Das wissen wir - das nicht

Terroralarm in München: Die Fakten

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München - Nach dem Terroralarm in der Silvesternacht in München gibt es viele offene Fragen. Wir klären in Stichpunkten, was bekannt ist und was nicht:

Update vom 22. Juli 2016: Offenbar hat es in München einen Terroranschlag gegeben. Nach Schüssen am Olympia-Einkaufszentrum gibt es Berichte über Tote. Alle Informationen im Live-Ticker zum Terror-Anschlag in München.

Das sind die Fakten: 
  • Gegen 19.40 Uhr in der Silvesternacht erhielt die Münchner Polizei den entscheidenden Hinweis auf einen oder mehrere Anschläge in München. Rund 550 Polizisten werden in der Silvesternacht zusätzlich zusammengezogen.
  • Gegen 22.30 Uhr informierte die Polizei öffentlich über einen möglichen Terroranschlag in München. Der Hauptbahnhof und der Pasinger Bahnhof werden geräumt. Konkrete Taten von Terroristen gibt es aber nicht. 
  • Bayerns Innenminister Joachim Herrmann spricht auf einer Pressekonferenz in der Nacht von fünf bis sieben IS-Terroristen aus dem Irak und Syrien, die Selbstmordanschläge verüben wollten. Ziele sollen die beiden Bahnhöfe gewesen sein. 
  • Laut Münchens Polizeichef Hubertus Andrä handelt es sich bei den Verdächtigen um Iraker oder Syrer. Zur Hälfte der Täter hat die Polizei Namen. Ob diese Personen existieren und wo sie sich aufhalten ist aber weiterhin völlig unklar. Festnahmen gibt es bislang nicht.
  • Die Terrorwarnung hat auch Trittbrettfahrer auf den Plan gerufen. Polizeipräsident Andrä sprach auf einer Pressekonferenz am Freitag von zwei Personen, die mit Bombenanschlägen gedroht hätten. Er warnte vor schweren Konsequenzen. Nachahmer müssten sich „warm anziehen“.

  • Die Hinweise auf einen möglichen Anschlag kamen am frühen Abend erst vom französischen und anschließend auch vom amerikanischen Geheimdienst. Gegen Mittag sollen bereits erste Hinweise vorgelegen haben. Zeitpunkt und Ziele wurde konkret benannt. 
  • Um 4 Uhr morgens am Neujahrstag wurden die Bahnhöfe wieder freigegeben. 
  • Am Tag nach dem Terroralarm gab es in München nach den Worten des bayerischen Innenministers Joachim Herrmann keine ganz konkrete Anschlagsgefahr mehr. Am Neujahrstag wurden einige der 550 Beamte wieder abgezogen, es waren aber noch etwa 100 Einsatzkräfte zusätzlich im Dienst.

Das sind die offenen Fragen:

  • Unklar bleibt bislang, wie konkret die Anschlagspläne tatsächlich waren. Über das Ausmaß der Planung ist wenig bekannt. Sicher ist nur, dass nach einigen Hinweisen in den letzten Tagen am Silvesterabend gegen 19.40 Uhr der entscheidende Hinweis kam.
  • Noch ist völlig unklar, ob es die genannten Attentäter überhaupt gibt. Ausgeschlossen werden könne das aber nicht, betont Polizeipräsident Andrä. Es sei auch nicht bekannt, ob die möglichen Verdächtigen sich tatsächlich in München oder Deutschland aufhielten. Keiner von ihnen habe bislang lokalisiert werden können. Das gelte selbst für die namentlich genannten Verdächtigen.

    Laut „Süddeutscher Zeitung“, WDR und NDR sollten die Personen in einem Münchner Innenstadt-Hotel untergekommen sein, waren aber nicht auffindbar. Laut ZDF ergab ein Abgleich mit Anti-Terror-Datenbanken keine Treffer.
  • Unklar ist, wie die möglichen Anschläge genau ausgeführt werden sollten. Es sei nicht bekannt, ob die potenziellen Attentäter sich alle selbst beteiligt hätten oder ob es unter ihnen auch bloße Helfer gegeben hätte, sagte Bayerns Innenminister Herrmann. Nach BR-Informationen war geplant, dass sich die Männer zu zweit an die Anschlagsorte begeben, um sich kurz hintereinander in die Luft zu sprengen. Bild.de berichtet, dass das zweite Attentat hätte stattfinden sollen nachdem die Rettungskräfte vor Ort eingetroffen wären. 

  • Viele Fragen stellen sich auch zu den Informationen der Geheimdienste. Die Hinweise der vergangenen Tage sind laut Polizei völlig unterschiedlich ausgefallen, kamen von unterschiedlichen Diensten. Innenminister Herrmann sagte, die Hinweise seien nicht hundertprozentig belastbar gewesen. Sie waren aber so konkret, das sie ernst genommen werden mussten. 
    • Der allererste Hinweis auf einen Anschlag auf die beiden Bahnhöfe - ohne Details zu Verdächtigten und Zeitpunkt - kam laut „Süddeutscher“, WDR und NDR bereits spätestens am 23. Dezember, wurde zunächst jedoch für unwahrscheinlich gehalten - bis sich die Informationen verdichteten. Ein Hinweisgeber aus dem Irak wurde den drei Medien zufolge dort vom Bundesnachrichtendienst befragt. Nach dpa-Informationen kam ein früher Hinweis aus den USA. Angeblich habe es auch Durchsuchungsbeschlüsse gegeben, die seien allerdings nicht umgesetzt worden, berichtet die SZ.

Den Live-Ticker mit allen Informationen vom Sonntag nach der Terror-Warnung an Silvester lesen Sie hier bei tz.de.

mkn/kb/vf

Markus Knall

Markus Knall

Chefredakteur Merkur.de. Arbeitet seit 2007 für den Münchner Merkur und Merkur.de. Jahrgang 1978.

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Kathrin Brack

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