Video vom Viktualienmarkt

So reagierte der Münchner Fasching auf das Zugunglück

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Umringt von den verkleideten Marktfrauen feiert Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter auf dem Viktualienmarkt.

München – Die Faschingsgaudi rund um den Marienplatz und den Viktualienmarkt fand trotz des schweren Zugunglücks von Bad Aibling  statt. Die tragische Nachricht hatte natürlich viele Besucher schockiert.

Zu unserem aktuellen Live-Ticker nach dem Zugunglück von Bad Aibling geht es hier. Lesen Sie hier die Ereignisse vom Aschermittwoch nach dem Zugunglück von Bad Aibling nach.

Beim traditionellen Tanz der Marktweiber am Faschingsdienstag auf dem Viktualienmarkt herrschte ausgelassene Stimmung. "Es darf geschunkelt werden!", tönte es von der Bühne. Die Menge dort und um den Marienplatz feierte kräftig mit. Von gedämpfter Stimmung angesichts des schlimmen Zugunglücks bei Bad Aibling mit mehreren Toten war nichts zu spüren. Die Veranstalter hatten sich offensichtlich dagegen entschlossen, das Thema aufzugreifen. Dennoch beschäftigte das Thema die Menschen.

Ein älteres Ehepaar aus Maisach steht auf dem Viktualienmarkt bei einem Gläschen Sekt beisammen und sieht dem Tanz der Marktweiber zu. Die beiden haben eben erst von dem Unglück in Bad Aibling erfahren, bei dem mindestens neun Menschen ums Leben kamen. "So etwas kommt nie zur rechten Zeit", zeigt sich die Frau erschüttert. Den Sekt lassen sich die beiden trotzdem schmecken, danach geht es mit der S-Bahn wieder nach Hause. "Hoffentlich passiert da nichts." Etwas verwundert zeigt sich das Paar darüber, dass es von Veranstalterseite keine Durchsage oder Reaktion auf das Zugunglück gab.

Stefan aus München feiert schon mehrere Stunden im Zebrakostüm vor der Bühne auf dem Viktualienmarkt. Er findet es gut, dass die Faschingsgaudi in München ihren üblichen Lauf nimmt. Er fühlt mit den Opfern und deren Angehörigen.  Eine Schweigeminute hält  er aber für keine gute Idee. "Das würde nur die Stimmung verderben", sagt er. "Klar ist das schlimm, auch weil es in Deutschland passiert ist, aber in Syrien herrscht Krieg und es sterben jeden Tag Menschen."

Nahe dem Unglücksort fallen viele Veranstaltungen aus

In der Region Bad Aibling und Rosenheim waren viele Faschingsfeiern abgesagt worden. Zu nah ist die Katastrophe, zu unmittelbar die Eindrücke des Unglücks. Doch auch bei den Feiernden auf dem Viktualienmarkt hatte sich die schlimme Nachricht unter den meisten Besuchern herumgesprochen.

"Als ich es heute beim Schminken im Radio gehört habe, war es schon ein Schock", erzählte ein als Drag-Queen verkleideter junger Mann. "Wir denken auch an die Opfer, von denen bestimmt einige auf dem Weg nach München waren", schlossen sich seine Freunde an. Feiern wollten sie heute trotzdem, zu Hause zu bleiben mache die Sache schließlich auch nicht besser.

Das fanden auch Andrea, Konstanze und Michaela aus Icking bei Wolfratshausen, die als Marienkäfer verkleidet in der Menge standen. "Auf dem Weg hierher haben wir schon darüber nachgedacht, an die Angehörigen und die Schaffner", sagten sie. "Aber hier kann man es ganz gut ausblenden."

Bilder & Video vom Fasching in München: Die Marktweiber tanzen wieder

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