Neuer Standort für Station der Lebensretter

Wasserwacht-Posse am Riemer See

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Am 7. Juli ertranken zwei Menschen im tiefen Wasser nahe der Seebrücke.

München - Um die Sicherheit am Riemer See langfristig zu verbessern, muss die Wasserwacht-Station dort verlegt werden – darüber gibt es eigentlich keine Zweifel. Die Frage ist nur: Wer ist dafür zuständig?

Von der derzeitigen Wasserwacht-Station ist ein teil des Sees überhaupt nicht einsehbar. Mehrere andere Wunsch-Standorte werden von den rettern diskutiert.

In der Stadtverwaltung schiebt man das Thema momentan gerade hin und her. Die Lebensretter sind von diesem Hickhack reichlich genervt. Derzeit kann die Wasserwacht von der Rettungsstation fast die Hälfte des Riemer Badesees nicht einsehen. Nur der Blick auf den flachen Kies-Badestrand ist von hier aus optimal. Denn das Gebäude steht an der ungünstigsten Stelle am äußersten östlichen See-Ende. In Richtung Westen knickt das bis zu 18 Meter tiefe Gewässer jedoch zweimal ab. Somit reicht der Blick weder zur Seepromenade noch zur Seebrücke, wo im vergangenen Sommer binnen eines Tages zwei Menschen ertrunken sind. Es herrscht also dringender Handlungsbedarf, um den Schutz der Badegäste zu gewährleisten, das wurde bei einem Ortstermin mit Gartenbaureferat, Stadtteilpolitikern, Polizei und den Verantwortlichen der Wasserwacht im vergangenen Herbst überdeutlich. Die Station braucht eine bessere Platzierung an anderer Stelle des Sees, so das eindeutige Fazit.

Doch wer ist dafür verantwortlich? Der Bezirksausschuss Trudering-Riem (BA 15) hat einen entsprechenden Antrag zur Verlegung gestellt. Jetzt kam die Antwort vom Planungsreferat: „Zuständig für die Sicherheit des Badesees bzw. für ein diesbezügliches Maßnahmenkonzept einschließlich der Erforderlichkeit eines neuen Gebäudes ist das Baureferat.“

Die Sprecherin des Baureferats, Dagmar Rümenapf, erklärt auf Nachfrage jedoch, dass der jetzige Standort des Wasserwachtgebäudes am Riemer See seinerzeit vom Planungsreferat festgesetzt wurde. Mit Blick auf den Badestrand sowie die Nachmittags- und Abendsonne sei dieser Platz damals als der geeignetste eingestuft worden. „Vor diesem Hintergrund ist das Baureferat nicht in der Lage, einen alternativen Standort zu begründen.“ Stattdessen müsste erst vom Planungsreferat geprüft werden, „ob konzeptionell ein neuer Standort sinnvoll ist“. Bei der Standortauswahl könne das Baureferat dann „unterstützend mitwirken“.

Zurück beim Planungsreferat heißt es: „Bei Vorliegen einer entsprechenden Konzeption ist das Referat gerne zur Zusammenarbeit bei der Standortsuche bereit.“ Vom Antragsteller müsste aber erstmal plausibel dargelegt werden, „dass ein neues Wasserwacht-Gebäude für das Sicherheitskonzept des Badesees tatsächlich erforderlich ist“. Nur wer stellt den Antrag denn nun? Laut Baureferat braucht es erstmal eine planerische Grundsatzentscheidung für eine Befreiung oder Teiländerung des Bebauungsplans. Erst danach könne man ein neues Gebäude projektieren.

Bei der Wasserwacht ist man über dieses Hickhack entsetzt. Der technische Leiter der Riemer Station, Uwe Wagner, vermutet die Kosten als Auslöser. Trotzdem würde er sich wünschen, „dass mal einer in die Pötte kommt und endlich was passiert“. Am 1. Mai beginnt die neue Badesaison am Riemer See. Wagner sieht ihr mit Bedenken entgegen. Speziell die neuen Flüchtlingsunterkünfte nahe der Messestadt brächten neue Menschen an den See, von denen viele Nichtschwimmer seien. „Da werden wir uns auf einige Notfälle mehr einstellen müssen.“

Carmen Ick-Dietl

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