Schlamperei bei Schweißnähten

Tram-Drama: Alle 13-Vario-Bahnen aus dem Verkehr gezogen

+
MVG-Chef Herbert König und der Berliner Stalder-Rail-Chef Michael Daum.

München - Als hätten die Münchner und ihre Verkehrsgesellschaft MVG nicht schon genug Kummer gehabt mit der Variobahn: Alle 13 Züge des Berliner Herstellers Stadler Rail wurden ins Depot zurückgerufen. 

Grund: Wichtige Schweißnähte wurden nicht ordnungsgemäß durchgeführt. Dabei hatte es schon Ärger mit der Zulassung gegeben und einen Serienschaden an den Rädern. Immer Drama um die Trambahn!

Kurz vor Weihnachten hatten die Wartungsarbeiter in der Tramwerkstätte an sieben Zügen der 2009 ausgelieferten Variobahn Risse an Schweißnähten zwischen Fahrwerk und Wagenkasten festgestellt.

Kein lebensgefährlicher Defekt, aber so können die Fahrzeuge nicht weiterfahren. Die Züge wurden aus dem Fahrdienst genommen. „Nach den Feiertagen wurde bei Untersuchungen durch die Herstellerfirma festgestellt, dass auch die Schweißnähte der übrigen sechs Variobahnen nicht ordnungsgemäß ausgeführt waren“, so MVG-Sprecher Matthias Korte zur tz.

Auf der Tram-Linie 28 fahren jetzt Ersatzbusse.

Korte weiter: „Diese Schweißnähte müssen nach den Konstruktionsunterlagen des Herstellers von beiden Seiten erfolgen,doch tatsächlich waren sie nur von einer Seite durchgeführt worden.“ Nach der Reklamation an den Hersteller schickte dieser ein Fachunternehmen in die Tramwerkstatt der MVG, um diese Schweißnähte jetzt nachträglich anzubringen. Wann die Züge wieder einsatzfähig sind, vermag MVG-Sprecher Korte noch nicht vorherzusagen. „Das kann für jedes Fahrzeug einige Tage dauern.“ Die Folge bekommen die Münchner auf der Linie 28 zwischen Scheidplatz und Sendlinger Tor zu spüren: Dort verkehren nun montags bis freitags Busse statt Trambahnen zwischen Scheidplatz und Stachus. Das Sendlinger Tor können die Busse mangels Wendemöglichkeit nicht anfahren.

Eine unendliche Pannenserie

Fahrgäste monierten im tz-Test in der Variobahn Schwellen am Boden und schmale Gänge sowie eine zu steile Rollstuhlrampe.

Als im März 2009 die erste Variobahn an die MVG ausgeliefert wurde, gab es eine große Fete im Tramdepot, während vor der Türe Streikposten der Gewerkschaft standen. Kam man damals schnell zu einem Tarifabschluss, war der Variobahn weiter zum Streiken zumute: Im Dezember 2009 durfte die Bahn per Ausnahmegenehmigung aufs Gleis, drei Wochen später blieb sie liegen und musste abgeschleppt werden. Die Regierung von Oberbayern zog die Variobahn im Juli 2010 aus dem Verkehr. Es dauerte bis Dezember 2011, bis die Regierung die Zulassung erteilte. 13 Bahnen hatte die MVG bei Stadler Rail bestellt, der Stückpreis: 2,9 Millionen Euro.

MVG-Chef Herbert König und der Berliner Stalder-Rail-Chef Michael Daum.

Im März 2012 mussten die Variobahnen schon wieder außer Betrieb genommen werden. Dieses Mal war ein Serienschaden an den Gummidämpfern in den Rädern schuld, es hatte Risse gegeben. Im Juni 2012 waren nur drei von 13 Zügen einsatzbereit. Ende 2012 waren alle Räder repariert. Die Option auf weitere Bestellungen nahm MVG-Chef Herbert König nicht wahr, man schaffte ein neues Modell an, das Avenio-Modell von Siemens. Hier dauerte die Zulassung eineinhalb Jahre. Mit der seit September 2014 fahrenden Avenio sind die MVG glücklich.

Johannes Welte

Johannes Welte

Johannes Welte

E-Mail:Johannes.Welte@tz.de

auch interessant

Meistgelesen

Nach Pinkel-Eklat: Standlbesitzer brutal verprügelt
Nach Pinkel-Eklat: Standlbesitzer brutal verprügelt
S-Bahn-Chaos am Freitagabend: Das war los
S-Bahn-Chaos am Freitagabend: Das war los

Kommentare