Steuern sparen: Heiraten auf den letzten Drücker

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Bevor das Baby im Januar kommt, haben sich Adeline und Senad Alija noch schnell das Ja-Wort gegeben

München - In München gibt es die meisten Eheschließungen im Dezember. Ein Grund: Paare können Steuern für das gesamte abgelaufene Jahr sparen. Wir haben mit frisch Vermählten und einer Expertin gesprochen.

Der schönste Tag des Lebens findet gefühlsmäßig in den Sommermonaten statt. Unzählige Bräute und ihre frischangetrauten Ehemänner posieren bei strahlendem Sonnenschein vor Kirchentreppen und den Münchner Standesämtern. Doch das Bild trügt. In der Landeshauptstadt gibt es die meisten Eheschließungen im Dezember. Einer der Gründe dafür: Paare können Steuern für das gesamte abgelaufene Jahr sparen.

„In diesem Monat haben 572 Trauungen in unseren Standesämtern stattgefunden“, sagt Daniela Schlegel, Sprecherin des Kreisverwaltungsreferats (KVR). Dabei handelt es sich um kein neues Phänomen. „Im Dezember gibt es immer die höchste Zahl der Trauungen im KVR, im Standesamt Mandelstraße und im Standesamt Pasing“, erklärt Schlegel. So war der Dezember 2009 mit 605 Hochzeiten der stärkste Monat, gefolgt vom Juli 2009, wo 509 Trauungen stattfanden. Auch 2008 landete der Wintermonat Dezember mit 599 Eheschließungen auf dem ersten Platz. Auf dem zweiten Rang der August mit 538 Trauungen.

Im Dezember geben sich Männer und Frauen in den Trausälen des KVR im Viertelstundentakt das Ja-Wort. Ein Paar in Jeans ist alleine da und hat sich kurzfristig für die Hochzeit entschlossen, um von den steuerlichen Vorteilen zu profitieren. „Wir hatten schon länger vor zu heiraten, aber warum nicht jetzt noch und damit Steuern sparen“, sagt die Frau, die anonym bleiben will. So schnell die beiden im Trausaal sind, so fix sind sie auch wieder raus. Die Zeremonie läuft ohne Musik, ohne Trauzeugen und ohne Rede der Standesbeamtin ab.

Doch es ist nicht nur die Steuer, die für eine Hochzeit im Schnee spricht. Hans Blanke und seine künftige Frau Resi sind heute hier, weil es im Dezember nicht so heiß und im Winter gemütlicher und entspannter ist. Die beiden Rentner lassen sich etwas mehr Zeit als das Paar vor ihnen. Zusammen mit Freunden nehmen sie schon eine halbe Stunde vor ihrer Trauung auf den beigen Ledersofas Platz. „Mei, ist das aufregend“, freut sich der 69-Jährige. Seit elf Jahren sind er und Resi schon ein Paar. Für beide ist es die zweite Ehe. „Die erste Hochzeit fand ich allerdings nicht so aufregend wie diese“, sagt die 73-Jährige.

Aufgeregt sind auch Senad und Adeline Alija. Das junge Paar steht unter Zeitdruck: „Unser Baby kommt im Januar und davor wollten wir auf jeden Fall noch heiraten. Der Dezember war der letzte Termin, den wir noch bekommen haben“, sagt die 20-Jährige. Im Wartezimmer des Frauenarztes habe Senad ihr im Sommer den Antrag gemacht, im September waren sie im KVR, um sich anzumelden. Nach der Geburt ihres Sohnes wird es dann im Sommer noch ein großes Fest mit 300 Gästen geben. Doch einen Grund zum Feiern gibt es auch schon jetzt: „Ich wusste bis heute gar nicht, dass eine Ehe auch steuerliche Vorteile bringt. Das ist natürlich super“, sagt Senad Alija.

Tanja Wolff

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Die richtige Kombination zahlt sich aus

Natürlich ist es immer Liebe. Eine Ehe scheint jedoch nicht nur ein Gewinn fürs Leben zu sein, sondern auch für das Bankkonto. Mit der Hochzeit können viele Paare Steuern sparen. Steuerberaterin und Rechtsanwältin Christina Linz von der WTS AG Steuerberatungsgesellschaft erklärt die steuerlichen Unterschiede von Singels und Ehepaaren.

Lohnt sich die Hochzeit im Dezember für jeden?

Christina Linz: Es rechnet sich besonders für Paare, die ein unterschiedlich hohes Gehalt haben, weil dann die Möglichkeit der Zusammenveranlagung besteht, die in dieser Konstellation zu einer oft erheblichen Progressions- und somit Steuerminderung führt. Das gilt auch rückwirkend für das ganze Jahr, wenn das Paar nur einen Tag des laufenden Jahres verheiratet ist.

Was passiert bei der Zusammenveranlagung?

Linz: Das ist etwas komplizierter. Die Einkünfte der Ehepartner werden zunächst für jeden einzeln ermittelt, dann zusammengerechnet und den Ehepartnern dann gemeinsam zugerechnet. Dadurch verdoppeln sich auch bestimmte Freibeträge wie zum Beispiel Sparerpauschbetrag und Werbungskostenpauschbetrag. Auf das gemeinsame zu versteuernde Einkommen wird dann nicht wie bei Ledigen der Grundtarif, sondern der sogenannte Splittingtarif angewendet.

Und es ändert sich die Lohnsteuerklasse?

Linz: Das stimmt. Grundsätzlich sind kinderlose nichtverheiratete Arbeitnehmer der Steuerklasse I zugeteilt, bei der hohe Lohnsteuern gezahlt werden müssen. Ehepartner, die beide Arbeitnehmer sind, haben hingegen die Wahl zwischen den Steuerklassen-Kombinationen IV und IV oder III und V. Die Entscheidung für die Steuerklassen-Kombinationen III/V oder IV/IV bringt in der Regel nicht nur ein höheres gemeinsames Nettogehalt, sondern kann sich auch auf sonstige staatliche Förderungen wie Arbeitslosen- oder Elterngeld auswirken.

Welche Kombination ist besser?

Linz: Wenn die Ehepartner unterschiedlich viel verdienen, dann sollte derjenige mit dem höheren Gehalt die Steuerklasse III und der mit dem geringeren Gehalt die Steuerklasse V nehmen. Verdienen beide etwa das Gleiche, empfiehlt sich die IV/IV Kombination.

Wird man immer zusammen veranlagt?

Linz: Nein. Das Ehepaar kann sich auch für die getrennte Veranlagung entscheiden. Sie ist allerdings nur in Ausnahmefällen von Vorteil. Beispielsweise wenn ein Ehegatte in dem Veranlagungsjahr außerordentliche Einkünfte wie Abfindungen erzielt. Letztlich sollte jedoch jedes Jahr aufs Neue geprüft werden, welche Veranlagung für das Ehepaar steuerlich günstiger ist.

Interview: Tanja Wolff

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