Bürgerversammlung

600 neue Wohnungen: Fürstenrieder fürchten die Nachverdichtung

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München - Mit einer Bürgerwerkstatt haben Stadt und Bauherr versucht, den Mietern einer Wohnsiedlung in Fürstenried die geplante Nachverdichtung schmackhaft zu machen. Doch das gelang nur zum Teil. Wie groß das Unbehagen ist, zeigte sich bei der Bürgerversammlung im 19. Stadtbezirk.

Die Stadt braucht dringend neue Wohnungen, doch freie Flächen sind rar. Also wird auf Nachverdichtung gesetzt. Doch die Frage, wie eng es am Ende wirklich wird, bleibt oft unbeantwortet. Sie bewegt viele Menschen und löst Ängste aus.

So auch in der Siedlung in Fürstenried. Dort sollen zu bestehenden rund 1500 Wohnungen 600 weitere dazu kommen. Das Areal zwischen Forst-Kasten-Allee, Appenzeller, Bellinzona- und Graubündner Straße ist rund 13,5 Hektar groß. Als der Eigentümer, die Bayerische Versorgungskammer, die Mieter Anfang 2016 über die Pläne informierte, löste das sofort Protest aus.

Beim Workshop versicherte der Vorstandsvorsitzende der Bayerischen Versorgungskammer, Daniel Just: „Der Dialog mit Ihnen ist uns sehr wichtig.“ Marion Wolfertshofer vom Planungsreferat bemühte sich, den Blick auf das Positive zu lenken. Durch die Nachverdichtung entstehe soziale Infrastruktur. Fest steht, dass die Grünflächen mit dem alten Baumbestand möglichst erhalten und attraktiver gemacht werden sollen. Neue Wohnungen entstehen in erster Linie durch die Aufstockung bestehender Gebäude und die Bebauung von Stellplätzen.

Doch die Zweifel bleiben. Bei der Bürgerversammlung – der Saal war mit rund 450 Besuchern brechend voll – hagelte es deshalb Änderungsanträge. Die Bürgerinitiative Pro Fürstenried fordert begrenzende Kriterien für den Umfang der Nachverdichtung. Als limitierende Faktoren für die Zahl neuer Wohnungen seien unter anderem die Kapazität von Straßen und Nahverkehr sowie die Erreichbarkeit von Geschäften zu berücksichtigen. Zudem forderte eine Bürgerin den Erhalt der Grünbereiche und der wertvollen Baumgruppen.

Die Anträge wurden mit überwältigender Mehrheit angenommen, ebenso der Vorschlag eines Architekten: Die Stadt soll den Investor verpflichten, „die Frage des Maßes der Nachverdichtung auf der Basis der Probeentwürfe mit den Bürgern zu diskutieren“. Alternativ empfahl der Architekt, in der Wettbewerbsauslobung nicht 600 Wohnungen vorzugeben, sondern „die Verträglichkeit der Nachverdichtung mit der bestehenden Siedlungsstruktur“.

Brigitta Wenninger

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