Da große Münchna

tz-Interview mit'm Karl Valentin: "Friahra war de Zukunft aa bessa"

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Unsa Redakteur Armin Geier hod am Valentin genau zuaghead.

Minga - Mia vo da tz ham exklusiv mit dem großn Münchna, am unsterblichn Karl Valentin gredt.

Es war a sonniga Junidog im Joah 1882, wia in Planegg da liabe Gott a Schüssal voi Genialität ausgschütt hod. Da Karl Valentin hod as Liachd der Wäid gsehng – und as Gsicht vo seina Hebamm. Ja, es war de Erschaffung vo da bayrischen Absurdität. Logisch, dass mia vo da tz in unsra Bairisch-Ausgabe aa mit dem großen Künstla ren woiddn. Unsa Schreiberling, da Geier Armin, is desweng zum Viktualienmarkt ganga und hod de Statue vom Valentin aufgsuachd. Wenn ma nämlich ganz nah an den dirrn Lackl higähd, ko man flüsddan hean. Ganz leise. Rauskemma ist unsa Exklusiv-Interview mit dem wahrscheinlich beliebtestn Humoristn olla Zeitn – a Interview mit am dickn Aungzwinkan.

Griaß God, Herr Valentin.

Valentin: Servus, Schreiberling.

Ma hod nix ghead vo Eahna de letztn Joah. Schee, dass für mi a Ausnahme mochan.

Valentin: Mei – wer vui red, der hod wenig zum Song. Do bin i hoid liawa staad. Außadem bin i 1948 ja gstorm.

Und Sie ham ja amoi gsogd: „Es ist schon alles gesagt, nur noch nicht von allen.“

Valentin: Is des vo mir?

Ja!

Valentin: Gor ned schlechdd, oda?

Genial! Aa wenn Sie dod san – beobachddn deans scho no oiss, oda?

Valentin: Eh klar. Von obn.Und i leb ja aa weida. Mei Geist is ständig unterwegs. Fliagt. Moi schwebt er iwam Gerhard Polt, üwam Achternbusch, dann stichel i an Fredl Fesl. I hob gnua zum doa. Dazua hob i olle genau im Blick – aa de Politika.

De Leid meng Sie ja no imma.

Valentin: Des gfreid mi – manchmoi is des awa aa läs­ddig. Schauns: Jetzt hod ma wieda irgndwer so a greislige Gloskeddn umghängd.

De Leid schmücken Ihr Statue hoid gern…

Valentin: Ja, awa doch ned aso! A Mass Bier waar ma liawa. Oda a Semmeknedl.

Moi ehrlich: Wia gfoid Eahna denn des Minga vo heid?

Valentin: Es is no imma schee. D Isar lafft wieda richddig dahi, da Viktualienmarkt strahld wie oiwei. Da Englische Gartn. Pfundig. Awa a boor Bausindn gibds scho aa (stockt kurz).

Sie deaffan frei ren …

Valentin: De Betonkletz aus de 70er am Marienplatz zum Beispui. Da Hauptbahnhof! Oda de steriln Wohnblocks iwaroi. Und fia de Mietn, de de Münchna heid im Monat zoin miassn – da hättn de Liesl Karlstadt und i friara oa Joah lang drunga und gessn. Guad gessn!

Ja, ois is deia worn.

Valentin: Luxus iwaroi in unsra Stod. Schau da doch de Wiesn o. Do daad i nimma higeh. Do werst ja dadruckt und Blooz kriagst aa koan – außa du bist a großa Gschäftsmo oda a so a Hoib-Promi.

Und de Leid – san de in de ganzn Joah andas worn?

Valentin: Oans is ma do negativ auf­gfoin. Heid wern meisddns Witze iwa andre gmachd, mit vui bäsa Kritik an jedem und oiss. I hob imma iwa mi säiwa glachd und lacha lassn.

Na ja, Sie ham ­hoid aa scho optisch an großn Witz ghabd.

Valentin: A langs Elend bin i gwesn. Logisch – so a Casting-Show häd i ned gwunna. Nia im Lem. Vui zu dirr und unfreindlich.

Heid mog ja irgendwie jeda a Künstla sei. A Superstar.

Valentin: Jo, awa des haud hoid ned hi. Kunst kimmt ja vo Kinna und ned vo Woin – sonst daads ja Wunst hoassn. So a normala Beruf wia Schaffna oder Instrumentenbaua oder Briafmarknsammla is bei de junga Leid gor nix mehr wert. Schod einglich.

Was mia auffoid: De bayerische Granddigkeit is ja heid leida scho fast politisch inkorrekt. Des konn Eahna doch ned gfoin?

