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Integratives Wohnprojekt in München: So geht es auch

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tz-Reporterin Sabrina Höbel hat sich im integrativen Wohnprojekt umgesehen.

München - Nicht nur gegen- oder neben- sondern miteinander. Im integrativen Wohnprojekt von Condrobs leben Studenten und Flüchtlinge unter einem Dach. Die tz hat die Einrichtung besucht.

In der Kistlerhofstraße in München finden seit September 42 Studenten und 61 junge unbegleitete Flüchtlinge ein Zuhause. Im rechten Teil des Hauses wohnen die angehenden Bachelor und Master, im linken die 16- bis 21-jährigen Flüchtlinge. Von dem Doppelwohnheim profitieren beide Gruppen. Die Flüchtlinge können sich im geschützten Umfeld auf ihre nächsten Schritte im neuen Land konzentrieren: Deutsch lernen, Schulbesuch, Ausbildung. Die Studenten freuen sich über eine bezahlbare Wohnung und können sogar ihren Mietpreis reduzieren, wenn sie Arbeiten mit den Flüchtlingen oder im Haus erledigen. tz-Reporterin Sabrina Höbel hat sich in der WG umgesehen.

Student Christian Klein an der Pforte.

Freundlicher Empfang
„Wie kann ich Ihnen helfen?“ Student Christian Klein (21) hat heute Pfortendienst. Er ist die erste Anlaufstelle im Haus und kümmert sich um die Post. Damit kann er seine Miete jeden Monat um bis zu 450 Euro reduzieren. Ebenfalls im Erdgeschoss: Der Konferenzraum. Tagsüber kann dieser angemietet werden, abends und am Wochenende haben die Bewohner das große Zimmer für sich. „Wir haben hoffentlich bald einen gemütlicheren Gemeinschaftsraum im Keller“, sagt Chefin Melanie Contu. Dafür ist der Verein allerdings auf Spenden angewiesen

Jokob Nürnberger und Dalmar nei der Nachhilfe.

Gemeinsam zum Ziel
Zusammen sind wir stark: Jokob Nürnberger gibt Dalmar (19, Name geändert) Nachhilfe. Das freut nicht nur den jungen Somalier, sondern auch den Studenten, der damit seine Miete verringern kann. Dalmar geht gerade noch zur Berufsschule, später möchte er gerne eine Ausbildung als Mediengestalter machen. „Mir gefällt es hier sehr gut. Alle sind wirklich nett und wir verstehen uns echt super.“ Mit der Sprache gibt es gar keine Probleme, alle sprechen deutsch. Nur eins macht dem 19-jährigen noch zu schaffen. Das nasskalte Wetter in Deutschland. „Es ist wirklich kalt zur Zeit.“

Chefin ist begeistert
So bunt wie dieser Flur in der Kistlerhofstraße, in dem Leiterin Melanie Contu steht, ist auch die Mischung der Bewohner. „Wir haben Jugendliche aus dem Irak, Somalia, Gambia, Senegal und vielen weiteren Orten.“ Obwohl die jungen Flüchtlinge schon einiges durchmachen mussten, sind sie doch vor allem eins: Ganz typische Teenies. „Es wird über Liebe geredet, Mädchen oder wer heute mit dem Putzen dran ist.“ erzählt die Chefin. Das Projekt war ihrer Meinung nach ein voller Erfolg. „Besonders toll war, dass das Studenten und Flüchtlinge sofort von selbst Kontakt aufnahmen.“

Jürgen Mony, Magdalena Mirwal und Esra Islertas in der Küche.

Treffpunkt Küche
Jürgen Mony (22), Magdalena Mirwal (20) und Esra Islertas (18) lassen sich ihren Tee schmecken. Die Küchen, die auch als Gemeinschaftsräume dienen, sind der Dreh- und Angelpunkt im Wohnheim. Hier wird gekocht, geredet und gefeiert. „Neulich hat ein Flüchtling aus Bangladesch sogar für uns alle Essen gemacht“, erzählt ein Bewohner. Bevor die Studenten im Condrobs-Haus einziehen können, müssen sie erstmal eine Bewerbung schreiben. Gute Chancen haben alle, die schon einmal sozial engagiert waren. Bei den Flüchtlingen werden die Bewerber vom Jungendamt vorgeschlagen.

Jakob Nürnberger an seinem Schreibtisch.

Helfen und billig wohnen
Architekturstudent Jakob Nürnberger zeigt uns sein Reich. Den Mietpreis für sein kleines Apartment kann der 25-jährige dank seiner Arbeit im Haus jeden Monat um bis zu 300 Euro runterschrauben. „Ich genieße es hier“, sagt Jakob. Von dem Projekt hat er durch einen Zeitungsartikel erfahren. Dann hat ihn die Neugier gepackt. Es folgte Bewerbung, Besichtigung und schließlich der Einzug. Kontakt zu den Flüchtlingen hat der Student eigentlich dauernd. „Wir treffen uns vor allem in der Küche oder machen zusammen Sport. Und klar, auch das Feiern kommt nicht zu kurz.“

Sabrina Höbel

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