Spur ins Nichts

Terror-Verdacht: Asylberwerber wieder auf freiem Fuß

München - Die beiden unter Terrorverdacht geratenen Asylbewerber sind wieder auf freiem Fuß. Das sind die Erkenntnisse der Polizei nach den Festnahmen.

Am Ende führte die Spur doch wieder ins Nichts – glücklicherweise: Die beiden unter Terrorverdacht geratenen Asylbewerber Ernest E. (46) aus Nigeria und Nabil H. (29) aus dem Irak sind wieder auf freiem Fuß. Die Männer waren am Donnerstag nahezu zeitgleich in Mittelstetten (Landkreis München) und im Münchner Bahnhofsviertel von schwer bewaffneten Polizisten des Spezialeinsatzkommandos festgenommen worden. Im Raum stand eine angeblich kurz bevorstehende schwere, staatsgefährdende Gewalttat – ein Anschlagsszenario also, zu dem die Behörden keine näheren Angaben machen wollen. Die Männer waren bereits tagelang observiert worden. Offenbar bestand am Donnerstag die Gefahr, dass die verdeckten Aktionen der Behörden durchgesickert waren und die beiden Männer gewarnt werden und untertauchen könnten.

Der Hinweis auf die beiden in Deutschland gemeldeten Asylbewerber kam offenbar vom amerikanischen Geheimdienst und wurde über den Bundesnachrichtendienst (BND) an die Abteilung 4 Staatsschutz des Bayerischen Landeskriminalamtes weitergeleitet. Angeblich sollten die beiden in Mittelstetten im Asylbewerberheim untergebrachten Männer Beziehungen zu IS-Kämpfern gehabt haben, deren Namen auf der Liste der 22 000 IS-Kämpfer stehen, die die Strafverfolgungsbehörden im März erhalten haben.

Ernest E. (46) und Nabil H. (29) wohnen seit drei Monaten in Mittelstetten. Der Projektleiter der Asylbewerberunterkunft sagte am Freitag zur tz: „Ich kenne die beiden Männer. Das sind ganz normale Leute, eher ruhig. Einer von ihnen ist sogar verheiratet und hat Kinder. Ich würde denen so etwas nicht zutrauen.“

Augenzeuge über Verhaftung der Asylbewerber

Die Polizei riskierte nichts. Am Donnerstag gegen 17 Uhr dann der Zugriff. Im Bus in der Feuerhausstraße in Mittelstetten wurde der Fürstenfeldbrucker Schüler Marco Bodin (15) Zeuge, wie das SEK Nabil H. an der Haltestelle festnahm: „Plötzlich standen da zwei Männer mit Knopf im Ohr, haben den Mann angeschrien und gefragt, ob er Waffen habe. Sie haben auch Pistolen gezückt und ihn dann zu Boden gebracht. Ich hatte das Gefühl, der Mann wusste gar nicht, wie ihm geschieht. Ich sehe ihn oft. Der ist total nett. Wir haben uns immer gegrüßt. Ich war total erschrocken.“

Auch im Münchner Wettbüro Bet 3000 in der Goethestraße kam das SEK und holte Ernest E. Der Chef: „Meine Angestellten erzählten, dass die Festnahme schnell und unspektakulär ablief. So etwas geschieht bei uns leider öfter.“

Die Verdächtigen verbrachten die Nacht im LKA, wurden lange vernommen. Sie waren kooperativ und hatten offenbar nichts zu verbergen. Auch in ihren Wohnräumen wurde nichts Verdächtiges gefunden. Ein LKA-Sprecher sagte am Freitag: „Wir werden auf solche Erkenntnisse immer reagieren. Auch auf die Gefahr hin, dass am Ende doch nichts dran ist.“

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

Dorita Plange

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Johannes Heininger

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