Die häufigsten Maschen

Trickbetrüger: Wie Gauner vorgehen und wie man sich schützen kann

+
Professionelle Trickbetrüger zocken immer wieder ältere Menschen ab.

München - Professionelle Trickbetrüger zocken immer wieder ältere Menschen ab. Die Kriminellen erbeuten jährlich mehrere 100.000 Euro. Die gängigsten Betrugsmaschen im Überblick.

Das Ziel der Betrüger

Betrüger schaffen es mit ihren Maschen häufig, ältere Menschen um ihr Erspartes zu bringen. Mehrere 100.000 Euro erbeuten die Täter jedes Jahr. „Die Betrüger erfinden irgendwelche Geschichten. Der Phantasie sind da keine Grenzen gesetzt“, berichtet Konrad Raab, seit Dezember Leiter des Kommissariats für Trick- und Taschendiebstahl. „Ziel ist es immer, mit der Geschichte in die Wohnung zu kommen und zu stehlen“, sagt Raab. Manchmal sorgen die Kriminellen im Vorfeld dafür, dass auch Geld im Haus ist, wenn sie zuschlagen wollen. Damit es sich lohnt.

Der Rentnerin Hildegard G. ist genau das passiert. Hier erzählt sie ihre Geschichte.

Die Grundmuster der Täter

Es gibt Täter, die eine Notlage vortäuschen. Sie geben zum Beispiel vor, hungernde Kinder oder einen kranken Partner zu Hause zu haben. Eine weitere Masche ist, dass Betrüger eine offizielle Funktion vortäuschen. Als angebliche Handwerker von den Elektrizitäts-, Gas- oder Wasserwerken, von der Hausverwaltung, als Polizeibeamte oder Mitarbeiter des Sozialamtes verschaffen sie sich Zutritt zur Wohnung. Zudem gibt es Täter, die eine persönliche Verbindung zum Opfer schaffen. Bekannt ist dabei der sogenannte klassische Enkeltrick. Manchmal geben Betrüger auch vor, sie würden Geld für wohltätige Zwecke, zum Beispiel Flüchtlinge, sammeln. Gerne werden auch Aushänge der Hausverwaltung genutzt, auf die die Täter eingehen. Bekannt ist auch der Glas- Wasser-Trick. Dabei täuschen häufig Frauen eine Schwangerschaft oder Übelkeit vor und bitten um ein Glas Wasser. Mit dem Papier-Bleistift-Trick wollen die Täter für einen angeblich nicht angetroffenen Nachbarn eine Nachricht hinterlassen. Sie bitten um Stift und Papier und wollen eine Schreibunterlage in der Wohnung. Da Betrüger erfinderisch sind, können sich die Maschen schnell ändern.

Falsche Telekom-Mitarbeiter

Zuletzt gab es in München einige Fälle, bei denen falsche Telekom-Mitarbeiter Senioren prellten. Die Betrüger, die als Techniker auftreten, zielen auf den Verlust eines Komforts, den jeder täglich nutzt. Die Täter geben vor, jetzt sofort eine technische Störung beheben zu müssen, da andernfalls Telefon, Fernseher oder Strom ausfallen würden. Aus Angst, dass sie ohne Telefon oder Strom dastehen, lassen ältere Menschen die Betrüger agieren. Bei drei Fällen erbeuteten die Täter zuletzt Geld und Schmuck im Wert von mehr als 300.000 Euro.

Falsche Wasserwerker

Würde man eine Hitliste der am häufigsten versuchten Betrugsmaschen erstellen, stünde der „Falsche Wasserwerker“ auf Platz 1. „In der Regel klingelt einer der Täter an der Tür und sagt, ein Bagger habe auf einer Baustelle einen Schaden verursacht oder jemand habe eine Windel durchs Klo gespült und ein Rohr verstopft“, sagt Raab. Forsch überrumpeln die Täter ihre meist älteren Opfer an der Tür, drängen sie in die Wohnung und gehen hinterher. Dann bitten die Betrüger die Senioren, ins Bad zu gehen und die Brause aufzudrehen. „Das Festhalten lassen hat zwei Vorteile: Es macht Lärm und das Opfer kommt nicht weg“, so Raab. Ziel des ersten Täters ist es, die Tür einen Spalt breit offen zu lassen, damit ein zweiter unbemerkt herein kann. Dieser durchsucht dann die Räume nach Geld und Wertgegenständen. Mit allem, was sie schnell und unbemerkt greifen können, verschwinden die Täter.