Valentin: Richddig. Und des stinkd mir a gscheid. I bin zwar koa direkta Rüpel, awa bekanntlich de Brennnessel undda de Liebesbleame. Und frech sei, a bissal stichln – des ghead zu uns Bajuwarn einfach dazua.

Sie ham moi gsogd: „De Zukunft war friara aa bessa.“ Jetzt hamma ja sozusagen Zukunft, weil Sie ja 1948 gstorm san. Is heid wos bessa?

Valentin: Friedlicher iss wia damois. Jetzt schiaßn bloß no Schneekanona bei uns. Awa aufbassn: Jetzad san wieda a boor Zündler unddawegs – awa de hob i genau im Aug.

No wos?

Valentin: Hmmmm – ah und es gibt heidzdog Stauzeidmesser. Do wissn d Leid vorher scho, wia vui Zeid sie glei beim Verkehr valiern wern. Genial unnitz is des. Des hääd vo mir sei kenna.

Übrigns: Ham sie gwussd, dass wenn wos genial lusddig und schlau is, ma vo „Valentinesk“ redt?

Valentin: Ehrlich? Des gfreid mi narrisch. Dankschee. Gengfrog: Gibts Straußinesk aa – wegam Franz Josef Strauß?

Naa.

Valentin: Sehr guad! Und Stoiberesk?

Aa ned!

Valentin: No bessa.

Obwoi, wenn Sie recht stottan und iwan Transrapid schwafen – dann is des irgendwie stoiberesk.

Valentin: Haha, des hob i gsehng. Des war lusddig – wenn aa ohne de Komponente der Intelligenz.

Und a Briefmarkn gibts fei aa mit Eahna drauf!

Valentin: Is des woah? Schee, weil i hob ja imma Briefmarkn gsammelt – wega meim Asthma.

Wos hod jetz des oane mit dem andan zum doa?

Valentin: Nix!

Aha. Guad. Letzte Frog: Iwa wos kennan Sie no lacha?

Valentin: Iwad Touristn aus da ganzn Wäid, de vor mia stengan und frong, wer i bin.

Und wos machans dann?

Valentin: Dann schweig i sie o. Weil i konn ja aa bloß Bairisch. Außadem mog i mei Ruah.

tz-Stichwort: Karl Valentin

Anno 1882 kimmt da Karl Valentin aufd Wäid. Einglich hoaßt er Valentin Ludwig Fey. Scho im Oidda vo siem Joah spuid er vor da Familie an Clown. 1902 hod a sei ersts Gastspui am Varieté Zeughaus in Nürnberg. Er wui Schauspiela und Komika wern. Sei Dusl: Weil er Asthma hod, muass er ned zum Militär. 1911 trifft er dann Elisabeth Wellano, de unta dem Nama Liesl Karlstadt sei Bühnenpartnarin werd. In de 20er ­Joah macht er an Hauffa Sachan mid seim Spezl Bertolt Brecht. 1931 macht da Valentin sei eings Theadda (an Goethe-Saal) in da Leopoldstraß auf. Awa: Des muaß er noch acht Wocha wieda zuamacha: Da Valentin beharrt gengiwa da Feiabolizei drauf, dass in am Sketch a Zigrettnstumme brennd. Sei Dod is tragisch: Da Valentin stirbt völlig ausghungat im Februar 1948 an a Lungenentzündung. De hod er griagt, weil er noch am Auftritt aus Versehn im Theadda in der Wörthstraß eigschlossn werd und de ganze Nacht in de koidn Räume sitzt. Er werd in Planegg beerdigt.

Unsere Aktion "tz auf Bairisch"

Hochdeutsch: Dieser Artikel ist Teil der Aktion „tz auf Bairisch“. Anlässlich des „Internationalen Tags der Muttersprache“ am 21. Februar erscheint die tz-Wochendausgabe am 20. Februar komplett auf Bairisch. Auf tz.de finden Sie vorab und auch am Wochenende eine Auswahl der Texte sowie ein Zusatzangebot mit Grantler-ABC oder dem „Bairisch-Quiz: Wetten, dass Ihr Dialekt verrät, woher Sie kommen“. Zur Überblicks-Seite „tz auf Bairisch“.

Bairisch: Dea Artikel g'head zu unsara Aktion "tz auf Bairisch" dazua. Zum "Intanationalen Dog da Muttersprach" am 21. Februar druck ma de Wochendausgab vo da tz am 20. Feburar vo voan bis hintn auf boarisch. Auf tz.de kenna's davoa und a am Wochenend an Schwung Text und a no mehra dazua finden, wia as Grantler-ABC oda as Boarisch-Quiz. Garantiert, dass eana Dialekt verrodd, wo's herkemman, glamm 'ses uns! Do geht's zua Übersichtseitn "tz auf Bairisch".

Armin Geier

Armin Geier

E-Mail:Armin.Geier@tz.de

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