„Sie schlugen mich einfach in den Dreck“

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Sieht so ein Rowdy aus? ­Helmut Ell (48)

München - Nach der Schlägerei am Rande des Pokalspiels FC Bayern gegen Greuther Fürth in der Allianz Arena erhebt ein Familienvater schwere Vorwürfe gegen das USK.

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Helmut Ell (48) konnte nicht ahnen, wie hart ihn die eigene Warnung treffen würde. Der dreifache Familienvater leitete am Abend des Pokalspiels einen der acht Fanbusse der Sportfreunde Ronhof, darin rund 50 Fürther im Alter zwischen 7 und 67 Jahren – Kinder, Paare, Rentner. Doch Ell hat das USK schon mal in Unterhaching erlebt, und sein Bus trifft wegen des Schnees 20 Minuten nach Anpfiff ein, deswegen warnt er bei der Fahrt am Mikro: „Passt auf, dass ihr bei der Kontrolle nicht drängelt …“ Ein 67-jähriger Rentner scherzt noch: „Jetzt übertreibst Du aber!“

Von wegen. Gegenüber der tz berichtet Helmut Ell, wie ihn USK-Polizisten niedergeschlagen, getreten und bedroht hätten: „Ich hatte Angst wie noch nie!“ Der Leiter verlässt seinen Bus als Letzter. Auf dem Weg zum Stadion habe er vor sich ein Riesengedränge erkannt. Er sieht, wie Polizeibeamte die Fürther – auch die aus seinem Bus – „wie Vieh“ mit Stöcken die Rampe hinauf zum Gästeblock treiben. Ein junger Mann sei hingefallen, sofort hätten sich Beamte auf ihn gestürzt. Da will Ell nicht durch.

Der Unternehmer fragt mit seiner Karte in der Hand drei unbeteiligte USK-Beamte: Wo geht es zu Block 242? „Plötzlich lag ich im Dreck“, sagt Ell. Ein Beamter habe ihn niedergeschlagen, seine 1000 Euro-Gleitsichtbrille sei weggeflogen. „Ich bin am Boden gerobbt. Da bekam ich einen Tritt in die Seite!“

Der Fürther habe erkennen können, wie die beiden anderen Beamten den Kollegen wegzogen mit den Worten: „Spinnst Du, der hat doch nix gemacht!“ Er fragt nach den Personalien des Polizisten. Doch dessen Kollegen bedeuten ihm: „Wenn Sie sich nicht beruhigen, nehmen wir Sie fest!“

Sein Bekannter Alfred E. (45) will ihm helfen, drei weitere Beamte werfen ihn zu Boden und nehmen ihn mit Knien im Rücken fest. Ell irrt paralysiert durch seinen Block, findet seinen Platz nicht, der Familienvater weint. Irgendwann trifft er seine Tochter Julia (17). „Sie heulte nur noch, so hat sie mich noch nie gesehen.“ Ell war schon beim Anwalt. Der Unternehmer will seine Schilderung auch unter Eid wiederholen.

DAC

USK

Das Unterstützungskommando USK gehört zu den Spezialkräften der bayerischen Polizei. Es wurde 1987 vor allem zur Bekämpfung von schweren Ausschreitungen gegründet. Heute ist das Aufgabenspektrum des Kommandos vielfältig. Das USK wird eingesetzt: bei Demonstrationen, bei denen schwere Ausschreitungen zu erwarten sind, bei sportlichen Großveranstaltungen, gegen die organisierte und Drogen-Kriminalität, zur Fahndung und Festnahme von gefährlichen, evtl. bewaffneten Straftätern, bei Stürmen von Wohnungen, ­Personenschutz, Gefangenen-­Transporten oder Geiselnahmen.

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