Lasst uns unsere Spielwiesen!

Städtischer Wohnungsbau: So kämpfen Bürger um ihre Bolzplätze

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Die Stadt will hier -Wohnungen bauen, die Anwohner protestieren.

München - Die Stadt München will im Moment tausende neue Wohnungen bauen. Doch viele davon sollen auf Kosten von Grünflächen errichtet werden. Die Bürger wehren sich.

Die Stadt braucht dringend Wohnungen – mit dem Sofort-Programm „Wohnen für Alle“ sollen binnen vier Jahren 3000 neue Bleiben entstehen, 1000 bereits bis nächstes Jahr. Unterkommen sollen Studenten, Azubis, junge Familien und Flüchtlinge! Doch das sorgt nicht überall für Zustimmung. Denn die Schnell-Bauten sollen auf städtischen Grünflächen entstehen: auf Bolzplätzen, auf Spielwiesen! Und dagegen wehren sich vermehrt die Anwohner. Nach ersten Protesten in Milbertshofen haben sich weitere Initiativen gegründet – wohnen oder spielen? Die tz fasst den Wiesen-Wettstreit zusammen.

Projekt „Wohnen für Alle“

Das Programm Wohnen für Alle ist ein Pilotprojekt der Stadt München für einkommensschwache Gruppen. Im Jahr 2016 sollen in dem Rahmen bei zehn Einzelvorhaben 1000 Wohnungen gebaut werden, bis 2019 insgesamt 3000. OB Reiter nennt das Programm einen „wohnungspolitischen Paukenschlag“.

Von dem Projekt sollen vor allem Menschen mit niedrigem Einkommen profitieren: Familien mit geringem Einkommen, Auszubildende und junge Berufstätige sowie anerkannte Flüchtlinge. Neben den städtischen Wohnungsbaugesellschaften GWG und Gewofag sollen sich auch private Gesellschaften in diesem Projekt engagieren und rund die Hälfte der neuen Einheiten bauen.

Reiter: „Wir beschreiten neue Wege, um das drängendste Münchner Problem – den Mangel an bezahlbarem Wohnraum – gemeinsam anzugehen.“

Protest von Erfolg gekrönt

Auch bei der geplanten Neubaumaßnahme der GWG-Siedlung in Ramersdorf zwischen Ständler-, Görzer, Puechberger- und Balanstraße (Foto unten) regte sich Widerstand – eine Wiese wäre komplett zerstört worden. 105 Wohneinheiten in sechs quadratisch geschnittenen Gebäuden waren ursprünglich vorgesehen. Der Protest von Anwohnern und Bezirksausschuss hatte aber letzlich Erfolg. OB Dieter Reiter bat die städtische Wohnbaugesellschaft, die Pläne zu reduzieren. Nun sollen es nur 70 Wohnungen in vier Häusern werden, um das Grün zu retten. Laut GWG sind die Pläne für die beiden geplanten Bauten auf der Seite Ständlerstraße erst einmal vom Tisch.

Bolzplatz wird reduziert

Kampf ums Kicken: Auch in Milbertshofen formierte sich Widerstand gegen Wohnungen. Eine Bürgerbewegung rund um Anwohnerin Luise Valier protestierte für den Erhalt des Bolzplatzes zwischen Schmalkaldener Straße und Frankfurter Ring. Auch der Bezirksausschuss hatte sich für den Bolzplatz eingesetzt. Das Ende vom Lied: Die GWG will dort 55 Wohnungen errichten – immerhin weniger als zuvor geplant. Ein bisschen ist man den Protestlern also entgegengekommen, auch auf Druck von OB Dieter Reiter: Ein kleiner Platz, rund 22 mal 45 Meter groß, soll künftig für die Hobbykicker zur Verfügung stehen, der Wohnblock trotzdem kommen. Der Stadtrat hat jetzt die Proteste der Anwohner und auch des Bezirksausschusses zurückgewiesen. Gebaut wird wohl bereits ab Mitte Oktober.

Unnützstraße in Trudering: Gewofag will 57 Wohnungen errichten

Organisierter Bolzplatz-Protest: Auf der Spielwiese an der Ecke Bajuwaren-/ Unnützstraße will die Gewofag 57 Wohnungen errichten. Auch die sind Teil des Sofort-Programms Wohnen für Alle. Die Bürger laufen Sturm!

„Die begrenzten Baumöglichkeiten sind es sicher nicht wert, diese Wiese zu zerstören“, sagt der Sprecher der Bürgerinitiative, Stefan Hofmeir. Durch den Neubau würden nicht nur Kinder und Jugendliche aller Nationen ihren beliebten Spiel- und Fußballplatz verlieren, sondern die übrigen Anwohner auch ihr Naherholungsgebiet.

Am Grundton der Bürger ändert auch die Tatsache nichts, dass die Pläne bereits reduziert worden sind. Die Truderinger Stadträte Sebastian Schall (CSU) und Ingo Mittermaier (SPD) hatten erreicht, dass sich der Bauraum auf einen etwa 20 Meter breiten Streifen entlang der Bajuwarenstraße beschränkt. Das übrige Areal bleibt den Anwohnern, doch denen reicht das nicht. „Selbst wenn nur die Hälfte der Wiese bebaut würde, das Restareal wäre dann eingezwängt zwischen Häusern und als Bolzplatz nicht mehr nutzbar“, sagt Hofmeir der tz.

Dem Bezirksausschuss Trudering-Riem liegen bereits mehrere hundert Anträge von Bürgern vor. Und noch gibt es berchtigte Hoffnung! Denn bislang ist tatsächlich unklar, ob das Gelände überhaupt bebaut werden darf. „Derzeit wird eine Machbarkeitsstudie erstellt“, sagt eine Sprecherin der Gewofag zur tz. „Bevor Planungen erfolgen können, ist zunächst das Baurecht zu klären.“

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