Sie macht sich für die Opfer stark

Bischöfin: "Frauen und Mädchen sind unantastbar"

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Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler.

München - Was in Köln in der Neujahrsnacht passiert ist, das macht auch vielen Menschen in München und der Region Angst. Die Münchner Regionalbischöfin fordert mehr Schutz für Frauen.

Hier bei uns hat es nach Angaben der Polizei zwar keine ähnlichen Vorfälle gegeben, doch die Dimension dieser Gewalt ist erschreckend. Die tz sprach mit der evangelischen Münchner Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler (61), die sich stets für Toleranz und ein gesundes Miteinander einsetzt.

Frau Breit-Keßler, was empfinden Sie nach den Erlebnissen von Köln?

Susanne Breit-Keßler: Ich bin entsetzt. Es ist grauenvoll, wenn Mädchen und Frauen sich nicht mehr sicher auf unseren Straßen bewegen können. Die Täter müssen schleunigst ausfindig gemacht und vor Gericht gestellt werden.

Hätte das Geschehen verhindert werden können?

Breit-Keßler: Das lässt sich aus der Ferne nicht so leicht beurteilen. Es braucht jetzt schnelle Aufklärung, damit Fakten an die Stelle von Gerüchten treten können.

Wie reagieren Sie auf Kritiker, die jetzt einen Zusammenhang mit der Flüchtlingsproblematik sehen, da die Täter ja einen arabischen Hintergrund haben sollen?

Breit-Keßler: Kein Mensch käme auf die Idee, alle deutschen Männer für Straftaten verantwortlich zu machen, die eine Gruppe von ihnen begangen hat. Ebenso absurd ist es, jetzt alle Flüchtlinge unter Generalverdacht zu stellen. Zugleich ist doch klar: Asylrecht und Genfer Flüchtlingskonvention schaffen keinen Schonraum für Straftäter, die in unserem Land gegen Recht und Gesetz verstoßen. Wer das tut, muss natürlich mit Konsequenzen rechnen – bei Gefahr für die Sicherheit eines Landes oder für die Sicherheit der Allgemeinheit sogar mit der Abschiebung.

Beobachten Sie eine Verrohung unserer Gesellschaft?

Breit-Keßler: Pauschal würde ich nicht von Verrohung sprechen. Es existiert viel Hilfsbereitschaft, Solidarität und Mitmenschlichkeit. Andererseits gibt es tatsächlich Tendenzen, die Anlass zu Sorge geben. In mancher Hinsicht nimmt die Aggression zu – das merkt man im Straßenverkehr oder in den widerlichen Shitstorms, die blitzartig im Internet losgehen, wenn Menschen mit irgendetwas nicht einverstanden sind. Ich beobachte eine zunehmende Rechthaberei, die bis zur ordinären Herabwürdigung des oder der Anderen geht. Es fehlt erheblich am Respekt vor dem Gegenüber und an jeder Selbstkritik. Insgesamt muss immer wieder in Erinnerung gerufen werden: Frieden und Freiheit lassen sich nur bewahren, wenn demokratische Grund- und Menschenrechte geachtet werden – und die Würde jedes Menschen geschützt bleibt.

Können Attacken wie in Köln Ihrer Meinung nach auch in München passieren?

Breit-Keßler: Das glaube ich kaum. Die Münchner Polizei ist wie die im Freistaat insgesamt sehr aufmerksam und reaktionsschnell. Ich nehme an, dass der Zugriff in München wesentlich zügiger erfolgt wäre, als das in Köln geschehen ist. Ich habe erst am Heiligen Abend die Münchner Polizei am Hauptbahnhof besucht und erneut festgestellt, wie präzise und wachsam dort gearbeitet wird.

Gibt es bei uns genug Anlaufstellen für Frauen in Not?

Breit-Keßler: Allein in München existieren mehr als sieben Beratungsstellen für akute Notsituationen, darunter natürlich auch solche der evangelischen Kirche. Dazu kommen die Anlaufstellen in Kliniken und bei der Polizei, Familien- und Sexualberatungsstellen sowie sämtliche Notrufnummern, unter denen man sich Hilfe holen kann.

Immer wieder werden Frauen zu Opfern von Gewalt. Welche Lösungen kann die Gesellschaft finden, damit sich dieses Problem bessert?

Breit-Keßler: Von der Wiege bis zur Bahre muss Menschen, besonders Jungen und Männern, eingeschärft werden, dass Mädchen und Frauen gleichrangig sind. Ihr Wille, ihr „Nein“ sind unbedingt zu achten. Jedes männliche Wesen hat vom Kindergarten über Schule und Arbeitswelt bis hinein ins hohe Alter sich daran zu orientieren, dass Mädchen und Frauen unantastbar sind – es sei denn, sie wollen von sich aus körperliche Nähe. Bildungs- und Präventionsarbeit, Strafverfolgung und Justiz ­müssen klare Grenzen aufzeigen. Es braucht wirksame Sanktionen für alle Fälle, in denen – übrigens auch in religiöser Hinsicht! – die Würde von Mädchen und Frauen tangiert ist.

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