tz-Bürgeranwalt

Ärger um verschwundene Swarovski-Figuren

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Ingeborg Kortas mit einem Teil der Glasfiguren aus dem Erbe ihrer Mutter.

München - Ingeborg Kortas ist traurig. Von ihrer Mutter erbte sie viele Swarovski-Figuren. Ein Kunsthaus sollte die Figuren verkaufen, doch kaum jemand wollte die Kunststücke. Dann gab es auch noch Ärger mit der Händlerin. Denn: Einige Figuren waren plötzlich verschwunden. Der tz-Bürgeranwalt hilft.

Ingeborg Kortas schildert ihr Problem: "Ich habe von meiner Mutter knapp 200 Swarovski-Figuren, darunter Sonderfiguren, die mal um 500 Euro kosteten. Da ich keinen Platz habe, sie aufzustellen, wollte ich sie verkaufen. Mit einem Kunsthaus schloss ich im Mai 2013 zwei Kommissionsverträge ab und gab die Figuren ab. Ich sollte bei Verkauf ein Viertel des Einkaufspreises erhalten. Zunächst brachte ich 36 Figuren, in der Quittung wird auf eine Liste verwiesen. Fünf Tage später ist der Erhalt von „157 bis 160 Swarovski-Figuren“ quittiert. Bei beiden Anlieferungen wurde jede Figur in ihrer Originalschachtel kontrolliert. Kurz nach der ersten Einlieferung wurde ein Segelboot für 40 Euro verkauft. Anfang 2016 meinte die Händlerin auf Anfrage, die weiteren Figuren seien unverkäuflich. Ich bekam 120 Figuren zurück. Die Händlerin quittierte, 158 Euro für drei verkaufte und vier nicht auffindbare Figuren zu überweisen. Drei beschädigte Figuren wollte sie reparieren. Sie überwies dann aber nur 120 Euro und erklärte, die fehlenden Figuren habe sie nie erhalten."

Sammler sind oft bereit, einiges zu investieren und wertschätzen ihre Stücke. Aber die fein gearbeiteten Swarovski-Glasfiguren, die Ingeborg Kortas geerbt hat, sind ein wenig aus der Mode gekommen und nicht mehr das wert, was ihre Mutter bezahlt hat. Da es den Angehörigen oft reicht, einige Erinnerungsstücke aufzubewahren, liegt ein Verkauf nahe, bevor der Rest in Kisten herumsteht. Bei Kunstgegenständen, feinem Porzellan und wertvollen Möbeln sind Auktionshäuser die richtige Adresse. Sammlerobjekte aber nehmen die meisten Auktionshäuser gar nicht erst an. Das Kunsthaus, das die Figuren von Ingeborg Kortas annahm, machte hier offenbar eine Ausnahme.

Die tz kontaktierte das Kunsthaus. Bei dem letzten Telefonat sagte ein Mitarbeiter, man habe das ganze Geschäft nach einem fehlenden Karton durchsucht, denn es fehlten tatsächlich zehn bis zwölf Figuren, diese werde man bezahlen müssen. Es sei Ziel, sich zu einigen, es gebe schließlich auch eine Versicherung, die zahle, wenn Teile nachgewiesenermaßen verschwinden. Ingeborg Kortas hofft auf ein gutes Ergebnis. „Dank der tz passiert endlich etwas. Ich bestehe auf Ersatz, wir müssen uns zusammensetzen und eine Lösung finden“, sagt sie. Dass sie nicht gleich Klage einreichen will, sondern verhandeln, freut sicher die mit Arbeit sowieso überlasteten Gerichte.

Einen guten Preis könnte Ingeborg Kortas im Internet erzielen, zumindest für einige der Figuren. Bei eBay und auf anderen Verkaufsplattformen wird so manches Liebhaberstück hoch gehandelt, auch gibt es Swarovski-Sammlerbörsen. „Wer solche Figuren oder Ähnliches verkaufen will, befindet sich auf einer Art Gebrauchtwarenmarkt“, befindet Tatjana Halm, Leiterin der Rechtsberatungsabteilung der Verbraucherzentrale Bayern. Wer ein Stück bei einer privaten Auktion verkauft oder bei einem Händler abgibt, sollte immer alles genau dokumentieren.

„Wichtig ist es, bei Privatverkäufen im Internet die Gewährleistung auszuschließen, und zwar rechtsgültig durch den Satz: Der Verkauf erfolgt unter Ausschluss jeglicher Gewährleistung“, rät Tatjana Halm. Denn Gewährleistung kann teuer werden – bei einem Gebrauchtwagen fällt auch mal ein neuer Motor an. Wer viel im Internet verkauft, sollte zudem aufpassen, ob er nicht als Gewerbetreibender gilt, „wann diese Grenze genau erreicht ist, ist gerichtlich noch nicht genau geklärt“, sagt die Verbraucherschützerin.

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