Unmodern und nicht barrierefrei

S-Bahnhof Riem wird komplett abgerissen

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Ein trister Anblick: Der S-Bahnhof Riem entspricht nicht den heutigen Anforderungen – für Frühjahr 2018 ist ein großer Umbau geplant.

München - Der S-Bahnhof Riem zählt täglich rund 8000 Reisende – den modernen Anforderungen entspricht er jedoch längst nicht mehr. Voraussichtlich ab Frühjahr 2018 soll er grundlegend umgebaut werden.

Der S-Bahnhof Riem wird voraussichtlich ab Frühjahr 2018 barrierefrei umgebaut. Dazu müssen allerdings die Bauwerke, bis auf die Unterführung, komplett abgerissen und neu gebaut werden. Das erklärte der Münchner Bahnhofsmanager Heiko Hamann bei einer Informationsveranstaltung des CSU-Landtagsabgeordneten Markus Blume in Riem.

Derzeit entspricht der S-Bahn-Halt zwischen Riem und dem Gewerbegebiet Dornach (Gemeinde Aschheim) ganz und gar nicht den modernen Anforderungen. Obwohl er mit rund 8000 Reisenden täglich zu den hochfrequentierten Bahnhöfen gehört. Die Ausstattung stammt noch aus den Olympia-Zeiten von 1972. Die Bahnsteige liegen rund 20 Zentimeter unter der geforderten barrierefreien Einsteighöhe, die Fußgänger-Unterführung hat nur Treppen.

Doch so sehr sich die S-Bahnnutzer einen Umbau wünschten, wegen der geplanten Ausbaustrecke München–Mühldorf–Freilassing wurde Riem nicht ins barrierefreie Bahnhofsbauprogramm gehievt. Jetzt wurde diese Abhängigkeit aufgelöst. Ebenfalls vom Tisch: Die Beschränkung der Bahnsteigbreite wegen des durchlaufenden Güterverkehrs.

Daher will die Bahn nun Außen- und Mittelbahnsteig abreißen und neu bauen. Deutlich breiter und höher als bislang. Die S-Bahn-Nutzer dürfen sich dann auf niveaugleiches Einsteigen in die Züge freuen. Zwei Aufzüge – am Mittelbahnsteig und am Zugang Leibengerstraße in Riem – sorgen für Barrierefreiheit. Auf der Dornacher Seite wird es eine lange Rampe als Zugang zur Fußgängerunterführung geben. Geplant sind neben der Teilsanierung der Unterführung auch ein neues Blindenleitsystem, neue Beleuchtung, Beschallung und Bahnsteigmöblierung. Außerdem soll es mehr und längere Wetterschutzanlagen geben. So wird das Bahnsteigdach in der Mitte fast verdoppelt.

Der Umbau werde „unter rollendem Rad“ passieren, so Hamann. Eine Sperrung der Strecke für ein halbes Jahr und einen Busersatzverkehr habe die S-Bahn abgelehnt; hier seien morgens und abends zu viele Menschen unterwegs. Güter- und Regionalverkehr kommen noch dazu. Deshalb wird die Bahn in Riem einen Behelfsbahnsteig an Gleis vier bauen. Trotzdem wird es immer wieder Haltestellen- und Streckensperrungen an Wochenenden, Feier- und Ferientagen geben.

Entlang der Linie S2 nach Erding werden neben Riem auch die Bahnhöfe Heimstetten, Feldkirchen, Poing und Markt Schwaben umgebaut. Vorausgesetzt das Planfeststellungsverfahren läuft reibungslos, soll im Frühjahr 2018 Baubeginn sein, die Bahn rechnet mit einem Jahr Bauzeit und Baukosten über etwa fünf Millionen Euro. Für Wege Richtung Bahnhof vom Dornacher Gewerbegebiet, sowie von Rennbahn und Reitstadion in Riem sei die Bahn nicht verantwortlich, machte Hamann auf Bürgernachfragen deutlich.

Die Riemer nutzten die Veranstaltung auch zu Protesten gegen geplante Flüchtlingsunterkünfte beidseits des Bahnhofs. Ihnen sei mit der Sozialsiedlung an der Widmannstraße, der geplanten Unterkunft in der ehemaligen Autobahnmeisterei an der Riemer Straße sowie den 450 Flüchtlingen in der Nachbargemeinde Dornach schon genug aufgehalst. „Die Lasten müssen gleich verteilt werden, im kleinen Alt-Riem darf es keine Ballung geben“, so ein Sprecher der örtlichen Bürgerinitiative. Man finde anderswo sicher noch Platz, „Trudering und Ramersdorf haben noch nicht sehr viel“. Besonders in der Kritik: der Standort an der Leibengerstraße. „Genau im Stadtzentrum von Alt-Riem vor der nagelneuen Grundschule, einen schlimmeren Standort gibt es in ganz München nur noch auf dem Marienplatz!“

Carmen Ick-Dietl

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