Verbrecher suchen sich Rentner als Opfer

Überfall, Trickbetrug, Diebstahl: Senioren im Visier

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Zeki O. (51) hat vier Überfälle gestanden.

München - Immer häufiger suchen sich Verbrecher Rentner als Opfer aus - in dieser Woche schon mindestens zwei Mal. Drei Geschichten, die zeigen, wie Senioren gezielt ins Visier der Verbrecher geraten.

Betäubt und ausgeraubt!

Was für ein feiger Überfall in Obergiesing! Paula P. (79, Name geändert) kämpft mit einer schweren Atemwegserkrankung, ist auf ein Sauerstoffgerät angewiesen und wurde am Montag von zwei unbekannten Männern in ihrer eigenen Wohnung überfallen. Bedroht, betäubt, ausgeraubt – so brutal gingen die Täter vor:

Es war gegen 16 Uhr in einer ruhigen Wohngegend nahe des Fasangartens. Es läutete an der Wohnungstür. Paula P. erwartete ohnehin Besuch von einer Bekannten. Also öffnete sie die Tür. Draußen war aber nicht die Freundin, sondern die brutalen Räuber. Einer der Männer drückte der Seniorin ein Tuch ins Gesicht. Laut Polizei war es mit einer Flüssigkeit getränkt. Paula P. war sofort bewusstlos.

Als sie nach einigen Minuten wieder zu sich kam, war die Rentnerin gefesselt. Die beiden Täter durchsuchten die Wohnung, doch Wertvolles fanden sie zunächst nicht. Also musste ihnen Paula P. ihre Verstecke für ihren Schmuck zeigen. Auch Bargeld steckten die Südosteuropäer in ihre Taschen. Der Gesamtschaden beträgt über 10.000 Euro.

Paula P. konnte sich selbst von den Fesseln befreien und die Polizei verständigen. Eine sofortige Suche nach den beiden Männer blieb aber ohne Erfolg.

Die Seniorin erlitt einen Schock, musste ambulant behandelt werden. Die Polizei sucht nach einem rund 45 Jahre alten, 1,70 bis 1,80 Meter großen Mann. Er spricht gebrochenes Deutsch, trägt kurzes, schwarzes Haar und hat buschige Augenbrauen. Eine Beschreibung des zweiten Täters liegt nicht vor. Hinweise unter Tel. 089/29100. Die Polizei prüft nun, ob es einen Zusammenhang zum brutalen Überfall auf Helga P. (86) aus Ottobrunn (tz berichtete) gibt.

Achtung: Neue Betrugsmasche!

Vorsicht, Trickbetrug! Die Sparkasse hatte zusammen mit Polizei und Seniorenbeirat zu Aktions-Tagen in verschiedenen Filialen eingeladen. Dort gab es Informationen, wie sich Senioren vor kriminellen Machenschaften schützen können. Denn die Betrüger werden immer einfallsreicher! Senioren-Sicherheitsberaterin Ingrid Appel berichtet von einer ganz neuen Masche: dem Geldwäsche-Trick! Vor kurzem erst ist eine 80-Jährige aus München drauf reingefallen. Jemand hatte sie angerufen und über einen Gewinn benachrichtigt. Die Dame musste Bearbeitungsgebühren zahlen, zweimal 300 Euro. Zu guter Letzt hat sie ein Konto eingerichtet, auf dem dann die Betrüger größere Geldsummen eingezahlt haben. „Sie wurde wegen Geldwäsche angezeigt und musste Strafe zahlen“, sagt Appel. Sie rät: „110 anrufen, das kostet nämlich nichts, auch wenn viele das denken.“

Er beklaute drei betagte Damen

Zitternd vor Angst saß Mathilde B. (90) an der Bushaltestelle in der Streitbergstraße. „Meine Handtasche“, brachte sie weinend hervor. „Ein Mann hat sie mir gestohlen.“ 140 Euro Bargeld und ihre EC-Karte: alles weg. Und vom Konto wurden 1000 Euro abgehoben, weil sie auch die Pin-Nummer darin aufbewahrt hatte.

Was am 6.9.2015 geschah, ist einer von vier Fällen, für die sich Zeki O. (51) vor dem Landgericht verantworten muss. Er führte ein Leben in Saus und Braus, hatte diverse Lokale. Aber die Gäste blieben aus. Und der Erfolg. Die Geldnot ließ Zeki O. zum Dieb werden. „Ihm ist das unendlich peinlich“, sagt Verteidiger Stephan Lucas, der O. gemeinsam mit Stefan Korn verteidigt.

Dienstag gestand O. alles. Wie er am 19. Mai und 29. Juli Hannelore K. (70) die Geldbörse stahl. Und Erna S. (80) am 26. August in der Limesstraße die Taschen entriss, als sie vom Einkauf kam. Mathilde B. ist mittlerweile verstorben. Die Staatsanwaltschaft fordert mehr als drei Jahre Haft für den Angeklagten.

A. Thieme, J. Heininger, S. Karowski

Andreas Thieme

Andreas Thieme

E-Mail:Andreas.Thieme@tz.de

Johannes Heininger

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E-Mail:Johannes.Heininger@tz.de

Sascha Karowski

Sascha Karowski

E-Mail:sascha.karowski@tz.de

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