahmen und auf die Zusammenarbeit mit einem demokratisch gewählten Stadtrat gelegt hat.“

D. Costanzo

David Costanzo

David Costanzo

E-Mail:David.Costanzo@tz.de

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