Tierpark in Thalkirchen

Baustellen-Besuch in Hellabrunn: Endspurt im Reich der grauen Riesen

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Letzte Arbeiten: Schreiner Johannes Hell (li.) ist vom neuen alten Elefantenhaus begeistert.

München - In Hellabrunn wird gebaut. Die Sanierung des Elefantenhauses geht nach sechs Jahren dem Ende entgegen, und die Heimat der Robben wird runderneuert. Ein Baustellen-Besuch.

Über der Mondlandschaft wabert der Gestank von Dieselmotoren. Ein Radlader kurvt dröhnend zwischen Erdhaufen, aufgeschichteten Felsen und Baumaterial hindurch. Ein Dutzend Arbeiter wuseln geschäftig umher, auf einem Gerüst an der Fassade des Elefantenhauses stehen Handwerker. Eine typische Großbaustelle, das wird noch dauern. Doch Architekt Rasem Baban erkennt die Ordnung im Chaos. „Wir sind auf der Zielgeraden“, sagt der Chef des Tierparks Hellabrunn am Dienstagnachmittag. Und dann überrascht er die Besucher: „Am Freitag kommen die Elefantenkühe auf das Freigelände zurück“, sagt Baban.

Tatsächlich: Das Gehege der Kühe ist aufgeräumt, die Container, die es während der Bauzeit vom Haus trennten, sind verschwunden. Jetzt müssen nur noch ein paar Absperrungen montiert werden, dann können die grauen Riesen, die die letzten Tage in ihrem Behelfsquartier, einer großen Halle, eingesperrt waren, ihr neues altes Haus erstmals wieder direkt begutachten. Zunächst allerdings nur von außen. „Die Eingangstüren werden gesichert“, sagt Baban. Denn Elefanten sind neugierig, und kein Handwerker soll befürchten müssen, dass ihm plötzlich ein Rüssel das Werkzeug aus der Hand nimmt.

"Die Dimensionen sind gigantisch"

Blicke ins Innere will Baban auch den Besuchern nicht gestatten. Seit nunmehr fast sechs Jahren ist das Haus geschlossen, nachdem ein neun Tonnen schweres Deckenstück herabstürzte. Vor zwei Jahren wurde die baufällige Kuppel gesprengt, nun ist das 100 Jahre alte Haus komplett saniert. Wie sich sein Inneres im Licht neuester Erkenntnisse über gute Tierhaltung verändert hat, soll eine Überraschung werden.

Schreiner Johannes Hell hat sich drinnen schon umgesehen. „Die Dimensionen sind gigantisch“, erzählt er. „Man sieht es dem Haus von außen gar nicht an, wie groß es ist.“ Der Plan, den ungenutzten Platz, der früher die Mitte des Rundbaus einnahm, den Elefanten zuzuschlagen, scheint aufgegangen.

Jetzt steht Hell, 39, auf einem Gerüst an der Nordfassade des Hauses. Mit seinen Kollegen montiert er die Holzverkleidung der sogenannten Scheintore, die die Fassade gliedern. Hell hat schon an so manchem ungewöhnlichen Ort gearbeitet. Aber Elefanten? Nein, sagt er lachend, die habe er noch nie als Auftraggeber gehabt. „Das ist schon was Besonderes.“ Vor vier Jahren sei er mit seinen Töchtern in Hellabrunn gewesen, erzählt Hell. „Da standen wir genau dort, wo wir jetzt unser Auto geparkt haben.“

Badeanlage für die Bullen: Ein mächtiger Betontrog

Ab Freitag dürfen sich hier die Elefantenkühe austoben. Rechts die Behelfs-Halle.

