Sicherheitstipps

tz-Ratgeber: Radfahrer, hier müsst Ihr besonders aufpassen!

+
Erschreckend: nur 15 Prozent aller Radfahrer sind mit einem Schutzhelm unterwegs.

München - Fast 3000 Menschen sind im vergangenen Jahr bei Radunfällen verletzt worden. Und das allein in München. Die Stadt hat einige sehr gefährliche Stellen. Die tz klärt auf und gibt Sicherheitstipps.

Unfälle enden für Radfahrer schneller tödlich, weil sie keine Knautschzone haben.

Die Zahlen aus dem jüngsten Verkehrsbericht der Polizei München sprechen eine deutliche Sprache: 2877 Menschen wurden alleine im vergangenen Jahr bei Unfällen mit Radfahrern verletzt. Für fünf von ihnen kam jede Hilfe zu spät. Die häufigsten Unfälle passieren demnach beim Abbiegen an stark frequentierten Kreuzungen. Bei einem Großteil der Verletzten handelt es sich um Senioren. Aber auch die Gruppe der 25- bis 64-Jährigen ist besonders gefährdet. Die tz fasst die wichtigsten Erkenntnisse der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie zusammen:

Was sind die Hauptursachen von schweren Verletzungen?

Die schlimmsten Blessuren werden nach Zusammenstößen mit Autos, Lastwagen oder Bussen registriert. Dabei werden Radfahrer meist beim Abbiegen zu spät erkannt oder übersehen. Gefährlich sind auch Zusammenstöße von zwei Radlern. Es fehlt die Knautschzone, auch die oft mangelnde Schutzausrüstung trägt zur Schwere der Verletzung bei.

Welche Körperteile werden bei einem Fahrradunfall am häufigsten verletzt?

Etwa 60 Prozent der Verletzungen betreffen Arme und Beine. Blessuren am Kopf kommen in 25 Prozent der Fälle vor. Diese machen aber den Großteil der lebensgefährlichen Verletzungen aus (70 Prozent). Auch der Brustbereich ist bei Radlunfällen stark gefährdet.

Wie viele Radfahrer tragen einen Helm?

Die Zahl steigt. Trotzdem ist sie noch erschreckend niedrig. Nur 15 Prozent der Radfahrer tragen einen Helm. Das besagen Daten der Bundesanstalt für Straßenwesen. 2010 lag die Quote sogar bei mageren neun Prozent.

Für welche Personengruppen ist es wichtig, einen Helm zu tragen?

Generell sollte jeder einen Helm tragen. Gut beraten sind vor allem Kinder, Senioren und Radsportler.

Gibt es Situationen, in denen Helme mehr schaden als nutzen?

Auf dem Spielplatz kann der Helm zu schweren Verletzungen führen. Es gibt tragische Unfälle, bei denen sich Kinder mit den Verschlussgurten der Helme stranguliert haben. Das Tragen von Helmen soll aber keinesfalls Angst schüren.

Wie sind Senioren sicher mit dem Radl unterwegs?

Verstauen Sie Gepäck hinten im Fahrradkorb oder in einer Tasche auf dem Gepäckträger! Schalten Sie – falls vorhanden – Ihr Hörgerät unbedingt ein! Tragen Sie festes Schuhwerk, eine Warnweste oder helle Kleidung! Lassen Sie Ihr Radl auf Verkehrstauglichkeit überprüfen!

Achtung bei E-Bikes!

Mit E-Bikes oder sogenannten Pedelecs lassen sich hohe Geschwindigkeiten erreichen. In Verbindung mit körperlichen Einschränkungen – gerade bei Senioren – kann es zu schweren Verletzungen kommen.

Neue Mahnmale für die Opfer

Stadträtin Sonja Haider (l.), Andreas Groh (ADFC), Katharina Horn (ÖDP).

Sollten Sie in den nächsten Tagen an einem weißen, mit Blumen geschmückten Fahrrad an einer Kreuzung vorbei­kommen, heißt das: Hier ist ein Radler ums Leben gekommen. Eine Aktion von der Stadtrats-ÖDP und des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs München (ADFC) soll mit diesen „Geisterfahrrädern“ Autofahrer und auch Radler zu mehr Rücksicht mahnen. Auf Münchens Straßen kamen seit 2005 jährlich zwischen zwei und acht Radfahrer ums Leben. Alleine 2015 starben fünf Menschen, weil sie entweder eine Vorfahrt missachtet hatten oder beim Abbiegen von anderen Verkehrsteilnehmern übersehen wurden. „Jeder getötete Radler ist einer zu viel“, sagen Andreas Groh, Vizevorsitzender des ADFC München, und die ÖDP-Stadträtin Sonja Haider. An fünf Orten in München stehen die weißen Skulpturen. Jede erinnert an einen Unfall, bei dem ein Mensch gestorben ist.

Diese Stellen sind besonders gefährlich

Nina H. verlor ihr Leben.

Die tz berichtete am 6. Dezember 2011 über den schrecklichen Tod der 23-jährigen Nina H. Beim Einfädeln in den fließenden Verkehr am Ende eines markierten Radwegs geriet die junge Systembetreuerin unter einen Laster. Sie war sofort tot. Auch fünf Jahre nach dem Unglück gibt es an dieser Stelle in der Rosenheimer Straße 1 noch keinen erweiterten Radweg.

Am 30. Juli 2015 wurde ­Carmela S. († 69) kurz nach der Donnersbergerbrücke an der Kreuzung zur Arnulfstraße 2 ein abbiegender Lastwagen zum Verhängnis. Die Italienerin hatte keine Chance. Zwei Tage zuvor hatte sie mit ihrer Familie ihren Geburtstag gefeiert. Diese Stelle ist den Radfahrern schon lange ein Dorn im Auge. Alleine bei der Ausstellungseröffnung kam es gleich zu mehreren brenzligen Situationen.

Weitere Gefahrenstellen: An der Kreuzung Ingolstädter Straße/Frankfurter Ring 3 ist im Juni 2014 ein 82-jähriger Radfahrer ums Leben gekommen. Auch er wurde von einem Lastwagen erfasst. In der Autharistraße in Harlaching 4 wurde einem 86-Jährigen die viel zu enge Fahrbahn zum Verhängnis. 2008 wurde eine 47-Jährige auf ihrem Fahrrad an einer Baustellenausfahrt an den Pasing Arkaden 5 von einem Laster tödlich verletzt.

„Trotzdem halten wir das Radfahren nicht für allgemein gefährlich“, betont Groh. „Beim Fahren sollte man aber immer auf die Risiken achten.“

auch interessant

Meistgelesen

Krass! So verschuldet sind die Münchner
Krass! So verschuldet sind die Münchner
Straftaten in München: Das sind die Brennpunkte
Straftaten in München: Das sind die Brennpunkte
Technische Störung: Wer zum Flughafen will, hat ein Problem
Technische Störung: Wer zum Flughafen will, hat ein Problem
Technische Störung: Verzögerungen auf der Stammstrecke
Technische Störung: Verzögerungen auf der Stammstrecke

Kommentare