Schläger stellt sich der Polizei

Taxler kämpft ums Überleben - Seine Frau ist völlig verzweifelt

Taxifahrer, München, Kampf ums Überleben, Zusammengeschlagen
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Er schwebt noch immer in Lebensgefahr: Taxifahrer Jozsef N. (61) wurde am Sonntag zweimal operiert.

München - In der Nacht zum Sonntag wurde ein Taxifahrer mitten in München brutal zusammengeschlagen. Am Dienstag haben sich nun die Täter der Polizei gestellt. Der Taxler schwebt weiterhin in Lebensgefahr.

Die Rechtsanwältin meldete sich am Montag bei der Münchner Mordkommisision. Ihr Anruf führte zur Klärung eines Verbrechens, das die Münchner seit Tagen empört und eine Familie in tiefes Unglück stürzte: Der Mann, der den Münchner Taxifahrer Jozsef N. (61) in einem unerklärlichen Gewaltexzess ins Koma prügelte, hat sich unter dem Druck der Berichterstattung freiwillig der Polizei gestellt. Der Münchner Salih Ü. (25, Name geändert) sitzt bereits wegen des Verdachts des versuchten Totschlags in U-Haft. Sein Arbeitskollege Cengiz Ö. (27; Name geändert) wurde ebenfalls vernommen, aber wieder auf freien Fuß gesetzt.

Der Tatort: Auf der Leopoldstraße kurz vor der Kreuzung zur Rheinstraße wurde Jozsef N. niedergeschlagen.

Die beiden türkischen Männer hatten in der Nacht zu Sonntag in verschiedenen Clubs und Bars in der Innenstadt kräftig gefeiert. Cengiz Ö. zumindest war am Ende schwer betrunken. Um 3 Uhr stiegen die Männer am Odeonsplatz in das Taxi von Jozsef N. Vermutlich wollten sie in den Münchner Norden, wo beide wohnen. Doch nach nur 2,8 Kilometern wurde Cengiz Ö. übel. Kurz vor der Kreuzung Leopoldstraße/Potsdamer Straße hielt Jozsef N. an. Zu spät: Cengiz Ö. übergab sich ins Taxi. In solch ärgerlichen Fällen ist eine Reinigungsgebühr von mindestens 30 Euro fällig. Zudem weigerte sich der 61-Jährige entschieden, die beiden Männer weiter zu befördern. Alle drei standen schließlich neben dem Taxi. Es entzündete sich ein heftiger Streit. Aus einiger Entfernung sahen Zeugen, wie Salih Ü. den 61-Jährigen plötzlich herumschubste und mit einem kräftigen Faustschlag zu Boden streckte. Dann soll der sportliche Karosseriebauer mehrfach mit voller Kraft auf den Kopf des wehrlosen Taxlers eingetreten haben. Cengiz Ö. stand einfach passiv daneben.

Jozsef N. wurde zweimal operiert

Jozsef N. verlor das Bewusstsein und konnte nicht mehr befragt werden. Er schwebt nach wie vor in Lebensgefahr. „Wir wissen noch gar nicht, ob und wie er das überleben wird. Er wurde am Sonntag zweimal operiert. Wir wissen gar nicht, was jetzt werden soll“, sagte seine tief verzweifelte Frau der tz. Der 61-Jährige gebürtige Ungar hat lebensgefährliche Gehirnschwellungen davongetragen. Um das Hirn zu entlasten, musste ihm ein Teil der Schädeldecke entfernt werden. Das ganze Verletzungsbild spricht dafür, dass er mit massiver Gewalt getreten worden ist.

Salih Ü. wurde am Montagnachmittag von der Mordkommission in Anwesenheit seiner Rechtsanwältin ausführlich vernommen. Er räumt zwei Faustschläge ein, bestreitet aber Tritte und weitere Schläge, als der Taxler am Boden lag. Als Jozsef N. sich nicht mehr bewegte, waren die Männer geflohen. Auch Cengiz Ö. kam mit einer Anwältin zur Vernehmung, durfte danach wieder gehen. Salih Ü. dagegen wurde noch am gleichen Abend in die U-Haft nach Stadelheim gebracht.

Auch in Milbertshofen rätseln nun zwei Familien, wie es zu dieser Gewalttat kommen konnte. Salih Ü.‘s Vater ist fassungslos über die schweren Vorwürfe, die gegen seinen Sohn erhoben werden. Die Wahrheit kennt auch er nicht. Aber er hat ein Erklärung: „Mein Sohn hatte immer die falschen Freunde“, sagte er mit trauriger Stimme.

Dorita Plange

Dorita Plange

E-Mail:Dorita.Plange@tz.de

Sebastian Arbinger

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E-Mail:Sebastian.Arbinger@tz.de

Jacob Mell

Jacob Mell

E-Mail:Jacob.Mell@tz.de

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