Eine ganze Reihe von Firmenfahrzeugen steht dicht an dicht. Maurer und Elektriker, Maler und Spengler, Schreiner und Installateure – wie immer in der Endphase großer Bauprojekte haben alle Gewerke noch zu tun. Vor dem Haus, auf der künftigen Bullenanlage, sind große Nagelfluhfelsen um die alten Bäume geschichtet. „Als natürliche Barriere für die Elefanten“, erläutert Baban. „Die würden die schönen Bäume sonst total zerpflücken. Sie begreifen ja nicht, dass sie sich damit ihre Schattenspender kaputtmachen.“ Um einen Felsenhügel krümmt sich ein mächtiger Betontrog: Die Badeanlage für die Bullen, so tief, dass sogar große Elefanten untertauchen können. Ein Wasserfall soll von den Felsen ins Becken plätschern. Das sei kein zusätzlicher Aufwand, sagt Baban. Eine Pumpe für die Filteranlage gebe es sowieso.

Die Dächer des Elefantenhauses, einst grün gestrichen, glänzen silbrig. Das solle auch so bleiben, sagt Baban, lediglich ein wenig stumpfer werde die Oberfläche wirken, wenn sie Patina ansetzt. Die Glaskuppeln, zuletzt arg trübe geworden, sind transparent, und Farbmuster lassen ahnen, wie die einst in Grün gehaltene Fassade künftig aussehen wird: Von den großen Flächen in einem hellen Erdton sollen sich gestaltende Elemente in Eierschalenfarben abheben. Schon jetzt fällt auf, dass die Krönchen und Verzierungen des Vorbaus, frisch renoviert, viel besser zur Geltung kommen als zuvor. „Ich find’s gut, dass man solche Gebäude erhält“, sagt Schreiner Hell und wendet sich wieder seiner Arbeit zu. Die Zeit drängt. Am 5. Oktober will Baban das Haus feierlich eröffnen.

Baustelle läuft unter erschwerten Bedingungen

Der Bauherr Rasem Baban. 

Die Elefantenkühe sollen schon Anfang August einziehen. Baban zählt auf das berühmte Elefantengedächtnis: Sie werden das eine oder andere sicher wiedererkennen“, sagt er. Noch in diesem Jahr soll dann auch die Bullenanlage fertiggestellt sein. Dann wird Elefantenbulle Gajendra aus dem Hamburger Exil nach Hellabrunn zurückkehren.

Während sich die Arbeiten am Elefantenhaus dem Ende zuneigen, geht es 460 Meter südwestlich in der Polarwelt erst richtig los. Die Baustelle des nördlichen Robbenbeckens, das hier gerade umgebaut wird, ist bis ans Pinguinhaus herangerückt. Wer durch den Bauzaun späht, blickt in die Tiefe. Zwei Meter haben die Bagger schon abgetragen, weitere vier soll es in die Tiefe gehen. Hier entsteht der Filterkeller, der künftig die gesamte Haustechnik der Robbenanlage aufnehmen soll. Bisher, so erläutert Baban, habe man das Wasser regelmäßig ausgetauscht – nicht weil es den Robben zu schmutzig geworden wäre, sondern weil Algen wucherten und die Tiere kaum zu sehen waren. Künftig wird eine Filteranlage das Wasser klar halten. Die Robben schwimmen übrigens nicht in Salzwasser, sondern in Hellabrunner Brunnenwasser. „Für die Robben ist das in Ordnung, und für uns ist es einfacher und billiger“, sagt Baban. „Den Salzbedarf der Tiere regeln wir mit dem Futter.“

Überraschende Probleme mit dem Untergrund haben das Projekt vier bis fünf Monate zurückgeworfen. Doch nun läuft die Baustelle, wenn auch unter erschwerten Bedingungen: Das Baufeld liegt mitten im Besucherbereich. Lkw-Fahrten können wir nur vor 9 und ab 18 Uhr durchführen“, sagt Baban. Sobald das Becken neu gestaltet und die Technik installiert ist, ziehen die Robben um, und das südliche Becken wird aufgelassen. Hier entstehen Gehege für andere Arktis-Bewohner. Danach beginnt der Bau des Mühlendorfes. Hellabrunn wird im Wandel bleiben, im Interesse der Tiere und der Besucher.

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