Trauer um jungen Architekten

Terror in Paris: Raphael H. aus München unter den Opfern

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Raphael H. (28) starb in Paris.

München - Seit Sonntagabend steht fest: Unter den bislang 132 Toten der Schreckensnacht von Paris ist auch ein junger Münchner. Raphael H. (28), ein begabter Architekt, hatte in Paris seine glänzende Karriere begonnen.

Der 28-Jährige starb im Asia-Restaurant „Le Petit Cambodge“ in der Rue Alibert, auf dessen Fenster die Massenmörder auch das Feuer eröffneten. Mit Raphael starben allein hier und in der Nachbar-Bar „Le Carillon“ 15 Menschen. Seine getrennt lebenden Eltern – der Vater ist ein Kinderarzt aus Schongau, die Mutter lebt in Garmisch-Partenkirchen – fuhren am Sonntag mit zwei weiteren Familienangehörigen nach Paris. Sie sind in Begleitung von psychologisch geschulten Mitarbeitern des Münchner Krisen-Interventions-Teams des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) und der Notfallseelsorge der Erzdiözese. Sie werden den Angehörigen in den schlimmsten Stunden ihres Lebens beistehen.

Raphael wurde in München geboren und wuchs in Garmisch auf. Er machte sein Abitur am Werdenfels-Gymnasium in Garmisch, spielte Basketball. Seine große Passion jedoch war das Klettern. Mit dem Kletterteam seiner Schule gewann Raphael sogar die Bayerische Meisterschaft. In München studierte er an der TU Architektur. Bereits im Alter von 23 Jahren entwarf er mit Kommilitonen für seine Heimatstadt ein neues Konzept für den Ortskern. 2014 gewann er mit seinem Team sogar den Franz-Berberich-Preis der TU München für ein „Prototypisches Schulhaus für Sambia“. In Frankreich dann die Chance seines Lebens: Er bekam einen Platz in der Pariser Dependance des weltberühmten, italienischen Architekten Renzo Piano. Wer hier schon in so jungen Jahren Erfolg hat, hat den Sprung auf die internationale Architekten-Bühne schon fast geschafft. Raphael lebte zuletzt fest in Paris. Er liebte die Stadt und das Leben dort. Am Freitag ging er mit zwei Kollegen aus Mexico und Irland in das bekannte Asia-Restaurant. Um 21.25 Uhr durchsiebten die Mörder die hell erleuchtete Glasfassade. Raphael hatte keine Chance. Seine beiden Begleiter wurden schwer, aber nicht lebensgefährlich verletzt.

Die Zahl von 129 Toten könnte sich noch erhöhen. Von den 350 Schwerverletzten der Terrornacht befinden sich immer noch knapp 100 in akuter Lebensgefahr. Erst 103 Tote sind bislang – so wie Raphael – sicher identifiziert.

Frankreich

Die überwiegende Mehrheit der Opfer sind Franzosen, unter ihnen auch Asta Diakite, die Cousine des französischen Fußballnationalspielers Lassana Diarra. Die Schwester seines Mannschaftskollegen Antoine Griezman hingegen hatte Glück – und entkam dem Inferno im Konzertsaal Bataclan. Der junge Rechtsanwalt Valentin Ribet (26) starb indes ebenso dort wie Elsa Delplace San Martin, die Großnichte des Chilenischen Botschafters in Mexiko.

Tunesien

Die Terroristen töteten auch die beiden tunesischen Schwestern Houda (34) und Halima Ben Khalifa Saadi (35) aus der französischen Region Creusot, die gerade in Paris den Geburtstag eines Freundes feierten.

USA

Die Design-Studentin Nohemi Gonzales (23) aus Los Angeles war wegen eines Auslandssemesters in Paris und fand im Restaurant „Petit Cambodge“ den Tod.

Spanien

Juan Alberto Gonzalez Garrido, 29-jähriger Ingenieur aus Granada, lebte in Frankreich mit seiner Frau. Auch er starb im Kugelhagel von Bataclan.

Verfolgen Sie die aktuellen Entwicklungen von Paris in unserem News-Ticker. Die Nachrichten Ereignisse vom Mittwoch können Sie hier nachlesen.

D. Plange, F. Fussek, M. Brommer

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