Tierpark Hellabrunn

Neues Elefantenhaus: Eine Luxus-Suite für die grauen Riesen

Nach sechs Jahren Bauzeit ist das Hellabrunner Elefantenhaus am Freitag wieder eröffnet worden.

München - Nach sechs Jahren Bauzeit ist das Hellabrunner Elefantenhaus am Freitag wieder eröffnet worden.

Als plötzlich Besuchermassen in das Haus strömen, das sie wochenlang für sich allein hatten, wirken Steffi, Panang, Mangala und Temi ein wenig verstört. Doch orientalische Musik aus den Lautsprechern und indische Tänzerinnen in farbenprächtigen Kostümen wecken ihre Neugier: Wie auf Kommando stehen die Elefantendamen plötzlich an der Absperrung ihren Besuchern gegenüber. Die sind nicht minder neugierig: Über Monate konnten Zoobesucher beobachten, wie das fast bis auf die Grundmauern abgetragene Gebäude im neobyzantinischen Stil neu aufgebaut wurde. Doch wie es drinnen aussieht, blieb ein streng gehütetes Geheimnis.

Nun, fast auf den Tag genau sechs Jahre nachdem ein neun Tonnen schweres Trumm der Deckenverkleidung herabstürzte und das Haus geschlossen wurde, zeigt sich: Drinnen ist alles anders. Wer durch den Haupteingang tritt, steht, nur durch eine Scheibe von den Dickhäutern getrennt, vor dem 90 Quadratmeter großen Badebecken. Dahinter sind im Halbrund Boxen und Aufenthaltsflächen für die Tiere angeordnet. Wer zur neuen Empore hinaufsteigt, kann die Elefanten mit mehr Überblick beobachten. Alles ist lichtdurchflutet, denn die neue Kuppel lässt viel mehr Sonne ins Gebäude als die alte. „Auch bei leichter Bewölkung brauchen wir kein Licht“, sagt Tierpark-Chef Rasem Baban.

Wechsel von Sand, Beton und Gummiböden

Ein Wechsel von Sand, Beton und gelenkschonenden Gummiböden, raue Wände, an denen sich die Tiere reiben können, wenn es juckt, kuschelige 20 Grad dank einer Wandheizung: Für 20 Millionen Euro haben die Hellabrunner Elefanten ein Zuhause bekommen, das weltweit seinesgleichen sucht. Dazu gehört eine großzügige Bullenanlage, in die noch vor Jahresende der nach Hamburg ausgelagerte Elefantenbulle Gajendra zurückkehren soll. „Sein Zimmer ist schon eingerichtet“, sagt Baban. Er hofft auf raschen Zuchterfolg, denn immerhin hat Gajendra in seiner Hamburger Zeit zwei Kälber gezeugt. Dass die Kühe und Gajendra sich wiedererkennen werden, davon sind Baban und die Pfleger fest überzeugt.

Eine eigene Bullen-Freianlage im Norden des Gebäudes komplettiert die um 2000 Quadratmeter gewachsene Außenanlage. So weit wie möglich verschwinden die massiven Absperrungen hinter Bambushecken. „Wenn im Frühjahr alles eingewachsen ist, soll der Besucher das Gefühl haben, er steht vor einem kleinen Zaun den Elefanten direkt gegenüber“, sagt Baban. „Elektrogras“ und ein Weidezaun sollen die Elefanten vom Bambus fernhalten, „damit sie hier nicht ihr zweites Frühstück nehmen“, wie Baban erläutert.

Tierdämpfe setzen „Dickhäuterhaus“ zu

Die grauen Riesen haben das Elefantenhaus nun erstmals ganz für sich allein. Als letzte Mitbewohner waren die Giraffen in ihre neue Anlage am Isareingang ausgezogen. Ältere Zoobesucher erinnern sich noch an die Pinselohrschweine und die Flusspferddamen Rosa und Gurbe. Im Lauf der Jahrzehnte waren sogar Tapire, Flusspferde, Seekühe, Affen, Pinguine, Pythons und Krokodile im damals „Dickhäuterhaus“ genannten Gebäude einquartiert – zumindest als Wintergäste, denn der Bau von Emanuel von Seidl aus dem Jahr 1914 war lange Zeit das einzige beheizbare Gebäude des Tierparks.

Doch die Ammoniakdämpfe der tierischen Ausscheidungen setzten der Bausubstanz arg zu: Die 16 Stahlbetonträger der Kuppel wurden marode und mussten gesprengt werden, und danach offenbarten sich immer neue Mängel und Probleme, die Bauzeit und -kosten in die Höhe trieben. Letztlich, so Baban, seien nur noch 30 Prozent der alten Bausubstanz erhalten worden. Doch die exotische Anmutung des in seinen Außenmaßen exakt rekonstruierten Gebäudes ist geblieben, und die Farbgebung in warmen Erdtönen entspricht jener aus der Anfangszeit. Nach wie vor steht das Haus trotz der veränderten Kuppel auf der Denkmalliste.

„Neuer Bereich entspannt erkundet“

Die vier Elefantinnen, so berichtet Pfleger Navin Adami, haben sich rasch im neuen alten Zuhause eingewöhnt. „Einen Teil kannten sie ja von früher schon, und den neuen Bereich haben sie ganz entspannt erkundet.“

„Entspannt“ kann bei Elefanten aber auch zerstörerisch heißen. Der Deckel einer der automatischen Tränken war nicht ganz fest verriegelt und wackelte, berichtet Baban. Das animierte eine der schwergewichtigen Damen zum Spielen. „Die hat die ganze Anlage zerlegt. Wahrscheinlich war es Panang, die ist die Geschickteste und probiert alles aus.“

Nach sechs Jahren fertig: Alles zum neuen Elefantenhaus

Eine Veränderung steht Elefanten, Pflegern und Publikum noch bevor: Das neue Haus ist für den sogenannten „geschützten Kontakt“ ausgelegt. Zwischen Tier und Pfleger soll – auch auf den Außenanlagen – immer eine sichere Absperrung sein. Die beim Publikum beliebten Trainingseinheiten auf dem Freigelände wird es aber weiterhin geben: „Sie werden staunen, was auch ohne direkten Kontakt möglich ist“, verspricht der zoologische Inspektor Robert Müller.

Eröffnungsfest

Am 29. und 30. Oktober feiert der Tierpark Hellabrunn die Wiedereröffnung des Elefantenhauses mit einem großen Besucherprogramm. Indische Tempeltänze und Lesungen, ein Podiumsgespräch mit Tierfilmer Felix Heidinger, eine Fotoausstellung, Filmvorführungen und Attraktionen für Kinder sind geplant.

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