Münchens 477 Dörfer

Die Maxhof-Enklave: Er macht Förster mobil

Thomas Enzner hat die Försterei hinter sich gelassen – er macht nun Kollegen mobil
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Thomas Enzner hat die Försterei hinter sich gelassen – er macht nun Kollegen mobil.

München - Ein Projekt von tz und tz.de zeigt Ihnen, dass München geografisch aus 477 Dörfern besteht - und spannende Geschichten bereit hält. Drauß im Walde spielt der siebte Teil unserer Serie: im Maxhof! Dort wohnt ein ehemaliger Förster.

Die Trends hat er im Blick. Immer, wenn Thomas Enzner (49) die Menschen beobachtet, die auf dem Forstweg an seinem Haus vorbeiziehen. „Vor ein paar Jahren ist hier noch niemand mit Nordic-Walking-Stöcken vorbeigekommen“, sagt Enzner. Mittlerweile hört er häufig das rhythmische Klackern der Stöcke. Und wann ein Lauf-Event bevorsteht, kann er auch genau erkennen. „Immer wenn du tief im Wald Menschen triffst, die schon mehrere Kilometer gejoggt sind, aber nicht ein bisschen schwitzen, dann steht mindestens ein Halbmarathon bevor“, sagt Enzner und lacht.

Der 49-Jährige wohnt an der Maxhofstraße, in einer kleinen Enklave im Forstenrieder Park. Das Haus entstand in den 50er-Jahren und war für die Förster vorgesehen – nun dient es zwei ehemaligen. Enzner lebt seit 1991 im Erdgeschoss, oben drüber wohnt ebenfalls ein ehemaliger Revierleiter.

Thomas Enzner gefällt es ganz gut da draußen – bloß hin und wieder hat er ein Problem mit der Post. „Meist finden der Austräger die Adresse nicht, wenn er neu ist“, sagt der 49-Jährige. Etwas Neues wollte auch er 2006 machen. „Damals hatte ich 15 Jahre im Wald gearbeitet“, sagt er. „Es hat mich interessiert, mal etwas Anderes auszuprobieren.“ Und das tat er, vielmehr noch: Er arbeitete an einem Trend mit.

Denn mit der Neugründung der Bayerischen Staatsforsten (siehe Kasten) hat auch der technologische Fortschritt in den Wäldern Einzug gehalten. „Vorher gab es gar keine Computer. Wir haben da in den ersten zehn Jahren Bayerische Staatsforsten sehr aufgeholt“, sagt Enzner. Förster 2.0!

Jeder Revierleiter ist heute mit einer Art Tablet-PC im Wald unterwegs. Mit einem Programm, an dem Thomas Enzner als Fachverfahrensbetreuer mitgearbeitet hat. Er entwickelt die Software nicht, prüft sie aber, hilft sie zu verbessern und gibt Lehrgänge. Das Programm besteht vorwiegend aus Kartenmaterial und Daten, etwa über Anzahl und Art des Baumbestandes. Eingepflegt werden die Informationen von den jeweiligen Revierleitern. Und der Förster kann dann mittels Programm etwa den Baumeinschlag planen: Wie viel Holz, wann und wo gefällt werden soll. Dazu wählt er das Waldgebiet, Art und Zahl der Bäume und die Arbeiter aus. Waldarbeiter oder Harvester zum Beispiel. Die Daten werden an den Forstbetrieb übermittelt. Dort plant wiederum ein Mitarbeiter die Fällung. Der Förster trägt nach der Arbeit auch ein, wo das gefällte Holz liegt und wie viel es ist. Ähnlich funktioniert das Programm auch mit den Baumpflanzungen.

Und auch ganz wichtig: Das Programm behält natürlich die Informationen, zeigt, wie sich die Waldflächen verändert haben. Das ist hilfreich, wenn beispielsweise ein neuer Förster ein Revier übernimmt. Man könnte sagen: In dem Programm kann er die Trends erkennen.

Staatsforsten in Zahlen

Das Unternehmen Bayerische Staatsforsten (BaySF) wurde am 1. Juli 2005 gegründet. Grund war die vom Bayerischen Ministerrat beschlossenen Forstverwaltungsreform.

Damit sollte die bisherige Einheitsforstverwaltung aufgelöst werden. Das neue Unternehmen bewirtschaftet für den Freistaat Bayern rund 808 000 Hektar, davon 755 000 Hektar Wald. Zur Einschätzung: Ein Hektar entspricht in etwa der Größe eines Fußballfeldes. Damit ist der Forstbetrieb der größte in Deutschland. Rund 2700 Mitarbeiter kümmern sich um den kompletten bayerischen Staatswald. Dieser belegt 11,4 Prozent der gesamten Landesfläche.

Im Geschäftsjahr 2015 wurden 5,42 Millionen Festmeter Holz eingeschlagen. Die Bayerischen Staatsforsten tätigen damit fast zehn Prozent des Gesamteinschlags in den deutschen Wäldern.

Der Holzverkauf trägt mit 368,7 Millionen Euro (Geschäftsjahr 2015) den Löwenanteil zum Gesamtumsatz der Bayerischen Staatsforsten bei. Des Weiteren bewirtschaftet der Betrieb die Staatsjagden in Bayern nach dem Grundsatz „Wald vor Wild“. Im Jagdjahr 2014/15 wurden in der Regiejagd 58 594 Stück Schalenwild erlegt. Die Umsätze im Bereich Jagd und Fischerei betrugen im Geschäftsjahr 2015 6,8 Millionen Euro.

Die Bayerischen Staatsforsten erwirtschaften mithin einen Jahresumsatz von 404,1 und einen Überschuss von 65,5 Millionen Euro.

ska

Sascha Karowski

Sascha Karowski

E-Mail:sascha.karowski@tz.de

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