Der klassische Enkeltrick

Beim Enkeltrick kündigen Betrüger ihren Besuch oder den eines Bekannten meist telefonisch an. Mit der Floskel „Rate mal, wer dran ist?“ bringen die Täter Senioren oft selbst dazu, den Namen eines nahen Verwandten zu nennen. Die Kriminellen erzählen von einem akuten Geldbedarf und bauen so lange emotionalen Druck auf, bis die älteren Menschen bereit sind, einem Komplizen des vermeintlichen Enkels Geld zu übergeben oder eine hohe Summe auf ein Konto zu überweisen. Der Enkeltrick wird bei der Münchner Polizei von einer eigenen Kripo-Dienststelle bearbeitet.

Wer die Täter sind

In der Regel treten die Täter mindestens zu zweit oder zu dritt auf. Sie sind häufig männlich und zwischen 20 und 40 Jahre alt. Sie haben oft selbst gebastelte Ausweise dabei. Sie suchen sich ihre Opfer im ganzen Bundesgebiet. Häufig beobachten sie ältere Menschen auf der Straße und schauen, wo sie wohnen oder sprechen sie direkt auf der Straße an. Die Betrüger gehen auch Telefonbücher durch auf der Suche nach Namen, die auf ein höheres Alter schließen lassen. In der Regel begehen die Täter keinen Raub, wenden also keine Gewalt an.

Warum ältere Menschen?

Senioren sind für professionelle Betrüger leichte Opfer. Sie sind meist freundlich und können aufgrund des Alters oder einer Krankheit weniger energisch auftreten und sind leichter zu überrumpeln. Ältere Menschen sind, gerade wenn vermeintliche Verwandte anrufen, oft bereit, ihr letztes Hemd zu geben.

So reagiert man richtig

Raab rät, prinzipiell keine Fremden in die Wohnung zu lassen und misstrauisch zu sein. Steht ein Unbekannter vor der Tür, sollten die Angaben, die er macht, überprüft werden. „Es empfiehlt sich, dem Gegenüber zu sagen, dass man jetzt erst eine Vertrauensperson anrufen will.“ Zudem sollte die Tür stets nur mit vorgelegter Sicherheitskette einen Spalt geöffnet werden. „Wenn dubiose Menschen an der Tür standen und aus irgendwelchen Gründen vom ausgespähten Opfer ablassen, bitten wir darum, auf jeden Fall trotzdem die Polizei zu rufen“, appelliert Raab. Denn die Ermittlungen seien oft schwierig, die Taten würden selten aufgeklärt. Jeder Hinweis sei wichtig. Im Zweifel rät die Polizei, immer die 110 zu wählen. Auch bei Verdächtigen im Haus sollte besser einmal zu viel als einmal zu wenig Alarm geschlagen werden. „Die Sozialkontrolle im eigenen Umfeld ist enorm wichtig", betont Raab.

Stefanie Wegele

Stefanie Wegele

E-Mail:stefanie.wegele@merkur.de

Google+

auch interessant

Meistgelesen

Geheimplan gegen Bettler: Kameras in der Innenstadt
Geheimplan gegen Bettler: Kameras in der Innenstadt
Darum lässt Sport Schuster zwei Gebäude niederreißen
Darum lässt Sport Schuster zwei Gebäude niederreißen
Starkoch Schweiger macht Schluss: Jetzt ist der Ofen aus
Starkoch Schweiger macht Schluss: Jetzt ist der Ofen aus
Diskriminierung? Senioren drohen MVV mit Klage
Diskriminierung? Senioren drohen MVV mit Klage

Kommentare