Arbeitskampf im öffentlichen Dienst

Streiks in München: Kitas und Kfz-Zulassungsstelle bleiben zu

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Dienstag Vormittag marschierten Beschäftigte des öffentlichen Dienstes zum Stachus.

München - Über 2500 Beschäftigte im öffentlichen Dienst haben ihrem Frust am Dienstag auf dem Karlsplatz lautstark Luft gemacht. Die Arbeitgeber haben ihnen drei Prozent mehr Lohn und Gehalt geboten, Verdi hat abgelehnt.

Die Gewerkschaft fordert für die bundesweit zwei Millionen Beschäftigten des öffentlichen Dienstes sechs Prozent mehr Geld. Wegen des Streiks blieben in München 150 Kitas, drei städtische Bäder und vier Bibliotheken geschlossen, Mülltonnen wurden nicht geleert und Straßen nicht gereinigt. Bayernweit streikten 8000 Angestellte. Die dritte Verhandlungsrunde findet am 28. und 29. April statt. Am Mittwoch wird der Flughafen bestreikt (s. unten).

"Kein Minus"

Viele fragen sich, weshalb die Erzieher schon wieder streiken. Aber hier geht’s um den ganzen öffentlichen Dienst. Wir sind die Menschen, die München am Laufen halten. Wir fordern nicht mehr Geld, sondern einen Wirtschaftsausgleich. Wenn wir nicht sechs Prozent mehr bekommen, machen wir eine Minusrunde.

Mechthild Joppich (60), Pädagogin

"Ab in die freie Wirtschaft"

Wir Beschäftigte im öffentlichen Dienst können für unsere Rechte nicht mehr und nicht weniger tun, als die Arbeit niederzulegen und auf die Straße zu gehen. Die Jobs im öffentlichen Dienst sind sicher, ja. Aber in der freien Wirtschaft wird besser bezahlt – da guckt man sich frelich auch nach Arbeit um.
Gamze Akdemir-Gül (28), Kundenservice Stadtentwässerung

"Die Rente"

Die Arbeitgeber wollen an unsere Betriebsrente. Bisher hat der Arbeitgeber den Löwenanteil der Rente übernommen, jetzt verhandeln sie darüber, dass wir mehr zahlen sollen. Das läuft auf Kürzungen der Betriebsrente hinaus, die wir Arbeitnehmer nicht hinnehmen können.

Richard Ermold (55), Hauptpersonalratsvorsitzender beim BMJV

Sie sind grantig!

Kehrtwende schon direkt am Eingang! So manchner Münchner schaute verdutzt, als er gestern bei der Führerscheinstelle und Kfz-Zulassung in der Eichstätter Straße (Schwanthalerhöhe) auf verschlossene Türen zulief. Hier war streikbedingt alles dicht! Auch wenn der ein oder andere entnervt vor dem Eingang stehen blieb. Die Ansage der Behörde blieb gleich: Bitte morgen wiederkommen! Dann soll wieder offen sein.

"Nichts gelesen"

Ich wollte für einen Freund meines Vaters ein Siegel für sein Kennzeichen abholen. Von dem Streik habe ich nichts mitbekommen. Die fehlende Information ist auch das wahre Problem – und nicht der Streik an sich. Ich habe noch nichts gelesen, wann hier wieder offen ist.

Alexander Strobl (20), BWL-Student, München

"Nächster Versuch"

Wäre ich doch besser gestern gekommen! Da habe ich es knapp nicht mehr geschafft. Ich müsste eigentlich ein Auto abmelden, das ich verkauft habe. Ich hatte nichts davon gehört, dass hier heute dicht ist. Ich werde es morgen wieder versuchen.

Gamal Abo (59), Fahrer für ­Menschen mit Behinderung, München

700 Flüge fallen am Mittwoch aus

Am Dienstag hat am Flughafen das neue Satellitenterminal den Betrieb aufgenommen – Stewardessen (Foto unten) und Passagiere genossen die Annehmlichkeiten. Dafür gibt’s heute den ersten Ärger. Denn: Die Streikwelle trifft auch den Flughafen.

Lufthansa, Air Berlin und andere Fluggesellschaften sagten für heute rund 700 von 1100 Münchner Flügen ab, weil Mitarbeiter der Bodenabfertigung und Sicherheitsgesellschaft zum Warnstreik aufgerufen sind. Die Lufthansa hat etwa alle Interkontinentalflüge von und nach München gestrichen, aber auch viele innerdeutsche und europäische Verbindungen.

Ob auch Ihr Flug betroffen ist? Mehr im Netz: ­munich-airport.de.

Jasmin Menrad, wie

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