Wasserwacht warnt vor Risiken

Facebook-Event: Sorge wegen Massen-Bootsfahrt auf Isar

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Die Isar als Massen-Event: Ein Veranstalter ruft für das Pfingstwochenende zum Schlauchbootfahren auf. Tausende wollen dabei sein.

München - Es ist ein beunruhigendes Szenario: Hunderte stürmen an einem bestimmten Tag zur Isar und schippern mit Booten in Richtung München. Genau dazu hat eine Event-Agentur via Facebook aufgerufen. Und das ist kein Einzelfall, die Stadt gerät ins Grübeln.

Immer häufiger finden sich im Internet solche Masseneinladungen. Unlängst etwa hatte eine Berliner Firma versucht, an der Isar eine „Full Moon Party“ anzuleiern – nach dem Vorbild der weltberühmten Strandparty auf Koh Phangan in Thailand. Die Stadt schaltete sich ein, der Veranstalter ruderte zurück. Auf Anfrage erklärte der Geschäftsführer der Agentur damals: „Unsere Intention war es nie, an der Isar eine organisierte öffentliche Party stattfinden zu lassen.“ Es sei nur ein Vorschlag gewesen, sich am 21. Mai den Mond anzusehen. Mehr als 6700 Nutzer hatten damals bei Facebook auf den Zusage-Button gedrückt. Doch aus dem kollektiven Monderlebnis am Fluss wurde nichts. Der Veranstalter verlegte das Event schließlich in die Optimolwerke.

Wieder eine Massenveranstaltung via Facebook

Derlei ist längst kein Einzelfall mehr. Aktuell hat die Facebook-Gemeinschaft „Feste und Events in München“ eine andere Massenaktion angeregt: „Schlauchbootfahren auf der Isar“ am 14. Mai. Hinter der Einladung steht ein Münchner, der im Internet eine Veranstaltungsseite betreibt. Garniert wurde der Aufruf für das Pfingstwochenende mit hübschen Bildern und verschiedenen Tour-Vorschlägen: von Wolfratshausen nach München, von Bad Tölz nach Einöd, von Lenggries nach Bad Tölz.

Auch dieses Mal folgte prompt eine große Resonanz: Bis dato haben über 900 Nutzer zugesagt und und fast 10.000 Facebook-Mitglieder auf den „Interessiert“-Button geklickt. Andere reagierten nicht ganz so euphorisch: „Total hirnrissig“, schimpft eine junge Frau in den Kommentaren. „Die Isar ist kein gemütliches Bächlein, sondern an vielen Stellen reißend, mit Strudeln und Stromschnellen.“

Die Wasserwacht warnt vor der Aktion

Auch die Wasserwacht warnt vor Risiken. „Die Isar ist ein Wildfluss“, sagt Daniela Haupt, Ortsgruppen-Chefin der „Wasserwacht München Mitte – Isarrettung“. Der Fluss neige regelmäßig zu Hochwasser. „Das Wasser wird dann braun und schlammig.“ Ein klares Signal: „Bei Hochwasser sollte die Isar gar nicht befahren werden“, rät Haupt. Erst recht nicht ohne Erfahrung und mit Billigbooten aus dem Discounter. Doch auch bei Normalbedingungen gebe es Gefahren, die nicht immer sofort erkennbar seien. In Form von freigespülten Steinen, Unterströmungen und Strudeln. „Boote können kentern oder im Uferbereich unter Bäume gezogen werden. Zudem kann es im Mai abends schnell abkühlen“, warnt Haupt.

Der sicherste Weg sei, sich bei Touren Fluss-Profis mit robusten Schlauchbooten anzuvertrauen, sagt Haupt. Zum Beispiel gebe es geführte Rafting-Touren auf der Isar. Ansonsten sei es ratsam, jemanden mit Erfahrung mit an Bord zu haben, „In jedem Fall sollten immer Sicherheitswesten und Neoprenschuhe getragen werden.“ Bootsfahrten auf der Isar seien ein tolles Erlebnis. „Wenn man die Risiken nicht unterschätzt!“

1400 Zusagen fürs Grillen am Flaucher, 2600 für den Oly-Park

Auf Anfrage des Münchner Merkur teilte der Betreiber der Facebook-Seite mit: „Wir sind bereits in Kontakt mit sämtlichen Umweltbehörden und werden das Event absagen.“ Am vergangenen Sonntag war der Aufruf allerdings immer noch im Netz zu finden – neben weiteren Freizeittipps: Für den 1. Mai lädt „Feste und Events“ zum Beispiel zum „Angrillen am Flaucher“ ein. Über 12.000 sind interessiert, fast 1400 haben zugesagt. Oder zum „Full Moon Picknick im Olympiapark“ am 21. Mai (über 26.000 Interessierte, über 2600 Zusagen).

Die Stadt prüft kritisch - wenn sie es mitbekommt

Doch schon ohne Einladungen via Netz werden Freizeitaktivitäten am Flaucher und in Grünanlagen zunehmend zum Problem. Grillrauch, Gestank, Krach und Müllberge sorgen für Ärger. Auch die Stadt nimmt solche Facebook-Aktionen inzwischen genau unter die Lupe. Vorausgesetzt, sie erfährt davon. „Bekommen wir einen Hinweis, nehmen wir Kontakt zum Veranstalter auf und prüfen, was geplant ist“, sagt Daniela Schlegel, Sprecherin des Kreisverwaltungsreferats (KVR). Mehrere Fragen müssten dann vom KVR abgeklärt werden. Zum Beispiel der Sicherheitsaspekt, ob eine Organisation hinter der Einladung steckt – und ob eine kommerzielle Absicht verfolgt werde. Erst dann kann auch die Polizei einschreiten. Bei der inzwischen verlegten „Full Moon Party“ am Flaucher war die Sache schnell klar: „Das war im Landschaftsschutzgebiet so nicht genehmigungsfähig“, sagt Schlegel.

Brigitta Wenninger

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