Roboter als Diener des Menschen

Automatica in Riem: Das gibt's auf der Roboter-Messe

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Künstlicher Arm: Jaco heißt der Roboter, der behinderten Menschen das Leben leichter macht.

München - Roboter machen Arbeitsplätze nicht überflüssig, sondern sicherer – mit dieser Botschaft hat am Dienstag die Messe Automatica begonnen. Hersteller aus aller Welt zeigen bis zum 24. Juni, wie Roboter Leben und Arbeitswelt einfacher machen können.

Die Bohrmaschine fest im Griff: Roboter David ist der unverletzbare Kollege für die gefährlichen Aufgaben.

Jaco kann Wasser aus einer Flasche in ein Glas schütten, er kann Gegenstände vom Boden aufheben, einen Kühlschrank öffnen, den Hund füttern oder seinen Besitzer am Rücken kratzen. Jaco ist ein Roboterarm für körperlich eingeschränkte Menschen und wird am Elektrorollstuhl montiert. Mittels Joystick werde der Roboter bedient, sagt Marie-Christine Cloutier vom kanadischen Hersteller Kinova und zeigt, wie das Stück funktioniert. Mit wenigen Handbewegungen führt sie mit dem Greifarm einen Becher an den Mund und trinkt.

Jaco ist nur eines von schier unzähligen Produkten, die auf der Automatica zu sehen sind. 839 Aussteller aus 47 Nationen, darunter allein 20 Teilnehmer aus China, präsentieren ihre Neuheiten. Die Veranstalter erwarten mehr als 35.000 Besucher.

12,2 Milliarden Euro setzte die Branche 2015 mit Robotik und Automation um. Für dieses Jahr rechnet Patrick Schwarzkopf, Geschäftsführer beim Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA), mit einem Anstieg um weitere zwei Prozent. Schon heute seien in der deutschen Wirtschaft etwa 1,7 Millionen Roboter-Kollegen im Einsatz. „Bis 2018 sollen es 2,3 Millionen sein.“

Multitalent: Der Kawasaki-Schwerlastroboter kann eine Tonne heben, aber auch präzise fräsen oder schweißen.

Wie nah die Nachbildung dem Original inzwischen kommt, zeigt das Deutsche Luft- und Raumfahrtzentrum (DLR). Die Ingenieure entwickeln einen menschenähnlichen Roboter namens David, der in der Lage sein wird, „Dinge zu machen, die der Mensch auch machen kann – und das ohne spezielle Geräte“. Man könne David einfach eine Bohrmaschine aus dem Baumarkt in die Hand drücken, erklärt Softwareentwickler Martin Pfanne. Arme, Hände und Hals hat David schon. Die Gelenke seien besonders flexibel und robust. Zurzeit arbeiten die Forscher an Beinen und Oberkörper. Menschen soll Roboter David nicht ersetzen, sagt Pfanne. „Aber er kann für sie Aufgaben übernehmen, die gefährlich sind.“ So ließen sich Unfälle vermeiden.

Mit Arbeitssicherheit befasst sich auch das Fraunhofer Institut IFF. Die Forscher haben eine optische Arbeitsraum-Überwachung entwickelt, die die Zusammenarbeit von Mensch und Roboter sicherer machen soll. Die spezielle Projektor- und Kameratechnik mache es möglich, Arbeitsabläufe zu überwachen, sagt Christian Vogel. Gerät der Arbeiter zu nahe an den Roboter, bleibt dieser automatisch stehen.

Der VDMA sieht in der steigenden Zahl von Robotern in der Industrie keinen Nachteil. Vielmehr steige auch die Zahl der Arbeitsplätze an, sagte Schwarzkopf. Der Export floriere, größter Markt sei hierbei China. Der chinesische Konzern Midea ist es auch, der mit einer spektakulären Übernahmeofferte für den Augsburger Roboterhersteller Kuka für Aufsehen in der Branche sorgt.

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