Aktivist vor Gericht

Tierschützer demonstrieren für seinen Freispruch

Friedrich Mülln
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Friedrich Mülln am Mittwoch auf der Anklagebank. Rund 60 Tierschützer demonstrierten vor dem Strafjustizzentrum für einen Freispruch (r.).

München - Verurteilt die Tierquäler, nicht die Tierschützer! Rund 60 Menschen haben am Mittwoch für einen Freispruch für den Journalisten und Tierschutz-Aktivisten Friedrich Mülln (34) demonstriert.

Dieser hatte einen Strafbefehl über 3500 Euro erhalten, weil er heimlich aufgenommenes Videomaterial „über die tierquälerische Gewinnung von Bettfedern und Daunen“ (so die Anklage) in TV-Beiträgen verwendet hatte. Am Mittwoch war die Verhandlung vor Gericht.

Friedrich Mülln mit Gans Houdini.

Zielobjekt von Müllns „Soko Tierschutz“ war eine Münchner Firma: Handelt das Unternehmen mit Federn von lebend gerupften Gänsen aus Ungarn und Polen? In diesen Ländern hatten Mülln und seine Freunde schreckliche Bilder gedreht, wie Arbeiter die Tiere brutal am Hals packen und ihnen die Brustfedern ausreißen. Nach dieser Tortur läuft den Tieren das Blut herunter.

Die Forderung der Tierschützer: „Stoppt die blutige Ernte!“ Mastgänse, die gewöhnlich als Weihnachtsbraten enden, so Mülln, werden dreimal in ihrem kurzen Leben gerupft. „Muttergänse müssen das rund zehnmal über sich ergehen lassen.“

Mülln dokumentierte die brutalen Methoden, wie lebende Gänse in Ungarn und Polen gerupft werden.

Weil in den Produktionsländern nicht dagegen eingeschritten wird, bleibt den Tierschützern nur der Weg, den Handel anzuprangern. Bei dem Münchner Unternehmen lieferte ein Informant Müllns einen Hinweis dafür, dass auch hier mit Federn aus Lebend-rupf gehandelt wird. Die ausgespähten Mitarbeiter erstatteten allerdings Strafanzeige.

Wegen „Verletzung der Vertraulichkeit des Wortes“ klagte die Staatsanwaltschaft Mülln an. „Es geht uns um die Pressefreiheit“, so Mülln vor dem Prozess. „Wenn ich verurteilt werde, kann es jeden investigativ tätigen Journalisten treffen.“

Solche Kampfeslust war bei Richter Alexander Metz nicht nötig. „Ich persönlich begrüße Ihre Arbeit für den Tierschutz“, sagte Metz. Er habe sich die Reportage angeschaut und sei über die Qualen der Gänse entsetzt gewesen. Metz weiter: „Es bedarf Menschen wie Sie, die sich für die Tiere einsetzen.“

Freisprechen wollte Metz den Angeklagten allerdings nicht. Das Gesetz verbiete es eben, dass das nichtöffentlich gesprochene Wort öffentlich gemacht werde. Er regte eine Einstellung des Verfahrens gegen eine Geldauflage an: 1500 Euro für das Münchner Tierheim. Mülln stimmte nach Rücksprache mit seinem Anwalt zu. Richter Metz zum Abschied: „Setzen Sie sich weiter für den Tierschutz ein!“ Müllns Freunde legen jetzt für die Geldauflage zusammen.

Eberhard Unfried

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