Schuldig in vier Fällen

Tarzan-Neffe wegen Kindesmissbrauchs verurteilt

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Günther P. (73, Name geändert) versteckte sich hinter einer Zeitung. Vor Gericht kam aber die Wahrheit über ihn heraus: Er hat jahrelang Kinder missbraucht.

München - Der 73-jährige Neffe des verstorbenen Schauspielers Johnny Weissmüller (bekannt als "Tarzan") wurde am Mittwoch wegen Kindesmissbrauch in München verurteilt.

Sein Onkel schwang sich über Lianen zu seiner großen Liebe: Als Tarzan eroberte Johnny Weissmüller (79†) das Herz seiner Jane. Auch Neffe Günther (73, Name geändert) fand die Frau für sein Leben. Aber er liebte auch Kinder auf verbotene Weise. Und verging sich jahrelang an ihnen. Am Mittwoch musste der Tarzan-Neffe vor Gericht.

„Ich bedauere sehr, was passiert ist und möchte mich in aller Form entschuldigen“, ließ Günther P. über seinen Verteidiger Franz Wittl mitteilen. Vor dem Amtsgericht legte er ein Geständnis ab und gab zu, zwischen den Jahren 2000 und 2014 vier Kinder sexuell missbraucht zu haben. „Ich würde die Taten gerne ungeschehen machen. Sie sind ein schwarzer Fleck in meinem Leben, ich habe seitdem keine ruhige Minute mehr“, so Günther P.

Jahrelang war er der nette Nachbar von nebenan: Dutzende Paare brachten ihre Kinder gerne bei ihm vorbei. Der Rentner spielte mit ihnen und passte auf sie auf. Das dachten jedenfalls die Eltern. Bis immer mehr Kinder aus einer Siedlung im Landkreis erzählten, dass der Günther ihnen zwischen die Beine fasse und immer an sich drücke.

Der Schock war groß – erst am Mittwoch vor Gericht wurde aber das ganze Ausmaß des Missbrauchs bekannt: Günther P. missbrauchte die Kinder mehr als 20-mal innerhalb von 14 Jahren. Und das sind nur die Taten, die die Staatsanwaltschaft aufklären konnte. Denn die Kinder waren während der sexuellen Übergriffe teilweise jünger als fünf Jahre alt. Kaum zu glauben: Zwischenzeitlich hatte Günther P. sogar sein Haus verkauft und war in eine andere Stadt im Münchner Umland gezogen. Auch dort wurde er aber zum Kinderschänder!

„Unsere Tochter war 30- bis 40-mal bei ihm“, erzählte eine Mutter am Mittwoch im Prozess. „Günther wohnte schräg gegenüber. Er wurde vom Nachbarn zum Freund. Jeder in der Siedlung mochte ihn, weil er so nett war und auch mal als Handwerker geholfen hat.“ Hinter der freundlichen Fassade tun sich aber Abgründe auf: Günther P. begrapscht die Kinder. Seine Frau bemerkt davon jahrelang angeblich nichts. Erst als die Kinder nicht mehr mit ihren Eltern kuscheln wollen und aggressiv oder sehr traurig werden, kommt der ganze Skandal ans Tageslicht. „Der Missbrauch sprach sich schnell herum. Wir waren entsetzt. Unsere Tochter musste psychologisch betreut werden“, erzählt ein Vater und schaut zu Günther P., der immer tiefer im Stuhl versinkt.

Richter Matthias Braumandl kannte kein Pardon mit dem Kinderschänder: Er verurteilte Günther P. zu zwei Jahren und zehn Monaten Haft – trotz dessen hohen Alters und einer Krebserkrankung. „Sie waren der nette Ersatz-Opa. Mehr als als ein Jahrzehnt lang haben Sie Mütter eingelullt und sich ihr Vertrauen erschlichen, um sich an deren Kindern zu vergehen“, begründete er. „Es ist der Auftrag des Gerichts, dass so etwas nie wieder passiert.“

Laut Richter kann Günther P. nicht akzeptieren, dass er pädophil ist. „Sie verdrängen die Taten. Aber damit kommen Sie hier nicht durch.“ An jedes der Kinder muss Günther P. nun auch 10.000 Euro Schmerzensgeld zahlen.

Weissmüllers Weltkarriere als Tarzan

Sein Gesicht kennt die ganze Welt: In zwölf Tarzan-Filmen spielte Johnny Weissmüller († 79) zwischen 1932 und 1948 mit. Unvergessen ist bis heute sein Urwald-Schrei und der durchtrainierte Körper. Den hatte sich Weissmüller beim Schwimmen geformt: Er war der erste Mensch, der 100 Meter in weniger als einer Minute schaffte – und gewann gleich fünfmal bei Olympia. Zu Weltruhm brachte es Weissmüller aber erst als Schauspieler. Auch wegen Tarzans romantischer Liebe zur Figur Jane, die er im Urwald rettet – eine magische Szene, die tausendfach nachgestellt wurde. 1984 verstarb Weissmüller in Mexiko, sein Neffe Günther (73) musste gestern vor Gericht.

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