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Ein Sieg des Lebens

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Überglücklich: Mama Beate Maier und ihr Töchterchen Franziska (3)
Überglücklich: Mama Beate Maier und ihr Töchterchen Franziska (3) © Timm

Welch ein Albtraum: Einer jungen Mutter musste in der Uniklinik Großhadern eine neue Leber transplantiert werden – und das in der Schwangerschaft. Jetzt sind Mutter und Kind pumperlgesund!

 Die Ärzte lieferten ein medizinisches Meisterstück ab: Sowohl die Patientin als auch das Kind in ihrem Bauch verkrafteten die Strapazen ohne bleibende Schäden. Heute sind beide pumperlg’sund.

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Rückblende: „Sie sind schwanger.“ Die Nachricht versetzte Beate Maier, damals 31, einen Schock. Gerade hatte sie erfahren, dass in ihrem Körper ein seltener Hepatitis-E-Erreger wütete. Er hatte bereits ihre Leber zerstört und griff andere Organe an. Sterbenskrank wurde sie vom Notarzt ins Klinikum Großhadern eingeliefert: „Für Sie gibt es nur noch eine Chance“, sagte Prof. Karl-Walter Jauch. „Wir müssen Ihnen eine neue Leber verpflanzen. Und zwar schnell.“

Die junge Frau war verzweifelt. So sehr hatte sie sich ein zweites Kind gewünscht. Ein Geschwisterchen für ihren kleinen Sohn Johannes, der damals eineinhalb Jahre alt war. Und jetzt schwebte sie in höchster Lebensgefahr. Quälende Fragen schossen ihr durch den Kopf: Würden die Chirurgen in der kurzen Zeit, die ihr noch blieb, eine Spenderleber finden? Würde sie selbst die riskante Operation überleben? Würde das Kind bei der OP verletzt werden? Und würden die Medikamente, die sie danach nehmen muss, das beginnende Leben in ihrem Bauch vergiften?

Gestern saß Beate Maier, inzwischen 35, im Klinikum glückstrahlend ihren Lebensrettern gegenüber. Auf ihrem Schoß Töchterchen das zuckersüße Franziska (3). Bei ihrem Anblick konnten sich auch die drei Professoren ein stolzes Lächeln nicht verkneifen. „Die Leberverpflanzung bei einer schwangeren Frau, die trotz der vielen Strapazen danach das Kind gesund zur Welt bringt, gab es weltweit erst ganz selten“, sagt Leberspezialist Prof. Alexander Gerbes. Ein Sieg des Lebens!

Gemeinsam mit seinem Kollegen Prof. Reinhard Zachoval betreute Gerbes Beate Maier vor der Transplantation. Danach kümmerten sich die beiden Internisten um die Nachsorge und die Arznei, die Beates neue Leber gesund halten und Infektionen ­sowie Abstoßreaktionen verhindern sollen.

Bis heute ist ihnen das bestens gelungen. „Sieben Wochen lag ich in Großhadern“, erinnert sich die Mutter aus Ottobeuren, die heute wieder in ihrem Beruf als Maschinenbautechnikerin arbeitet. „Dann kam ich drei Wochen in eine Rehaklinik. Ich kann mein Glück noch gar nicht fassen.“

Bei dem gestrigen Treffen mit den Professoren erzählte sie, wie ihre schwere Krankheit begann: „Erst bekam ich einen Hautausschlag an den Beinen. Der Hausarzt hielt es für eine Allergie. Dann bekam ich 40 Grad Fieber. Ein Notarzt gab mir Grippe-Medikamente. Als dann auch noch meine Gelenke anschwollen und ich mich vor Schmerzen kaum noch bewegen konnte, brachte mich mein Mann ins Krankenhaus Memmingen. Dort glaubten die Ärzte an Rheuma. Doch erst, als meine Leberwerte im Blut plötzlich extrem anstiegen, schickten sie mich nach Großhadern. Hier wurde die Hepatitis-E-Infektion entdeckt. Zwischen den ersten Symp­tomen und der Leberverpflanzung lagen nur 14 Tage.“

Michael Timm

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