Er ko bairische Weadda erklärn

Da Anthony is da britische Bayer

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Professor Anthony Rowley (62) arwad an am Biachl fia Bairisch. Im Fernsehn und in seim Buach „Host mi“ erglärt er an Ursprung vo de bairischn Weadda.

Minga - Do legsd di nieda: Da englische Professor Anthony Rowley ko bairische Weadda erklärn.

Noch seim Reisepass is er a Englända, vom Herzn awa a Bayer: da Rowley Anthony (62), a echdda Dialektexperte. Seit 1988 arwad da Professor mit vier Kollegn an da Bayerischen Akademie der Wissenschaften an am Weaddabuach fia Bairisch. Seid 1989 is er Professor fia Germanistik an da Uni Minga. Im Bayerischen Fernsehn erklärd er uns bei Wir in Bayern oiwei a bairischs Weaddal. Mia vo da tz ham a bissl mid eahm gratscht. Und er sogd, woher ­Laggl, Schlawuzi und Banzn kemman:

Griaß Eahna, Herr Rowley, wann ham Sie ois Englända Eahnane Liebe zu Bayern entdeckt?

da Rowley Anthony: Scho in da Schui hod mi Deitsch ois Sprach fasziniert, des hob i dann aa in England studiad. Und 1973 bin i fiara Auslandssemesta noch Rengschbuach. Zerschd hob i ned vui vastandn. Awa nochara Zeit hods ma narrisch gfoin, manche Freind vo domois hob i heid no. Und spaada homs mi bei da Bayerischen Akademie der Wissenschaften z Minga gnumma. De hom se woi denkt: Hauptsach, koa Preiß!

Bei was fiar am Buachstam san Sie do jetz scho in Eahnam Weaddabuach?

Rowley: Beim D, da kheat s T dazua, i schreib grod „dan“ wie „danher“, des bedait do nah herbei.

Des san dann 27 Joah fia vier Buachstam?

Rowley: Mia ham ja a scho a boa hundattausnd Weadda gsammed! Zwoarahoib Bände san ferddig.

Und wann soi des ganze Buach ferddig wean?

Rowley: Mia hom 2065 pland. Dann bin i 112 Joah oid – do lass i mi dann in d Akademie einischiam. Naa, im Ernst, meine Leid kennan des aa ohne mi besddns ferddi macha.

Ham Sie eigntlich a bairischs Liablingswoadd?

Rowley: I mogs olle. Mia gfoin de kloana Weaddal wia auffi, owi, ummi, eini oda nei recht guat. I finds schee, wenn da Bayer sogd, I geh ins Haus eini. Des is raffiniad.

Wieso?

Rowley: Mit dene Rich­ddungsadverbien konn er ganz genau vaorddn, wo er is. Des kon zum Beispui da Englända ned, der sogt bloß „I go into the house.“

Und wia erklärn Sie nacha Eahnare Landsleid Boarisch, wenn Sie dahoam san?

Rowley: Es is vui mehra gleich, ois wia ma denkt. Des Wordd „Loawedoag“ zum Beispiel. Ma sogd aa in England „a loaf of bread“ zum Brodloab. Und da Doag, der Teig, is auf Englisch „dough“. Drei bis vier Moi im Joah bin i dahoam in Yorkshire, mei Muadda lebt do aa no. Do gäh i dann awa ned naus auf d Strass und sog zu de Leid Griaß di und Pfiad di – sonst song dee, der spinnt …

Gibts wos, wos Sie in England dann vamissn?

Rowley: Net vui, awa scho de Weißwiascht. Und an siaßn Senf. Des kennans oafach ned. Und es gibt koa Reinheitsgebot, deshoib schmeckts Bia oft ned so guad. Schauns, scho wieda wos gleich: Foam is auf Bairisch da Schaum. Auf Englisch heißt es foam. Aba dafia gibts in Bayern koa gscheids Frühstück.

A geh, Herr Professor!

Rowley: Naa, koa Porridge, oiso an Hofabrei. Und koan guadn Bacon mit Eggs und koan gscheidn Tää, den nimm i ma jedsmoi mid.

Wos mengs in Bayern nacha am meisddn?

Rowley: De meinige, mei Frau – i hob ja a Hiesige gheirad. Und meine zwoa erwachsna Dechda.

Und wos is dem Englända mit dem großn Bairischn Herz no wichddig?

Rowley: Dass de Leid weida Dialekt ren. Am bestn mit eahnare Kinda. Es waar schod, wenns Bairisch irgndwann nimma gem daad.

Da Anthony erklärt: Des is a "Laggl"

Das ist ein Schimpfwort für einen ungezogenen Burschen. Dahinter steckt der Name eines französischen Generals: Ezéchiel du Mas, comte de Mélac hat im 17. Jahrhundert große Teile der Pfalz zerstört. Sein Name steht seither für unangenehme Männer.

Da Anthony erklärt: Des is a "Schlawuzi"

Das ist in Oberbayern eine gerissene Person. Diesem Wort liegt der Schlawiner zu Grunde. Das hochdeutsche Wort kommt vom Slowenen: Früher galten slowenische Hausierer als besonders gerissen, sie waren aber trotzdem relativ harmlos, weil das Wort nicht abwertend ist. In Schlawuzi steckt noch das Kinderwort „wuzi“ für etwas Rundes, Liebes. Schlawuzi ist also eine besonders liebenswerte, gerissene Person.

Da Anthony erklärt: Des is a "Banzn"

Das ist in Altbayern ein Fass, oft ein ­großes Bierfass. Es kommt ursprünglich vom italienischen Wort „pancia“, Bauch, Wampn. Und beide Bedeutungen gibt es auch im bairischen Dialekt.

d Williams Martina

Unsere Aktion "tz auf Bairisch"

Hochdeutsch: Dieser Artikel ist Teil der Aktion „tz auf Bairisch“. Anlässlich des „Internationalen Tags der Muttersprache“ am 21. Februar erscheint die tz-Wochendausgabe am 20. Februar komplett auf Bairisch. Auf tz.de finden Sie vorab und auch am Wochenende eine Auswahl der Texte sowie ein Zusatzangebot mit Grantler-ABC oder dem „Bairisch-Quiz: Wetten, dass Ihr Dialekt verrät, woher Sie kommen“. Zur Überblicks-Seite „tz auf Bairisch“.

Bairisch: Dea Artikel g'head zu unsara Aktion "tz auf Bairisch" dazua. Zum "Intanationalen Dog da Muttersprach" am 21. Februar druck ma de Wochendausgab vo da tz am 20. Feburar vo voan bis hintn auf boarisch. Auf tz.de kenna's davoa und a am Wochenend an Schwung Text und a no mehra dazua finden, wia as Grantler-ABC oda as Boarisch-Quiz. Garantiert, dass eana Dialekt verrodd, wo's herkemman, glamm 'ses uns! Do geht's zua Übersichtseitn "tz auf Bairisch".

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